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Energie & Management > Aus Der Aktuellen Ausgabe - „Wir bieten liquideren Zugang zu PPA-Märkten“
Quelle: E&M
Aus Der Aktuellen Ausgabe

„Wir bieten liquideren Zugang zu PPA-Märkten“

Was bedeutet die Übernahme von Quadra Energy durch den Total-Konzern? Das erläutet Geschäftsführer Thomas Krings im E&M-Gespräch. 
E&M: Herr Krings, mit dem Total-Konzern wird, wenn die Kartellbehörden zustimmen, eines der großen europäischen Energieunternehmen Quadra Energy übernehmen. Hat Sie das Interesse der Franzosen an Ihrem Unternehmen überrascht?

Krings: Dass sich ein Unternehmen vom Kaliber wie Total Energies für uns interessiert hat, spricht zum einen für uns und ist andererseits auch so etwas wie ein Ritterschlag. Für Total Energies ist die beschlossene Übernahme von Quadra Energy ein weiterer wichtiger Baustein der Multi-Energie-Strategie mit dem Fokus auf erneuerbare Energien. In Deutschland hat Total Energies in den zurückliegenden Monaten Schlagzeilen mit dem Zuschlag bei einer Offshore-Windenergieauktion gemacht, bei der mehrere Gigawatt Leistung ausgeschrieben gewesen sind. Nach dem Zuschlag drängte sich bei Total Energies schnell die Frage der Vermarktungsstrategie für diesen auf See erzeugten Windstrom auf. Total Energies hat sich deshalb die Chance, die der Verkauf von Quadra Energy bot, nicht entgehen lassen. 

E&M: Auch wenn es das Closing für den Kaufvertrag wohl erst im Frühjahr geben wird: Welche Veränderungen erwarten Sie für Quadra Energy mit dem neuen Eigentümer Total? 

Krings: Quadra Energy bleibt Quadra Energy. Alle Werte, für die dieses Unternehmen bislang gestanden hat, gelten auch zukünftig. Es bleibt beispielsweise bei unseren Rundum-sorglos-Paketen für die Vermarktung oder bei der Zusammenarbeit mit Enercon (dem niedersächsischen Windturbinenhersteller; d. Red.). Um es auf den Punkt zu bringen: Für unsere deutschen Kunden ändert sich in unserem Außenauftritt überhaupt nichts.
Für Quadra Energy selbst eröffnet sich durch den neuen Eigentümer eine neue Finanzstärke. Wir sind zuletzt einer, wenn nicht sogar der größte Anbieter von PPA insbesondere für Post-EEG-Anlagen mit einem Volumen von mehreren Terawattstunden pro Jahr gewesen. Bei diesen Volumina und den damit geforderten Sicherheiten für den Langfristhandel wären wir irgendwann an Grenzen gestoßen. Mit Total Energies sind wir bei der Finanzausstattung ganz anders aufgestellt. Wir können unseren Kunden mit Total Energies im Rücken künftig einen viel liquideren Zugang zu den PPA-Märkten anbieten, und zwar auch für langfristige Kontrakte mit beispielsweise zehn- bis fünfzehnjähriger Laufzeit.
 
„Die dramatisch gestiegene Preisvolatilität wird die Direktvermarktung teurer machen“, sagt Quadra-Chef Thomas Krings
Quelle: Quadra Energy

E&M: Wird Quadra Energy mit dem designierten neuen Eigentümer europäischer oder bleibt der deutsche Markt der Hauptfokus? 

Krings: Mit der Antwort auf diese Frage kann ich mich nur wiederholen: Quadra Energy bleibt Quadra Energy, der Fokus unseres Geschäftes liegt weiterhin in Deutschland. Der deutsche Strommarkt ist sicherlich dank des hohen Volumens an eingespeisten grünen Energien einer der komplexesten in Europa. Das Know-how, das wir bislang dabei gewonnen haben und auch künftig gewinnen werden, stellen wir Total Energies für deren Multi-Energie-Strategie gerne zur Verfügung. Was daraus wird, werden wir sehen.

E&M: Was waren 2023 die wichtigsten Entwicklungen auf dem deutschen Direktvermarktungsmarkt für Quadra Energy? 

Krings: Wir kommen aus zwei Jahren Energiepreiskrise. Viele Marktgesetze, die bislang galten, waren eine Zeit lang außer Kraft. In diesen beiden Jahren hat es hierzulande einen Solarzubau von rund 20.000 Megawatt gegeben, der das bisherige Direktvermarktungsgeschäft auf neue Füße stellt. An sonnigen Wochentagen haben wir es zunehmend mit negativen Strompreisen zu tun, was es vorher so noch nicht gegeben hat. Im Juli sind wir deshalb in einzelnen Lieferstunden an die technische Grenze der Börsensysteme mit negativen Preisen von 500 Euro je Megawattstunde gekommen.
Die dramatisch gestiegene Preisvolatilität ist eine spannende und zugleich kritische Entwicklung. Wir werden künftig viel mehr niedrige und hohe Börsenstrompreise sehen, was Einfluss auf die Preise für die Direktvermarktung hat. Konkreter ausgedrückt: Das wird die Direktvermarktung schwieriger und teurer machen. Bei dem politisch geplanten Ausbau der erneuerbaren Energien in den kommenden Jahren läuft das auf eine massive Verteuerung der Systemintegration der erneuerbaren Energien hinaus.
 
E&M: Zwingt der anstehende Ausbau der erneuerbaren Energien − Stichwort Verdreifachung der Solar- und Verdopplung der Windenergieleistung bis Ende 2030 − die Direktvermarkter nicht, bei der Vermarktung von Flexibilität aktiver zu werden? 
Krings: So ist es. Das ist aber auch eine Chance für die Direktvermarkter. Die Vermarktung aller smarten Lösungen oder auch von Wasserstoff steckt noch ganz tief in den Kinderschuhen. Wir brauchen aber diese Lösungen dringend, um den Energiemarkt stabilisieren zu können.

Bis Mitte des Jahres volldigitales Produkt für PV

E&M: Stichwort Solarenergie: Quadra ist ein klassisches Windstrom-Vermarktungsunternehmen. Welche Pläne haben Sie angesichts des sich abzeichnenden massiven Solarausbaus?

Krings: Die Solarenergie ist für uns ein ganz wichtiges Wachstumsfeld. Wir vermarkten derzeit Solarkapazitäten von rund 1.300 Megawatt. Das sehen wir allerdings nur als Startpunkt. Wir werden sukzessive alle Produkte, die wir für die Betreiber von Windenergieanlagen entwickelt haben und anbieten, auf den Solarsektor übertragen. Wir wissen um die, sagen wir, kleinteilige Solarlandschaft. Deshalb setzen wir künftig beim Vertriebs- und Vermarktungsgeschäft vor allem auf digitale Lösungen. Bis Mitte des Jahres − so viel sei bereits angekündigt − werden wir mit einem volldigitalisierten Produkt für die Solarenergie starten, und zwar insbesondere für Anlagen mit weniger als 750 Kilowatt.

E&M: Was sind Ihre Erwartungen an das eigene Portfolio und die Preisentwicklung für dieses Jahr? 

Krings: Bis Ende des vergangenen Jahres haben wir leider nicht den Sprung über die 10.000-Megawatt-Marke geschafft. Das wollen wir aber so schnell wie möglich schaffen. Die Höhe der Vermarktungspreise hängt sehr stark vom spezifischen Standort beziehungsweise Projekt ab, sodass die Konditionen nach wie vor individuell ausgehandelt werden müssen. Wir haben in der Energiepreiskrise gelernt, wie stark die Vermarktungskosten für uns Energievermarkter vom Strompreisniveau abhängen. Wir haben unser Portfolio daher sehr früh schon und mittlerweile zu 100 Prozent auf dynamische Vermarktungsentgelte umgestellt. Dies deckt bei uns gestiegene Handelskosten auf hohen Strompreisniveaus und sorgt bei Betreibern für den Vorteil, dass bei niedrigen Strompreisen auch nur sachgerecht niedrige Entgelte zu entrichten sind. Nur mit einem solchen dynamischen Preismodell können die Risiken und Chancen zwischen Vermarkter und Betreiber vernünftig aufgeteilt werden. Deshalb gibt es für uns auch keinen Grund, unsere Angebotsstrategie zu ändern.

Dienstag, 13.02.2024, 09:10 Uhr
Ralf Kpke
Energie & Management > Aus Der Aktuellen Ausgabe - „Wir bieten liquideren Zugang zu PPA-Märkten“
Quelle: E&M
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„Wir bieten liquideren Zugang zu PPA-Märkten“
Was bedeutet die Übernahme von Quadra Energy durch den Total-Konzern? Das erläutet Geschäftsführer Thomas Krings im E&M-Gespräch. 
E&M: Herr Krings, mit dem Total-Konzern wird, wenn die Kartellbehörden zustimmen, eines der großen europäischen Energieunternehmen Quadra Energy übernehmen. Hat Sie das Interesse der Franzosen an Ihrem Unternehmen überrascht?

Krings: Dass sich ein Unternehmen vom Kaliber wie Total Energies für uns interessiert hat, spricht zum einen für uns und ist andererseits auch so etwas wie ein Ritterschlag. Für Total Energies ist die beschlossene Übernahme von Quadra Energy ein weiterer wichtiger Baustein der Multi-Energie-Strategie mit dem Fokus auf erneuerbare Energien. In Deutschland hat Total Energies in den zurückliegenden Monaten Schlagzeilen mit dem Zuschlag bei einer Offshore-Windenergieauktion gemacht, bei der mehrere Gigawatt Leistung ausgeschrieben gewesen sind. Nach dem Zuschlag drängte sich bei Total Energies schnell die Frage der Vermarktungsstrategie für diesen auf See erzeugten Windstrom auf. Total Energies hat sich deshalb die Chance, die der Verkauf von Quadra Energy bot, nicht entgehen lassen. 

E&M: Auch wenn es das Closing für den Kaufvertrag wohl erst im Frühjahr geben wird: Welche Veränderungen erwarten Sie für Quadra Energy mit dem neuen Eigentümer Total? 

Krings: Quadra Energy bleibt Quadra Energy. Alle Werte, für die dieses Unternehmen bislang gestanden hat, gelten auch zukünftig. Es bleibt beispielsweise bei unseren Rundum-sorglos-Paketen für die Vermarktung oder bei der Zusammenarbeit mit Enercon (dem niedersächsischen Windturbinenhersteller; d. Red.). Um es auf den Punkt zu bringen: Für unsere deutschen Kunden ändert sich in unserem Außenauftritt überhaupt nichts.
Für Quadra Energy selbst eröffnet sich durch den neuen Eigentümer eine neue Finanzstärke. Wir sind zuletzt einer, wenn nicht sogar der größte Anbieter von PPA insbesondere für Post-EEG-Anlagen mit einem Volumen von mehreren Terawattstunden pro Jahr gewesen. Bei diesen Volumina und den damit geforderten Sicherheiten für den Langfristhandel wären wir irgendwann an Grenzen gestoßen. Mit Total Energies sind wir bei der Finanzausstattung ganz anders aufgestellt. Wir können unseren Kunden mit Total Energies im Rücken künftig einen viel liquideren Zugang zu den PPA-Märkten anbieten, und zwar auch für langfristige Kontrakte mit beispielsweise zehn- bis fünfzehnjähriger Laufzeit.
 
„Die dramatisch gestiegene Preisvolatilität wird die Direktvermarktung teurer machen“, sagt Quadra-Chef Thomas Krings
Quelle: Quadra Energy

E&M: Wird Quadra Energy mit dem designierten neuen Eigentümer europäischer oder bleibt der deutsche Markt der Hauptfokus? 

Krings: Mit der Antwort auf diese Frage kann ich mich nur wiederholen: Quadra Energy bleibt Quadra Energy, der Fokus unseres Geschäftes liegt weiterhin in Deutschland. Der deutsche Strommarkt ist sicherlich dank des hohen Volumens an eingespeisten grünen Energien einer der komplexesten in Europa. Das Know-how, das wir bislang dabei gewonnen haben und auch künftig gewinnen werden, stellen wir Total Energies für deren Multi-Energie-Strategie gerne zur Verfügung. Was daraus wird, werden wir sehen.

E&M: Was waren 2023 die wichtigsten Entwicklungen auf dem deutschen Direktvermarktungsmarkt für Quadra Energy? 

Krings: Wir kommen aus zwei Jahren Energiepreiskrise. Viele Marktgesetze, die bislang galten, waren eine Zeit lang außer Kraft. In diesen beiden Jahren hat es hierzulande einen Solarzubau von rund 20.000 Megawatt gegeben, der das bisherige Direktvermarktungsgeschäft auf neue Füße stellt. An sonnigen Wochentagen haben wir es zunehmend mit negativen Strompreisen zu tun, was es vorher so noch nicht gegeben hat. Im Juli sind wir deshalb in einzelnen Lieferstunden an die technische Grenze der Börsensysteme mit negativen Preisen von 500 Euro je Megawattstunde gekommen.
Die dramatisch gestiegene Preisvolatilität ist eine spannende und zugleich kritische Entwicklung. Wir werden künftig viel mehr niedrige und hohe Börsenstrompreise sehen, was Einfluss auf die Preise für die Direktvermarktung hat. Konkreter ausgedrückt: Das wird die Direktvermarktung schwieriger und teurer machen. Bei dem politisch geplanten Ausbau der erneuerbaren Energien in den kommenden Jahren läuft das auf eine massive Verteuerung der Systemintegration der erneuerbaren Energien hinaus.
 
E&M: Zwingt der anstehende Ausbau der erneuerbaren Energien − Stichwort Verdreifachung der Solar- und Verdopplung der Windenergieleistung bis Ende 2030 − die Direktvermarkter nicht, bei der Vermarktung von Flexibilität aktiver zu werden? 
Krings: So ist es. Das ist aber auch eine Chance für die Direktvermarkter. Die Vermarktung aller smarten Lösungen oder auch von Wasserstoff steckt noch ganz tief in den Kinderschuhen. Wir brauchen aber diese Lösungen dringend, um den Energiemarkt stabilisieren zu können.

Bis Mitte des Jahres volldigitales Produkt für PV

E&M: Stichwort Solarenergie: Quadra ist ein klassisches Windstrom-Vermarktungsunternehmen. Welche Pläne haben Sie angesichts des sich abzeichnenden massiven Solarausbaus?

Krings: Die Solarenergie ist für uns ein ganz wichtiges Wachstumsfeld. Wir vermarkten derzeit Solarkapazitäten von rund 1.300 Megawatt. Das sehen wir allerdings nur als Startpunkt. Wir werden sukzessive alle Produkte, die wir für die Betreiber von Windenergieanlagen entwickelt haben und anbieten, auf den Solarsektor übertragen. Wir wissen um die, sagen wir, kleinteilige Solarlandschaft. Deshalb setzen wir künftig beim Vertriebs- und Vermarktungsgeschäft vor allem auf digitale Lösungen. Bis Mitte des Jahres − so viel sei bereits angekündigt − werden wir mit einem volldigitalisierten Produkt für die Solarenergie starten, und zwar insbesondere für Anlagen mit weniger als 750 Kilowatt.

E&M: Was sind Ihre Erwartungen an das eigene Portfolio und die Preisentwicklung für dieses Jahr? 

Krings: Bis Ende des vergangenen Jahres haben wir leider nicht den Sprung über die 10.000-Megawatt-Marke geschafft. Das wollen wir aber so schnell wie möglich schaffen. Die Höhe der Vermarktungspreise hängt sehr stark vom spezifischen Standort beziehungsweise Projekt ab, sodass die Konditionen nach wie vor individuell ausgehandelt werden müssen. Wir haben in der Energiepreiskrise gelernt, wie stark die Vermarktungskosten für uns Energievermarkter vom Strompreisniveau abhängen. Wir haben unser Portfolio daher sehr früh schon und mittlerweile zu 100 Prozent auf dynamische Vermarktungsentgelte umgestellt. Dies deckt bei uns gestiegene Handelskosten auf hohen Strompreisniveaus und sorgt bei Betreibern für den Vorteil, dass bei niedrigen Strompreisen auch nur sachgerecht niedrige Entgelte zu entrichten sind. Nur mit einem solchen dynamischen Preismodell können die Risiken und Chancen zwischen Vermarkter und Betreiber vernünftig aufgeteilt werden. Deshalb gibt es für uns auch keinen Grund, unsere Angebotsstrategie zu ändern.

Dienstag, 13.02.2024, 09:10 Uhr
Ralf Kpke

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