Etwa 290 Stellen sollen in Bielefeld verloren gehen. Quelle: Stadtwerke Bielefeld
Abschied von Personal und Plänen: Bielefelds Stadtwerke beugen sich wirtschaftlichem Druck und bauen bis 2030 etwa 300 Stellen ab. Klimaneutral werden die Ostwestfalen nicht so schnell.
Jede zehnte Stelle bei den Stadtwerken Bielefeld soll bis Ende 2030 verloren gehen. Das bestätigt der Versorger aus Ostwestfalen auf Anfrage dieser Redaktion. Es fehlt an Geld. Von dem Umbruch betroffen ist auch das Ziel Klimaneutralität, das der Versorger nun später erreichen will.
In der Stadtwerke Gruppe arbeiten derzeit etwa 2.900 Menschen. Folglich wolle der Versorger 290 Stellen in den kommenden fünf Jahren abbauen, heißt es von den Bielefeldern. Ob dies mit Entlassungen verbunden ist, beantwortete ein Sprecher auf Nachfrage nicht direkt. Es liefen Gespräche über die Modalitäten, der Abbau werde allerdings sozialverträglich erfolgen.
Leistungen in den Geschäftsbereichen wollen die Stadtwerke nicht einschränken, „insbesondere im ÖPNV nicht“, so der Sprecher weiter. Wie viel Geld die Stadtwerke mit dem Personalabbau einsparen können, sei im Moment nicht zu beziffern. Eine Beispielrechnung mit einem willkürlich gesetzten Jahresverdienst von 40.000 Euro je Stelle würde gleichwohl einen Wert von mehr als 11 Millionen Euro Ersparnis ergeben.
Auch das Ziel Klimaneutralität 2040 gibt der Versorger auf
Die Entscheidung folge negativen Entwicklungen im wirtschaftlichen und politischen Bereich, teilen die Stadtwerke mit. Konkret nennen sie steigende Kosten, unsichere Förderkulissen und enger werdende kommunale Spielräume. Die Einschnitte bezeichnet das Unternehmen als „Anpassung der Planung“.
Auch der Weg zur Dekarbonisierung ist davon betroffen: Das Ziel, 2040 Klimaneutralität zu erreichen, gilt nicht länger. Der Aktionsplan Klimaschutz bleibe zwar „fester Bestandteil der strategischen Ausrichtung. Gleichzeitig müssen wir aber das Wünschenswerte in das Machbare übersetzen“, so Geschäftsführer Martin Uekmann laut einer Mitteilung.
Uekmanns Vorstandskollege Rainer Müller ergänzt, dass der Weg zum Klimaschutz „wirtschaftlich verantwortbar bleiben“ müsse. Entsprechende Maßnahmen will der Versorger „in einer Reihenfolge und Geschwindigkeit“ umsetzen, „die finanziell tragfähig und technisch machbar“ sind.
Es gehe in den kommenden Jahren darum, Prioritäten zu setzen, so Rainer Müller weiter. Anders seien die kostenintensiven Vorhaben nicht zu stemmen, zu denen er die Energie‑ und Wärmewende, den Netzausbau und die Modernisierung der Infrastruktur zählt. Die „Innenfinanzierung“ wolle das Unternehmen so stärken.
Investitionen zu prüfen und zu priorisieren, Personal zu reduzieren und „beeinflussbare“ Kosten zu senken sind drei Ansatzpunkte. Darüber hinaus wolle die Unternehmensgruppe verstärkt auf Digitalisierung und künstliche Intelligenz setzen. Dies gelte für den kaufmännischen Bereich, den Netzbetrieb, die Instandhaltung und den Kundenservice.
Möglichen Befürchtungen, dass es um die Stadtwerke schlecht bestellt ist, tritt der Versorger entgegen. Bielefelds Bürgerinnen und Bürger können sich „weiterhin auf ihre Stadtwerke verlassen“. Zentrale Infrastrukturprojekte wolle das Unternehmen fortführen und damit die Versorgungssicherheit gewährleisten. „Wir haben bewiesen, dass wir schwierige Situationen meistern können. Und wir tun das auch jetzt – planvoll und fokussiert“, so Martin Uekmann.
Donnerstag, 12.02.2026, 16:40 Uhr
Volker Stephan
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