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Energie & Management > Aus Der Akuellen Ausgabe - „Ladeinfrastruktur ist ein Standortgeschäft“
Quelle: E&M
Aus Der Akuellen Ausgabe

„Ladeinfrastruktur ist ein Standortgeschäft“

Betreiber öffentlicher Ladeinfrastruktur wünschen sich Planbarkeit und Verlässlichkeit − und keine Verzögerungen beim Netzanschluss. Ein Gespräch mit Linda Boll von Fastned.
E&M: Frau Boll, das Urteil des OLG Düsseldorf vom März hat Klarheit über den Ausbau der Ladeinfrastruktur an Autobahnen gebracht. Wie wichtig sind diese Standorte für Fastned?

Boll: Entlang der Autobahnen gibt es ein sehr großes Potenzial für Schnellladestationen. Die hochfrequentierten Standorte sind natürlich sehr attraktiv und dazu gehören die Standorte an den Autobahnen beziehungsweise in der Nähe der Auffahrten. Für uns sind aber auch zunehmend Standorte in den Städten wichtig. Nicht nur wegen der steigenden Zahl privater E-Autonutzer, sondern auch wegen der steigenden Zahl an Gewerbekunden und Lieferdiensten, die auf Elektrofahrzeuge umsteigen.

E&M: Gehören auch Speditionen mit Lkw zu ihrer Zielgruppe?

Boll: Bei uns laden auch Lkw − 3,5-Tonner auf jeden Fall und auch 7,5-Tonner. Die 40-Tonner eher weniger. Aber diese brauchen ja auch Ladeleistungen im Megawattbereich und Schleppspuren zum Ein- und Ausfahren. Unsere Stationen sind standardmäßig mit 400-kW-Ladepunkten ausgestattet. An einigen Standorten planen wir auch schon spezielle Lkw-Ladespuren mit ein, insbesondere in Belgien. In Deutschland ist es noch ein Randgeschäft für uns.

E&M: Dann benötigen Sie für die Stationen auch keine Netzanschlüsse an der Hochspannungsebene. Dann reicht die Mittelspannung.

Boll: Ja, wir benötigen Netzanschlüsse auf der Mittelspannungsebene.
 
In einigen Fällen zwei Jahre auf einen Anschluss gewartet
 
E&M: Wie lange dauert es, bis Sie einen Anschluss bekommen?

Boll: Auf der Mittelspannungsebene dauert es idealerweise ein halbes Jahr. Wir haben in einigen Fällen aber auch schon mal zwei Jahre auf einen Anschluss warten müssen. Die Station war errichtet, der Trafo stand seit Monaten da, aber der Netzanschluss kam nicht. Wenn wir absehen können, dass es lange dauern wird, dann fangen wir auch noch nicht gleich mit dem Bau der Station an. Denn zum einen wird in einer Station Hightech-Hardware verbaut, die durchaus wetterfühlig ist. Zum anderen sind unsere Stationen weithin sichtbar und wenn sie über lange Zeit geschlossen sind, ist das ein schlechtes Signal an die Kunden. Wir haben hier aus unseren Erfahrungen in den Niederlanden gelernt, wo derzeit auf der Mittelspannungsebene gar keine Netzanschlussbegehren mehr erfüllt werden.

E&M: Nutzen Sie auch Tools, um die Netzkapazität an bestehenden Standorten zu optimieren?

Boll: Wir arbeiten viel mit Software, um das Zusammenspiel der Ladepunkte mit dem Trafo zu optimieren. Wir müssen ja immer darauf achten, Lastspitzen zu vermeiden, damit die Netzentgelte nicht aus dem Ruder laufen. In den Niederlanden pilotieren wir auch vereinzelt Pufferspeicher an den Stationen, um Kapazitäten zu erweitern. In Deutschland ist es aktuell noch kostengünstiger, den Netzanschluss aufzurüsten als in Batteriespeicher zu investieren. Das ändert sich in dem Moment, wenn wir in Netzengpässe wie in den Niederlanden kommen.
 
Linda Boll ist Country Director Germany beim niederländischen Ladeinfrastrukturbetreiber Fastned. Zuvor war sie im Shell-Konzern im Nachhaltigkeitsmanagement und als Politikanalystin tätig.
Quelle: Fastned

E&M: Entscheidendes Kriterium für einen Standort ist aber immer die Kundennähe oder das Verkehrsaufkommen und nicht die Verfügbarkeit und Dimensionierung des Netzanschlusses?

Boll: Ladeinfrastruktur ist ein Standortgeschäft. Es geht darum, sich die besten Standorte zu sichern. Und dies sind solche Orte, an denen man mit der größtmöglichen Ladefrequenz und Lademenge rechnen kann. Wenn wir einen geeigneten Standort identifiziert haben, kommen im zweiten und dritten Schritt die Fragen, ob wir dort bauen können und die entsprechende Netzkapazität verfügbar ist.

E&M: Wie sieht die Kommunikation mit den Netzbetreibern aus?

Boll: Wir stellen ganz offiziell ein Netzanschlussgesuch. Und je nachdem, mit welchem Netzbetreiber man es zu tun hat, bekommt man auch schon mal relativ unbürokratisch eine Erstauskunft zum Zeithorizont und zu den Kosten. Das hilft uns bei den weiteren Planungsschritten schon sehr und spart mitunter viel Zeit. Leider gibt es kein Standardverfahren für den Austausch mit den Netzbetreibern. Das würde uns schon sehr helfen. Stattdessen haben wir es − theoretisch zumindest − mit über 800 verschiedenen Netzbetreibern zu tun, die zum Teil eine sehr unterschiedliche Herangehensweise haben. Bei dem einen hat man sofort einen persönlichen Ansprechpartner, der sehr gut erreichbar und sehr kooperativ ist. Bei dem anderen muss man sich tatsächlich erst einmal minutenlang in die Warteschlange einer Hotline einreihen.

E&M: Haben Sie auch die Erfahrung gemacht, dass Netzbetreiber die Errichtung neuer Stationen blockieren?

Boll: Wenn die Kostensituation und die weiteren Planungsschritte intransparent und die Zuständigkeiten unklar sind, ist das für uns ein großes Problem. Planbarkeit und Verlässlichkeit sind das A und O im Infrastrukturgeschäft. Hier würden wir uns oft ein bisschen mehr Tempo und offenere Kommunikation wünschen. Aber blockiert hat noch niemand. Warum sollten die Netzbetreiber das auch?
 
Nicht die Chance auf fairen Wettbewerb um die Fläche
 
E&M: Vielleicht, um deren Schwester- oder Muttergesellschaften einen strategischen Vorteil zu verschaffen. Sind Stadtwerke für Sie Konkurrenten?

Boll: Viele Stadtwerke betreiben sehr attraktive Ladenetze. Und natürlich sind wir auch Konkurrenten um attraktive Flächen. Und ja, wir haben hin und wieder den Eindruck, dass wir als privater Anbieter bei der Vergabe kommunaler Flächen nicht die Chance auf fairen Wettbewerb um die Fläche bekommen. Deshalb halten wir es auch für so wichtig, dass die Städte und Gemeinden ein transparentes Vergabeverfahren anwenden. Darauf hat aber mittlerweile das Bundeskartellamt ein Auge. (Ende 2024 hat das Bundeskartellamt einen Bericht vorgelegt und moniert, zahlreiche Städte und Kommunen würden geeignete öffentliche Flächen überwiegend oder sogar ausschließlich an das eigene kommunale Stadtwerk vergeben; d. Red.). Aber wir arbeiten sehr gerne mit Kommunen zusammen und haben auch mit vielen schon sehr positive Erfahrungen gemacht.

E&M: Haben Sie neben den Kommunen auch andere Verpächter?

Boll: Wir pachten auch Flächen von privaten Anbietern und erschließen damit neue Flächen für öffentliches Laden. Außerdem wird die Konvertierung von Tankstellen immer wichtiger. Nicht, dass jetzt ein großes Tankstellensterben zu beobachten wäre, aber es werden künftig einfach weniger Tankstellen benötigt. Deshalb schauen wir uns genau an, ob bisherige Tankstellenstandorte für uns infrage kommen. Viele davon sind in den Innenstädten und damit grundsätzlich sehr attraktiv. Wir wollen ja gar nicht öffentliche Park- und Marktplätze belegen.

E&M: Sind Stadtwerke auch potenzielle Partner für Sie?

Boll: Ja, wir können uns sehr gut Partnerschaften mit Stadtwerken vorstellen, zumal Stadtwerke, die in das Ladeinfrastrukturgeschäft eingestiegen sind, oft feststellen, dass der Betrieb und die Vermarktung von Ladeinfrastruktur ein viel aufwendigeres und komplexeres Geschäft ist als gedacht. Denn das Geschäft funktioniert nur, wenn man skalieren kann und wenn man die Anbindung an die Backend-Systeme effizient hinbekommt. Deshalb ziehen sich immer wieder Unternehmen aus diesem Markt zurück. Mit denen überlegen wir gerne, wie man gemeinsam in den Kommunen eine öffentliche Ladeinfrastruktur betreiben könnte.

E&M: Sind Stadtwerke potenzielle Lieferanten für den Ladestrom?

Boll: Wir können uns das vorstellen. Aber Fastned hat lange Zeit tagesaktuell den Strom am Spotmarkt eingekauft.

E&M: Haben Sie einen eigenen Trading Floor, über den die Beschaffung abgewickelt wird?

Boll: Nein, wir arbeiten hier schon länger mit Scholt Energy zusammen. Mittlerweile haben wir auch einige Power Purchase Agreements mit Solarparks abgeschlossen, beispielsweise in den Niederlanden und in Belgien. Solche Optionen schauen wir uns aktuell auch für Deutschland an. Für uns ist natürlich der Preis sehr wichtig. Wir brauchen aber auch sichere Mengen und langfristige Planbarkeit. Deshalb setzen wir verstärkt auf eine ‚gute Mischung‘ beim Beschaffungsportfoliomanagement. 

Strom vom Dach fürs Schnellladenetz

Solaranlagen auf den Dächern der Logistikzentren von Prologis in Belgien werden künftig erneuerbaren Strom für das Schnellladenetz von Fastned liefern. Grundlage dafür ist ein Power Purchase Agreement (PPA) mit einer Laufzeit von 15 Jahren zwischen beiden Unternehmen. Der Vertrag ist das erste PPA von Fastned in Belgien und zugleich das erste außerhalb der Niederlande. Laut einer Mitteilung wird Fastned 90 Prozent des Stroms abnehmen, der durch Solaranlagen auf den Dächern von drei Logistikstandorten von Prologis erzeugt wird.
Die Solaranlagen haben eine Leistung von insgesamt rund 8,1 MWp. Die Arbeiten haben laut Fastned bereits begonnen, die Netzanschlüsse sind gesichert. Die Anlagen werden voraussichtlich in der zweiten Hälfte des Jahres 2026 in Betrieb gehen.
Über die gesamte Laufzeit von 15 Jahren erwartet Fastned, dass der gelieferte erneuerbare Strom das Äquivalent von rund 500 Millionen nachhaltig gefahrenen Kilometern ermöglicht. Das entspricht mehreren Millionen Schnellladevorgängen im belgischen Netzwerk.
Scholt Energy wird im Rahmen der Vereinbarung als Energieversorger fungieren, die Stromabnahme aus den Solaranlagen managen und die operative Lieferung des vertraglich vereinbarten erneuerbaren Stroms an Fastned übernehmen.
 

 

Montag, 8.06.2026, 09:15 Uhr
Fritz Wilhelm
Energie & Management > Aus Der Akuellen Ausgabe - „Ladeinfrastruktur ist ein Standortgeschäft“
Quelle: E&M
Aus Der Akuellen Ausgabe
„Ladeinfrastruktur ist ein Standortgeschäft“
Betreiber öffentlicher Ladeinfrastruktur wünschen sich Planbarkeit und Verlässlichkeit − und keine Verzögerungen beim Netzanschluss. Ein Gespräch mit Linda Boll von Fastned.
E&M: Frau Boll, das Urteil des OLG Düsseldorf vom März hat Klarheit über den Ausbau der Ladeinfrastruktur an Autobahnen gebracht. Wie wichtig sind diese Standorte für Fastned?

Boll: Entlang der Autobahnen gibt es ein sehr großes Potenzial für Schnellladestationen. Die hochfrequentierten Standorte sind natürlich sehr attraktiv und dazu gehören die Standorte an den Autobahnen beziehungsweise in der Nähe der Auffahrten. Für uns sind aber auch zunehmend Standorte in den Städten wichtig. Nicht nur wegen der steigenden Zahl privater E-Autonutzer, sondern auch wegen der steigenden Zahl an Gewerbekunden und Lieferdiensten, die auf Elektrofahrzeuge umsteigen.

E&M: Gehören auch Speditionen mit Lkw zu ihrer Zielgruppe?

Boll: Bei uns laden auch Lkw − 3,5-Tonner auf jeden Fall und auch 7,5-Tonner. Die 40-Tonner eher weniger. Aber diese brauchen ja auch Ladeleistungen im Megawattbereich und Schleppspuren zum Ein- und Ausfahren. Unsere Stationen sind standardmäßig mit 400-kW-Ladepunkten ausgestattet. An einigen Standorten planen wir auch schon spezielle Lkw-Ladespuren mit ein, insbesondere in Belgien. In Deutschland ist es noch ein Randgeschäft für uns.

E&M: Dann benötigen Sie für die Stationen auch keine Netzanschlüsse an der Hochspannungsebene. Dann reicht die Mittelspannung.

Boll: Ja, wir benötigen Netzanschlüsse auf der Mittelspannungsebene.
 
In einigen Fällen zwei Jahre auf einen Anschluss gewartet
 
E&M: Wie lange dauert es, bis Sie einen Anschluss bekommen?

Boll: Auf der Mittelspannungsebene dauert es idealerweise ein halbes Jahr. Wir haben in einigen Fällen aber auch schon mal zwei Jahre auf einen Anschluss warten müssen. Die Station war errichtet, der Trafo stand seit Monaten da, aber der Netzanschluss kam nicht. Wenn wir absehen können, dass es lange dauern wird, dann fangen wir auch noch nicht gleich mit dem Bau der Station an. Denn zum einen wird in einer Station Hightech-Hardware verbaut, die durchaus wetterfühlig ist. Zum anderen sind unsere Stationen weithin sichtbar und wenn sie über lange Zeit geschlossen sind, ist das ein schlechtes Signal an die Kunden. Wir haben hier aus unseren Erfahrungen in den Niederlanden gelernt, wo derzeit auf der Mittelspannungsebene gar keine Netzanschlussbegehren mehr erfüllt werden.

E&M: Nutzen Sie auch Tools, um die Netzkapazität an bestehenden Standorten zu optimieren?

Boll: Wir arbeiten viel mit Software, um das Zusammenspiel der Ladepunkte mit dem Trafo zu optimieren. Wir müssen ja immer darauf achten, Lastspitzen zu vermeiden, damit die Netzentgelte nicht aus dem Ruder laufen. In den Niederlanden pilotieren wir auch vereinzelt Pufferspeicher an den Stationen, um Kapazitäten zu erweitern. In Deutschland ist es aktuell noch kostengünstiger, den Netzanschluss aufzurüsten als in Batteriespeicher zu investieren. Das ändert sich in dem Moment, wenn wir in Netzengpässe wie in den Niederlanden kommen.
 
Linda Boll ist Country Director Germany beim niederländischen Ladeinfrastrukturbetreiber Fastned. Zuvor war sie im Shell-Konzern im Nachhaltigkeitsmanagement und als Politikanalystin tätig.
Quelle: Fastned

E&M: Entscheidendes Kriterium für einen Standort ist aber immer die Kundennähe oder das Verkehrsaufkommen und nicht die Verfügbarkeit und Dimensionierung des Netzanschlusses?

Boll: Ladeinfrastruktur ist ein Standortgeschäft. Es geht darum, sich die besten Standorte zu sichern. Und dies sind solche Orte, an denen man mit der größtmöglichen Ladefrequenz und Lademenge rechnen kann. Wenn wir einen geeigneten Standort identifiziert haben, kommen im zweiten und dritten Schritt die Fragen, ob wir dort bauen können und die entsprechende Netzkapazität verfügbar ist.

E&M: Wie sieht die Kommunikation mit den Netzbetreibern aus?

Boll: Wir stellen ganz offiziell ein Netzanschlussgesuch. Und je nachdem, mit welchem Netzbetreiber man es zu tun hat, bekommt man auch schon mal relativ unbürokratisch eine Erstauskunft zum Zeithorizont und zu den Kosten. Das hilft uns bei den weiteren Planungsschritten schon sehr und spart mitunter viel Zeit. Leider gibt es kein Standardverfahren für den Austausch mit den Netzbetreibern. Das würde uns schon sehr helfen. Stattdessen haben wir es − theoretisch zumindest − mit über 800 verschiedenen Netzbetreibern zu tun, die zum Teil eine sehr unterschiedliche Herangehensweise haben. Bei dem einen hat man sofort einen persönlichen Ansprechpartner, der sehr gut erreichbar und sehr kooperativ ist. Bei dem anderen muss man sich tatsächlich erst einmal minutenlang in die Warteschlange einer Hotline einreihen.

E&M: Haben Sie auch die Erfahrung gemacht, dass Netzbetreiber die Errichtung neuer Stationen blockieren?

Boll: Wenn die Kostensituation und die weiteren Planungsschritte intransparent und die Zuständigkeiten unklar sind, ist das für uns ein großes Problem. Planbarkeit und Verlässlichkeit sind das A und O im Infrastrukturgeschäft. Hier würden wir uns oft ein bisschen mehr Tempo und offenere Kommunikation wünschen. Aber blockiert hat noch niemand. Warum sollten die Netzbetreiber das auch?
 
Nicht die Chance auf fairen Wettbewerb um die Fläche
 
E&M: Vielleicht, um deren Schwester- oder Muttergesellschaften einen strategischen Vorteil zu verschaffen. Sind Stadtwerke für Sie Konkurrenten?

Boll: Viele Stadtwerke betreiben sehr attraktive Ladenetze. Und natürlich sind wir auch Konkurrenten um attraktive Flächen. Und ja, wir haben hin und wieder den Eindruck, dass wir als privater Anbieter bei der Vergabe kommunaler Flächen nicht die Chance auf fairen Wettbewerb um die Fläche bekommen. Deshalb halten wir es auch für so wichtig, dass die Städte und Gemeinden ein transparentes Vergabeverfahren anwenden. Darauf hat aber mittlerweile das Bundeskartellamt ein Auge. (Ende 2024 hat das Bundeskartellamt einen Bericht vorgelegt und moniert, zahlreiche Städte und Kommunen würden geeignete öffentliche Flächen überwiegend oder sogar ausschließlich an das eigene kommunale Stadtwerk vergeben; d. Red.). Aber wir arbeiten sehr gerne mit Kommunen zusammen und haben auch mit vielen schon sehr positive Erfahrungen gemacht.

E&M: Haben Sie neben den Kommunen auch andere Verpächter?

Boll: Wir pachten auch Flächen von privaten Anbietern und erschließen damit neue Flächen für öffentliches Laden. Außerdem wird die Konvertierung von Tankstellen immer wichtiger. Nicht, dass jetzt ein großes Tankstellensterben zu beobachten wäre, aber es werden künftig einfach weniger Tankstellen benötigt. Deshalb schauen wir uns genau an, ob bisherige Tankstellenstandorte für uns infrage kommen. Viele davon sind in den Innenstädten und damit grundsätzlich sehr attraktiv. Wir wollen ja gar nicht öffentliche Park- und Marktplätze belegen.

E&M: Sind Stadtwerke auch potenzielle Partner für Sie?

Boll: Ja, wir können uns sehr gut Partnerschaften mit Stadtwerken vorstellen, zumal Stadtwerke, die in das Ladeinfrastrukturgeschäft eingestiegen sind, oft feststellen, dass der Betrieb und die Vermarktung von Ladeinfrastruktur ein viel aufwendigeres und komplexeres Geschäft ist als gedacht. Denn das Geschäft funktioniert nur, wenn man skalieren kann und wenn man die Anbindung an die Backend-Systeme effizient hinbekommt. Deshalb ziehen sich immer wieder Unternehmen aus diesem Markt zurück. Mit denen überlegen wir gerne, wie man gemeinsam in den Kommunen eine öffentliche Ladeinfrastruktur betreiben könnte.

E&M: Sind Stadtwerke potenzielle Lieferanten für den Ladestrom?

Boll: Wir können uns das vorstellen. Aber Fastned hat lange Zeit tagesaktuell den Strom am Spotmarkt eingekauft.

E&M: Haben Sie einen eigenen Trading Floor, über den die Beschaffung abgewickelt wird?

Boll: Nein, wir arbeiten hier schon länger mit Scholt Energy zusammen. Mittlerweile haben wir auch einige Power Purchase Agreements mit Solarparks abgeschlossen, beispielsweise in den Niederlanden und in Belgien. Solche Optionen schauen wir uns aktuell auch für Deutschland an. Für uns ist natürlich der Preis sehr wichtig. Wir brauchen aber auch sichere Mengen und langfristige Planbarkeit. Deshalb setzen wir verstärkt auf eine ‚gute Mischung‘ beim Beschaffungsportfoliomanagement. 

Strom vom Dach fürs Schnellladenetz

Solaranlagen auf den Dächern der Logistikzentren von Prologis in Belgien werden künftig erneuerbaren Strom für das Schnellladenetz von Fastned liefern. Grundlage dafür ist ein Power Purchase Agreement (PPA) mit einer Laufzeit von 15 Jahren zwischen beiden Unternehmen. Der Vertrag ist das erste PPA von Fastned in Belgien und zugleich das erste außerhalb der Niederlande. Laut einer Mitteilung wird Fastned 90 Prozent des Stroms abnehmen, der durch Solaranlagen auf den Dächern von drei Logistikstandorten von Prologis erzeugt wird.
Die Solaranlagen haben eine Leistung von insgesamt rund 8,1 MWp. Die Arbeiten haben laut Fastned bereits begonnen, die Netzanschlüsse sind gesichert. Die Anlagen werden voraussichtlich in der zweiten Hälfte des Jahres 2026 in Betrieb gehen.
Über die gesamte Laufzeit von 15 Jahren erwartet Fastned, dass der gelieferte erneuerbare Strom das Äquivalent von rund 500 Millionen nachhaltig gefahrenen Kilometern ermöglicht. Das entspricht mehreren Millionen Schnellladevorgängen im belgischen Netzwerk.
Scholt Energy wird im Rahmen der Vereinbarung als Energieversorger fungieren, die Stromabnahme aus den Solaranlagen managen und die operative Lieferung des vertraglich vereinbarten erneuerbaren Stroms an Fastned übernehmen.
 

 

Montag, 8.06.2026, 09:15 Uhr
Fritz Wilhelm

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