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Energie & Management > Strom - Energiearmut mit Stromspenden bekämpfen
Quelle: Pixabay / cverkest
Strom

Energiearmut mit Stromspenden bekämpfen

In Österreich läuft ein Projekt, mit dem man über eine Energiegemeinschaft überschüssigen Strom an bedürftige Haushalte spenden kann. 
Die Sache hört sich gut an. Betreiber Erneuerbarer-Energie-Anlagen geben ihren Überschussstrom an bedürftige Haushalte. In Österreich wird das gerade in dem Pilotprojekt „Energiespenden 2.0“ erprobt. Allerdings ist die Umsetzung in der Praxis schwieriger als theoretisch gedacht. 

Die Forschungseinrichtung Salzburg Research probiert in Österreich mit der Enixi GmbH, der „OurPower“-Energiegenossenschaft und der NGO Robin Powerhood das Projekt „Energiespenden 2.0“ aus. Gefördert wird es von der Bundesregierung in Wien. Prominenter Spender ist die deutsche Supermarktkette Lidl, die mit gutem Beispiel vorangeht und überschüssige Energie aus Photovoltaikanlagen für armutsbetroffene Haushalte zur Verfügung stellt.

„Die Bereitschaft, überschüssigen Strom zu teilen, ist bereits deutlich vorhanden. Entscheidend ist nun, die gespendete Energie technisch und organisatorisch so zu bündeln, dass möglichst wenig davon ungenutzt bleibt“, sagt Stefan Linecker, Projektleiter bei Salzburg Research. Gleichzeitig müssen die Angebote für die betroffenen Menschen einfach und verständlich zugänglich sein. Ziel sei ein Modell, das auch bei „stark steigenden Teilnahmezahlen verlässlich funktioniert“.

Landesweite Energiegemeinschaft
 
 
Rund 360.000 Menschen in österreichischen Haushalten können es sich nach Angaben von Salzburg Research „nicht leisten, ihre Wohnung angemessen warmzuhalten“. Besonders betroffen seien Personen mit geringem Einkommen. Sie können häufig nur eingeschränkt an den Vorteilen der Energiewende teilhaben, heißt es weiter.

Seit 2021 ist es in Österreich möglich, Strom zu verteilen, ohne Energiehändler zu sein. Auf dieser Grundlage basiert dieses Projekt. Mittels Bürgerenergiegemeinschaften kann Strom überregional verteilt werden. Die Enixi GmbH und Robin Powerhood haben über die Website „Energiespenden.at“ eine österreichweite Energiegemeinschaft etabliert, um überschüssige Energie an bedürftige Haushalte zu spenden.

„Seit dem Start im Jahr 2023 wurden rund 750 Megawattstunden Strom gespendet. Dies entspricht einer Unterstützungsleistung im Wert von etwa 100.000 Euro“, sagt Valentin Neuhauser von Robin Powerhood. Innerhalb der vergangenen acht Monate habe sich die Zahl der spendenden Personen vervierfacht. 

Das bisherige Modell stoße jedoch an technische und organisatorische Grenzen, heißt es weiter. Erzeugung und Verbrauch werden jeweils in Zeitabschnitten von 15 Minuten miteinander verrechnet. Wird in einem solchen Zeitraum mehr Strom gespendet als unmittelbar verbraucht, kann der Überschuss nicht vollständig für die unterstützten Haushalte genutzt werden. Benötigen diese mehr Energie als gleichzeitig gespendet wird, muss der Reststrom über den regulären Stromanbieter bezogen werden.

Ziel: „Barrierearmer“ Zugang

Weiterhin wollen die Partner bei „Energiespenden 2.0“ ein einheitliches Service-Design, standardisierte Prozesse und einen Maßnahmenkatalog aufbauen. Ziel seien verständliche und möglichst barrierearme Zugänge für Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen und Lebenssituationen.

Unterstützung kommt dabei für Energiespenden 2.0 von der „OurPower“-Energiegenossenschaft. Sie hat nach Angabe von Salzburg Research viel Erfahrung mit einem digitalen Strommarktplatz aufgebaut. Die Energiegenossenschaft wurde 2018 gegründet. Am Our-Power-Marktplatz können Produzierende von PV-Strom sowie Wind- und Wasserkraft ihren Strom direkt an Kunden in ganz Österreich verkaufen und die Preise dafür selbst festlegen.

Mit dem Family&Friends-Angebot gibt es schon die Möglichkeit, Strom um nur 1 Cent/kWh an Freunde zu verkaufen. Im Projekt Energiespenden 2.0 will Our Power gemeinsam mit Robin Powerhood und Enixi ein neues Angebot entwickeln, bei dem das Spenden von Strom mit der Vollversorgung über den Our-Power-Marktplatz kombiniert werden kann.

Langfristig sollen mehrere zehntausend Haushalte teilnehmen können. Das Konsortium sieht ein mögliches jährliches Spendenvolumen im zweistelligen Gigawattstundenbereich. Ob und in welchem Umfang dieses Potenzial erreicht werden kann, soll im Projekt anhand der entwickelten technischen, sozialen und wirtschaftlichen Modelle untersucht werden. (sag)

Montag, 27.07.2026, 17:01 Uhr
Stefan Sagmeister
Energie & Management > Strom - Energiearmut mit Stromspenden bekämpfen
Quelle: Pixabay / cverkest
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Energiearmut mit Stromspenden bekämpfen
In Österreich läuft ein Projekt, mit dem man über eine Energiegemeinschaft überschüssigen Strom an bedürftige Haushalte spenden kann. 
Die Sache hört sich gut an. Betreiber Erneuerbarer-Energie-Anlagen geben ihren Überschussstrom an bedürftige Haushalte. In Österreich wird das gerade in dem Pilotprojekt „Energiespenden 2.0“ erprobt. Allerdings ist die Umsetzung in der Praxis schwieriger als theoretisch gedacht. 

Die Forschungseinrichtung Salzburg Research probiert in Österreich mit der Enixi GmbH, der „OurPower“-Energiegenossenschaft und der NGO Robin Powerhood das Projekt „Energiespenden 2.0“ aus. Gefördert wird es von der Bundesregierung in Wien. Prominenter Spender ist die deutsche Supermarktkette Lidl, die mit gutem Beispiel vorangeht und überschüssige Energie aus Photovoltaikanlagen für armutsbetroffene Haushalte zur Verfügung stellt.

„Die Bereitschaft, überschüssigen Strom zu teilen, ist bereits deutlich vorhanden. Entscheidend ist nun, die gespendete Energie technisch und organisatorisch so zu bündeln, dass möglichst wenig davon ungenutzt bleibt“, sagt Stefan Linecker, Projektleiter bei Salzburg Research. Gleichzeitig müssen die Angebote für die betroffenen Menschen einfach und verständlich zugänglich sein. Ziel sei ein Modell, das auch bei „stark steigenden Teilnahmezahlen verlässlich funktioniert“.

Landesweite Energiegemeinschaft
 
 
Rund 360.000 Menschen in österreichischen Haushalten können es sich nach Angaben von Salzburg Research „nicht leisten, ihre Wohnung angemessen warmzuhalten“. Besonders betroffen seien Personen mit geringem Einkommen. Sie können häufig nur eingeschränkt an den Vorteilen der Energiewende teilhaben, heißt es weiter.

Seit 2021 ist es in Österreich möglich, Strom zu verteilen, ohne Energiehändler zu sein. Auf dieser Grundlage basiert dieses Projekt. Mittels Bürgerenergiegemeinschaften kann Strom überregional verteilt werden. Die Enixi GmbH und Robin Powerhood haben über die Website „Energiespenden.at“ eine österreichweite Energiegemeinschaft etabliert, um überschüssige Energie an bedürftige Haushalte zu spenden.

„Seit dem Start im Jahr 2023 wurden rund 750 Megawattstunden Strom gespendet. Dies entspricht einer Unterstützungsleistung im Wert von etwa 100.000 Euro“, sagt Valentin Neuhauser von Robin Powerhood. Innerhalb der vergangenen acht Monate habe sich die Zahl der spendenden Personen vervierfacht. 

Das bisherige Modell stoße jedoch an technische und organisatorische Grenzen, heißt es weiter. Erzeugung und Verbrauch werden jeweils in Zeitabschnitten von 15 Minuten miteinander verrechnet. Wird in einem solchen Zeitraum mehr Strom gespendet als unmittelbar verbraucht, kann der Überschuss nicht vollständig für die unterstützten Haushalte genutzt werden. Benötigen diese mehr Energie als gleichzeitig gespendet wird, muss der Reststrom über den regulären Stromanbieter bezogen werden.

Ziel: „Barrierearmer“ Zugang

Weiterhin wollen die Partner bei „Energiespenden 2.0“ ein einheitliches Service-Design, standardisierte Prozesse und einen Maßnahmenkatalog aufbauen. Ziel seien verständliche und möglichst barrierearme Zugänge für Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen und Lebenssituationen.

Unterstützung kommt dabei für Energiespenden 2.0 von der „OurPower“-Energiegenossenschaft. Sie hat nach Angabe von Salzburg Research viel Erfahrung mit einem digitalen Strommarktplatz aufgebaut. Die Energiegenossenschaft wurde 2018 gegründet. Am Our-Power-Marktplatz können Produzierende von PV-Strom sowie Wind- und Wasserkraft ihren Strom direkt an Kunden in ganz Österreich verkaufen und die Preise dafür selbst festlegen.

Mit dem Family&Friends-Angebot gibt es schon die Möglichkeit, Strom um nur 1 Cent/kWh an Freunde zu verkaufen. Im Projekt Energiespenden 2.0 will Our Power gemeinsam mit Robin Powerhood und Enixi ein neues Angebot entwickeln, bei dem das Spenden von Strom mit der Vollversorgung über den Our-Power-Marktplatz kombiniert werden kann.

Langfristig sollen mehrere zehntausend Haushalte teilnehmen können. Das Konsortium sieht ein mögliches jährliches Spendenvolumen im zweistelligen Gigawattstundenbereich. Ob und in welchem Umfang dieses Potenzial erreicht werden kann, soll im Projekt anhand der entwickelten technischen, sozialen und wirtschaftlichen Modelle untersucht werden. (sag)

Montag, 27.07.2026, 17:01 Uhr
Stefan Sagmeister

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