Leonhard Birnbaum bei der Vorstellung der Halbjahresbilanz. Quelle: Stefan Sagmeister
Der Essener Konzern hat seine Halbjahreseszahlen vorgelegt. Das Ergebnis liegt leicht über dem Vorjahr.
Eon hat im ersten Halbjahr bei einem rückläufigen Umsatz sein Ergebnis verbessert. Der Umsatz sank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 8 Prozent von 41,6 Milliarden auf 38,1 Milliarden Euro. Das bereinigte Ebitda erhöhte sich leicht um ein Prozent von 5,3 Milliarden auf 5,4 Milliarden Euro. Der bereinigte Konzernüberschuss legte um 5 Prozent von 1,8 Milliarden auf 1,9 Milliarden Euro zu.
Beim Umsatz machte sich vor allem die Entwicklung im Vertrieb bemerkbar. Das Geschäftsfeld Energy Retail, wo Eon in erster Linie Privat-, Gewerbe- und Industriekunden mit Strom und Gas beliefert, verzeichnete geringere Erlöse.
Der Zwischenbericht nennt unter anderem geringere Absatzmengen als Ursache. Auf Konzernebene entfielen im ersten Halbjahr 24,1 Milliarden Euro Umsatz auf Strom und 10,6 Milliarden Euro auf Gas. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 26,1 Milliarden beziehungsweise 12,1 Milliarden Euro.
Beim Ergebnis entwickelten sich die Geschäftsfelder unterschiedlich. Das Geschäftsfeld Energy Networks, das die Strom- und Gasverteilnetze betreibt, erzielte ein bereinigtes Ebitda von 3,8 Milliarden Euro und lag damit annähernd auf Vorjahresniveau. In Deutschland fiel der Ergebnisbeitrag allerdings niedriger aus.
Wachstum im deutschen Industriekundengeschäft
Belastend wirkten höhere Aufwendungen für Wachstumsmaßnahmen, der Wegfall der Ergebnisbeiträge der entkonsolidierten NEW-Gruppe und ein geringeres Beteiligungsergebnis. Die wachsende Vermögensbasis sowie der Ausbau des Geschäfts mit intelligenten Stromzählern konnten diese Effekte teilweise ausgleichen.
Stärker entwickelte sich Energy Infrastructure Solutions. Das Geschäftsfeld entwickelt und betreibt Energieinfrastruktur unter anderem für Industrieunternehmen, Städte und Kommunen. Das bereinigte Ebitda stieg um 19 Prozent auf rund 390 Millionen Euro. Wesentliche Gründe waren das Wachstum im deutschen Industriekundengeschäft, die verzögerte Weitergabe höherer Beschaffungskosten in Skandinavien sowie witterungsbedingte Effekte im Wärmegeschäft in Skandinavien und Polen.
Zu den positiven Entwicklungen des ersten Halbjahres gehört damit zum einen das Wachstum bei Energy Infrastructure Solutions. Zum anderen entwickelte sich das Netzgeschäft außerhalb Deutschlands positiv. In Schweden sorgten vor allem Tarifanpassungen für einen Ergebnisanstieg. In Zentral-Osteuropa konnten eine höhere regulierte Vermögensbasis und eine höhere regulatorische Verzinsung in Tschechien den Ergebnisrückgang infolge des Verkaufs des Gasgeschäfts mehr als ausgleichen.
„In Deutschland haben wir im ersten Halbjahr mehr als 130.000 Netzanschlüsse umgesetzt. Über fünf Gigawatt Erneuerbaren-Leistung sind zusätzlich neu an unser Netz angeschlossen worden, das entspricht der Leistung von rund 1.000 modernen Windrädern“, sagte Vorstandschef Leonhard Birnbaum bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen. Zugleich verwies er auf die steigende Nachfrage nach Netzanschlüssen für Batteriespeicher und Rechenzentren. Für Batteriespeicher habe Eon mittlerweile Zusagen über 26 GW erteilt, bei Rechenzentren seien es mehr als 13 GW.
Birnbaum: Redispatch-Vorbehalt nicht zum Papiertiger degradieren
Schwächer entwickelte sich das deutsche Netzgeschäft. Das Ergebnis wurde durch höhere Aufwendungen für Wachstumsmaßnahmen belastet. Zudem fehlten im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025 die operativen Ergebnisbeiträge der NEW-Gruppe, die Eon seit Ende September 2025 nicht mehr voll konsolidiert.
Auch beim Netzausbau lag Eon hinter dem Vorjahr: Die Investitionen von Energy Networks sanken von rund 2,5 Milliarden auf 2,3 Milliarden Euro. Ursache waren vor allem witterungsbedingte Verzögerungen im ersten Quartal und die Verschiebung einzelner Projekte in Deutschland. Eon will diese Investitionen voraussichtlich im weiteren Jahresverlauf nachholen.
Für das Gesamtjahr hält Eon an seiner Prognose fest. Erwartet werden ein bereinigtes Ebitda zwischen 9,4 Milliarden und 9,6 Milliarden Euro sowie ein bereinigter Konzernüberschuss zwischen 2,7 Milliarden und 2,9 Milliarden Euro.
Birnbaum kritisierte in seiner Rede das Tempo bei der Umsetzung des Netzpakets des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) und forderte Änderungen an einzelnen Regelungen. Die Abkehr vom Windhundprinzip bei Netzanschlüssen und lokale Steuerungssignale für den Erneuerbaren-Ausbau hält er für notwendig.
Beim Redispatch-Vorbehalt fordert Eon jedoch Änderungen. Dieser dürfe „nicht durch eine zu weiche Ausgestaltung zu einem Papiertiger degradiert werden“. Das Netzpaket müsse nachgebessert und zeitnah vom Parlament beschlossen werden. (sag)
Mittwoch, 12.08.2026, 15:34 Uhr
Stefan Sagmeister
© 2026 Energie & Management GmbH