E&M exklusiv Newsletter:
E&M gratis testen:
Energie & Management > Öl - Demnächst soll wieder russisches Öl nach Ungarn fließen
Die Ölpipeline Druschba am Fluss Dnjestr in der Ukraine. Quelle: Shutterstock / Pitroviz
Öl

Demnächst soll wieder russisches Öl nach Ungarn fließen

Die Ölpipeline Druschba Richtung Ungarn steht vor einer Wiedereröffnung. Unsere Redaktion zieht Bilanz, wie die Ölpreise Russland nützen und die kriegsbedingten Zerstörungen ihm schaden
Einerseits fließen durch die Blockade der Seestraße von Hormus Petro-Dollar in Strömen nach Russland. Andererseits fliegen ukrainische Drohnen und richten Schäden an Tanklagern, Pipeline- und Verladeeinrichtungen an, so dass weniger Tanker ablegen können.

Moskau ist der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge aus dem Iran-Krieg als Gewinner hervorgegangen, da die Sperrung der Straße von Hormus die Energieversorgung des Nahen Ostens stark beeinträchtigt und die globalen Märkte durcheinanderbringt.

Die Turbulenzen hätten den Preis für russisches Rohöl der Sorte Urals deutlich über 59 US-Dollar je Barrel getrieben, die im russischen Haushalt 2026 veranschlagt sind.

Jeder zusätzliche Dollar zählt 

Argus Media zufolge ist Urals in den ersten 13 Apriltagen an den westlichen Häfen Russlands zu einem Durchschnittspreis von 106,30 US-Dollar je Barrel verkauft worden. Dies entspreche einem Anstieg von 42 Prozent gegenüber März, als die Preise ebenfalls durch den eskalierenden Konflikt in die Höhe getrieben wurden. Jeder zusätzliche Dollar im jährlichen Urals-Preis erhöhe die Steuereinnahmen Russlands aus der Öl- und Gasindustrie um etwa 150 Milliarden Rubel (2 Milliarden US-Dollar), erklärte Olga Belenkaja vom Finanzanalysten Finam in Moskau. Allein im April könnten Russlands Einnahmen hier 900 bis 950 Milliarden Rubel gegenüber 617 Milliarden Rubel im März erreichen, sagte sie. 

Fördermenge unter Druck

Während Russland vom Krieg im Nahen Osten profitiert, leidet das Land unter den ukrainischen Angriffen auf seine Ölinfrastruktur. „Russland kann wegen der Schäden an Hafen- und Energieinfrastruktur kurzfristig Schwierigkeiten haben, die Produktion über das Niveau des ersten Quartals 2026 zu steigern“, erklärte die Internationale Energieagentur (IEA) in ihrem Ölmarktbericht vom 14. April. Die IEA schätzte hier die tägliche Rohölproduktion in Russland im März auf 9 Millionen Barrel, das heißt, 230.000 Barrel weniger als im Vorjahr. Folglich könnten die Einnahmen aus der Steuer auf die Rohstoffförderung, die sich nach den Fördermengen richtet, sinken. 

Verluste durch Druschba-Pipeline 

Ebenso reduzieren weniger Exportumfänge den Gewinn. Im vorigen Jahr exportierte Russland nach Angaben von Vizepremier Alexander Novak 238 Millionen Tonnen Rohöl (4,8 Millionen Barrel am Tag). Davon entfielen rund 80 Prozent auf China und Indien. 25 Millionen Tonnen blieben in Europa - gegenüber früheren Lieferungen im Umfang von 175 Millionen Tonnen im Jahr. 15 Millionen Tonnen Öl importierte die Türkei, während der Rest über die Druschba-Pipeline nach Tschechien, Ungarn und in die Slowakei floss.

Seit 27. Januar fließt aufgrund von Schäden durch russische Luftschläge auf einen ukrainischen Abschnitt kein Öl mehr über die Druschba-Pipeline nach Ungarn und in die Slowakei, sodass sich der tägliche Lieferumfang um rund 200.000 Barrel reduzierte. Medienberichten zufolge steht die Wiederaufnahme des Pipeline-Betriebs unmittelbar bevor. 

Sinkende Verladetätigkeit in Häfen 

Legt dazu kein Öltanker von den zwei Ostseehäfen Ust-Luga und Primorsk ab - wie jüngst im März nach Drohnenangriffen der Ukraine -, erhöht sich der Exportausfall pro Tag auf 1,9 Millionen Barrel. Dieser kumuliert sich im Vergleich zur durchschnittlichen Export-Tagesmenge von 2025 auf beinahe 40 Prozent. Zugleich lässt sich der Ausfall durch verstärkte Hafenlieferungen an der Ostküste des Landes und bereits beladene Schiffe auf See teilweise kompensieren.

Wie der IEA-Bericht zeigt, waren die Rohölexporte im Februar mit 4,35 Millionen Barrel am Tag seit 2022 der niedrigste Monatsschnitt. Der Ausfall der Druschba-Pipeline wirkte sich aus, aber auch weniger Schiffstransporte schlugen zu Buche. Angaben vom russischen Zentrum für Preisindices machen laut Wirtschaftszeitung Kommersant die Abnahme des Ölumschlags infolge von Drohnenangriffen der Ukraine auf die Häfen an der Ostsee und am Schwarzen Meer seit März deutlich: Lag der Tagesumschlag im Februar noch bei 442.000 Millionen Tonnen - 3,3 Millionen Barrel -, fiel er bis in die zweite Aprilwoche um über 30 Prozent auf 292.000 Millionen Tonnen - 2,2 Millionen Barrel.

Rettungsanker Hormus 

Im März stiegen die russischen Rohölexporte laut IEA-Bericht auf 4,62 Millionen Barrel am Tag. Die Lücke füllten bereits beladene Tanker auf See inklusive Tanker der Schattenflotte, für die die USA ihre Sanktionen gelockert hatten und die verstärkt auch wieder indische Häfen anliefen. Diese Lockerungen verlängerten die USA jüngst bis zum 16. Mai.

Bei einem länger anhaltenden Verladestillstand in Häfen durch schwere Schäden durch Drohnenbeschuss droht dem russischen Höhenflug bei den Einnahmen ein starker Dämpfer. Angesichts der angespannten Kriegswirtschaft im Land ist der Krieg im Nahen Osten und die Blockade von Hormus für Russland ein Rettungsanker.

Dienstag, 21.04.2026, 16:10 Uhr
Josephine Bollinger-Kanne
Energie & Management > Öl - Demnächst soll wieder russisches Öl nach Ungarn fließen
Die Ölpipeline Druschba am Fluss Dnjestr in der Ukraine. Quelle: Shutterstock / Pitroviz
Öl
Demnächst soll wieder russisches Öl nach Ungarn fließen
Die Ölpipeline Druschba Richtung Ungarn steht vor einer Wiedereröffnung. Unsere Redaktion zieht Bilanz, wie die Ölpreise Russland nützen und die kriegsbedingten Zerstörungen ihm schaden
Einerseits fließen durch die Blockade der Seestraße von Hormus Petro-Dollar in Strömen nach Russland. Andererseits fliegen ukrainische Drohnen und richten Schäden an Tanklagern, Pipeline- und Verladeeinrichtungen an, so dass weniger Tanker ablegen können.

Moskau ist der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge aus dem Iran-Krieg als Gewinner hervorgegangen, da die Sperrung der Straße von Hormus die Energieversorgung des Nahen Ostens stark beeinträchtigt und die globalen Märkte durcheinanderbringt.

Die Turbulenzen hätten den Preis für russisches Rohöl der Sorte Urals deutlich über 59 US-Dollar je Barrel getrieben, die im russischen Haushalt 2026 veranschlagt sind.

Jeder zusätzliche Dollar zählt 

Argus Media zufolge ist Urals in den ersten 13 Apriltagen an den westlichen Häfen Russlands zu einem Durchschnittspreis von 106,30 US-Dollar je Barrel verkauft worden. Dies entspreche einem Anstieg von 42 Prozent gegenüber März, als die Preise ebenfalls durch den eskalierenden Konflikt in die Höhe getrieben wurden. Jeder zusätzliche Dollar im jährlichen Urals-Preis erhöhe die Steuereinnahmen Russlands aus der Öl- und Gasindustrie um etwa 150 Milliarden Rubel (2 Milliarden US-Dollar), erklärte Olga Belenkaja vom Finanzanalysten Finam in Moskau. Allein im April könnten Russlands Einnahmen hier 900 bis 950 Milliarden Rubel gegenüber 617 Milliarden Rubel im März erreichen, sagte sie. 

Fördermenge unter Druck

Während Russland vom Krieg im Nahen Osten profitiert, leidet das Land unter den ukrainischen Angriffen auf seine Ölinfrastruktur. „Russland kann wegen der Schäden an Hafen- und Energieinfrastruktur kurzfristig Schwierigkeiten haben, die Produktion über das Niveau des ersten Quartals 2026 zu steigern“, erklärte die Internationale Energieagentur (IEA) in ihrem Ölmarktbericht vom 14. April. Die IEA schätzte hier die tägliche Rohölproduktion in Russland im März auf 9 Millionen Barrel, das heißt, 230.000 Barrel weniger als im Vorjahr. Folglich könnten die Einnahmen aus der Steuer auf die Rohstoffförderung, die sich nach den Fördermengen richtet, sinken. 

Verluste durch Druschba-Pipeline 

Ebenso reduzieren weniger Exportumfänge den Gewinn. Im vorigen Jahr exportierte Russland nach Angaben von Vizepremier Alexander Novak 238 Millionen Tonnen Rohöl (4,8 Millionen Barrel am Tag). Davon entfielen rund 80 Prozent auf China und Indien. 25 Millionen Tonnen blieben in Europa - gegenüber früheren Lieferungen im Umfang von 175 Millionen Tonnen im Jahr. 15 Millionen Tonnen Öl importierte die Türkei, während der Rest über die Druschba-Pipeline nach Tschechien, Ungarn und in die Slowakei floss.

Seit 27. Januar fließt aufgrund von Schäden durch russische Luftschläge auf einen ukrainischen Abschnitt kein Öl mehr über die Druschba-Pipeline nach Ungarn und in die Slowakei, sodass sich der tägliche Lieferumfang um rund 200.000 Barrel reduzierte. Medienberichten zufolge steht die Wiederaufnahme des Pipeline-Betriebs unmittelbar bevor. 

Sinkende Verladetätigkeit in Häfen 

Legt dazu kein Öltanker von den zwei Ostseehäfen Ust-Luga und Primorsk ab - wie jüngst im März nach Drohnenangriffen der Ukraine -, erhöht sich der Exportausfall pro Tag auf 1,9 Millionen Barrel. Dieser kumuliert sich im Vergleich zur durchschnittlichen Export-Tagesmenge von 2025 auf beinahe 40 Prozent. Zugleich lässt sich der Ausfall durch verstärkte Hafenlieferungen an der Ostküste des Landes und bereits beladene Schiffe auf See teilweise kompensieren.

Wie der IEA-Bericht zeigt, waren die Rohölexporte im Februar mit 4,35 Millionen Barrel am Tag seit 2022 der niedrigste Monatsschnitt. Der Ausfall der Druschba-Pipeline wirkte sich aus, aber auch weniger Schiffstransporte schlugen zu Buche. Angaben vom russischen Zentrum für Preisindices machen laut Wirtschaftszeitung Kommersant die Abnahme des Ölumschlags infolge von Drohnenangriffen der Ukraine auf die Häfen an der Ostsee und am Schwarzen Meer seit März deutlich: Lag der Tagesumschlag im Februar noch bei 442.000 Millionen Tonnen - 3,3 Millionen Barrel -, fiel er bis in die zweite Aprilwoche um über 30 Prozent auf 292.000 Millionen Tonnen - 2,2 Millionen Barrel.

Rettungsanker Hormus 

Im März stiegen die russischen Rohölexporte laut IEA-Bericht auf 4,62 Millionen Barrel am Tag. Die Lücke füllten bereits beladene Tanker auf See inklusive Tanker der Schattenflotte, für die die USA ihre Sanktionen gelockert hatten und die verstärkt auch wieder indische Häfen anliefen. Diese Lockerungen verlängerten die USA jüngst bis zum 16. Mai.

Bei einem länger anhaltenden Verladestillstand in Häfen durch schwere Schäden durch Drohnenbeschuss droht dem russischen Höhenflug bei den Einnahmen ein starker Dämpfer. Angesichts der angespannten Kriegswirtschaft im Land ist der Krieg im Nahen Osten und die Blockade von Hormus für Russland ein Rettungsanker.

Dienstag, 21.04.2026, 16:10 Uhr
Josephine Bollinger-Kanne

Haben Sie Interesse an Content oder Mehrfachzugängen für Ihr Unternehmen?

Sprechen Sie uns an, wenn Sie Fragen zur Nutzung von E&M-Inhalten oder den verschiedenen Abonnement-Paketen haben.
Das E&M-Vertriebsteam freut sich unter Tel. 08152 / 93 11-77 oder unter vertrieb@energie-und-management.de über Ihre Anfrage.