Quelle: H2 Forum 2026
Auf dem H2 Forum in Berlin diskutierten Industrie, Finanzierer und Verbände über Finanzierungshemmnisse beim Wasserstoffhochlauf. Der BDEW schlägt parallel ein Wasserstoffgesetz vor.
Auf dem H2 Forum am 3. und 4. März in Berlin steht der Markthochlauf von Wasserstoff im Mittelpunkt. Unter dem Motto „Turning vision into action“ diskutierten Vertreter aus Industrie, Finanzwirtschaft und Verbänden über Projekte, regulatorische Rahmenbedingungen und technologische Entwicklungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Roland Schulze von der Europäischen Investitionsbank (EIB) betonte die Bedeutung realer Projekte für die Marktetablierung. Entscheidend sei es, umgesetzte Vorhaben sichtbar zu machen, Erfolgsfaktoren zu benennen und Hürden offen zu analysieren. Dabei rückten insbesondere Abnehmer in den Fokus.
Ohne verlässliche „Offtaker“ lasse sich die Skalierung vieler Vorhaben nicht finanzieren, da sie maßgeblich zur Absicherung von Erlösströmen beitrügen. Die Förderkriterien der EIB für dedizierte Infrastruktur seien gut den Marktbedingungen angepasst, versicherte Schulze. Als wichtigste technische Herausforderungen bezeichnete er die Einsatzbereitschaft aller Teile der Wertschöpfungskette inklusive Speichern, Kompressoren und Endnutzern.
Berichte aus der PraxisHeike Denecke-Arnold, Vorstandsvorsitzende der Salzgitter Flachstahl GmbH, berichtete von ersten Kunden, die Stahl aus treibhausgasarmer Produktion auf Wasserstoffbasis nachfragten. Gleichzeitig kritisierte sie politische Rahmenbedingungen. Signale aus Brüssel, Vorgaben etwa für die Automobilindustrie zeitlich zu strecken, erschwerten Investitionsentscheidungen.
Zudem seien die europäischen Vorgaben für CO2-freien Wasserstoff aus ihrer Sicht zu eng gefasst und komplex ausgestaltet. Zunächst müsse die Wasserstoffwirtschaft in Gang kommen, bevor weitere Detailregulierungen griffen, forderte sie.
Auch internationale Wettbewerbsaspekte spielten eine Rolle. Sami Pelkonen, Executive Vice President Green Hydrogen bei der Andritz AG, wies darauf hin, dass europäische Regeln nur innerhalb der EU gälten. In Märkten wie Brasilien träfen Anbieter auf Wettbewerber aus China unter anderen regulatorischen Bedingungen. Zu ambitionierte oder einseitige Vorgaben könnten daher die Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigen, warnte er.
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(v.li.): Moderator Thomas Hillig (THEnergy), Heike Denecke-Arnold (Salzgitter Flachstahl), Sami Pelkonen (Green Hydrogen Andritz Group) und Lennart Welter (Thyssen Krupp Nucera) Quelle: Susanne Harmsen |
Optimistischer äußerte sich Lennart Welter, Director Business Development bei Thyssenkrupp Nucera. Die Umstellung auf wasserstoffbasierte Produktionsprozesse sei technisch möglich. Voraussetzung sei jedoch, dass Erzeugungskapazitäten und Verteilinfrastruktur parallel hochliefen.
Derzeit seien viele Vertragsmodelle stark nachfrageseitig geprägt. Künftig müsse auch die Angebotsseite stärker abgesichert werden, etwa durch geeignete Finanzierungs- und Infrastrukturmodelle, die Investoren einbeziehen. Er berichtete vom Salzgitter-Projekt Y in Zusammenarbeit mit Andritz. Der Elektrolyseur habe die Stackmontage, Druckprüfung und TÜV-Zertifizierung bestanden. In Heroya, Norwegen, seien inzwischen 500 Stunden Betrieb erfolgreich absolviert worden.
Neben Projektbeispielen stehen politische Rahmenbedingungen und Marktstrategien im Fokus des H2-Forums. Laut einer Umfrage unter den Kongressteilnehmern glauben nur zwei Prozent, dass die EU ihr Ziel erreicht, bis 2030 jährlich 20 Millionen Tonnen erneuerbaren Wasserstoff jährlich zu beschaffen.
H2G-Vorschlag des BDEWParallel zum Forum erneuerte der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) seine Forderung nach einem eigenständigen Wasserstoffgesetz. In einem Positionspapier unter dem Titel „Einführung eines Wasserstoffgesetzes ‚H2G‘ – Impuls für den konzertierten Markthochlauf“ spricht sich der Verband für ein zentrales Regelwerk aus.
BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae erklärte, der Hochlauf verlaufe stockend. Die Nationale Wasserstoffstrategie der Bundesregierung aus dem Jahr 2020 habe bislang nicht die erwartete Wirkung entfaltet, da zahlreiche Maßnahmen nur teilweise und verzögert umgesetzt worden seien. Es fehle an belastbaren Marktstrukturen, standardisierten Produkten und ausreichend zahlungsbereiter Nachfrage. Gleichzeitig befinde sich die Infrastruktur noch im Aufbau.
Aus Sicht des BDEW soll ein Wasserstoffgesetz klare Zuständigkeiten bündeln und Rechtssicherheit entlang aller Wertschöpfungsstufen schaffen. Es solle ordnungspolitische Vorgaben, Anreizmechanismen und Förderinstrumente miteinander verzahnen. Der Förderrahmen müsse planbar, zugleich aber degressiv und zeitlich begrenzt ausgestaltet sein.
Das
Positionspapier H2G des BDEW steht im Internet bereit.
Dienstag, 3.03.2026, 16:48 Uhr
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