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Eine Auswertung von 110.000 Hausanschlüssen zeigt laut E3/DC auch an einem sonnenreichen Pfingstwochenende keine flächendeckende Überlastung der Niederspannungsnetze.
Die deutschen Niederspannungsnetze können nach Einschätzung des Speicher- und Energiemanagementanbieters E3/DC, der zur Hager Group gehört, deutlich mehr Photovoltaik-Leistung aufnehmen als häufig angenommen wird. Grundlage dieser Bewertung ist eine Auswertung von Spannungsmessungen direkt am Netzanschlusspunkt bei rund 110.000 Hausanschlüssen mit Photovoltaik und Heimspeichern während des Pfingstwochenendes 2026. Das Unternehmen hat die Ergebnisse in einem Whitepaper veröffentlicht und sieht darin einen Hinweis darauf, dass dezentrale PV-Anlagen die Ortsnetze derzeit nicht an ihre Belastungsgrenzen bringen.
Anders als viele Studien basiere die Untersuchung nicht auf Modellrechnungen, sondern auf realen Messwerten, schreiben die Verfasser des Whitepapers. Die Messungen erfolgten stündlich über das gesamte Pfingstwochenende 2026. Die betrachteten Anlagen stellen laut E3/DC keine repräsentative Stichprobe aller Hausanschlüsse dar, sondern konzentrieren sich bewusst auf Anschlüsse mit eigener Stromerzeugung. Damit wurden gerade jene Netzbereiche untersucht, in denen die höchsten Rückspeisungen und damit die größten Spannungsanstiege zu erwarten sind.
Als Maßstab diente die nach DIN EN 50160 zulässige Spannungsbandbreite von 230 Volt plus/minus zehn Prozent, also etwa 207 bis 253 Volt. Die Auswertung habe ergeben, dass selbst während der Mittagsspitze am Pfingstsamstag rund 80 Prozent der untersuchten Anschlüsse innerhalb komfortabler Spannungsreserven lagen.
Weitere 18,4 Prozent hätten sich im Bereich zwischen 243 und 253 Volt, während lediglich 0,15 Prozent zeitweise den Grenzwert von 253 Volt überschritten hätten.
Spannung und Strombelastbarkeit sind zu unterscheiden
Nicolas Bartholomäus, Energy Systems Engineer bei E3/DC, erklärte, Ziel der Untersuchung sei es gewesen, den aktuellen Zustand an besonders strahlungsintensiven Tagen zu dokumentieren und zugleich Wege aufzuzeigen, wie sich die Netzaufnahmekapazität weiter erhöhen lasse. Nach seiner Darstellung zeigen die Daten, dass die Situation derzeit beherrschbar sei. Mehr als vier Fünftel der Hausanschlüsse verfügten noch über größere Spannungsreserven, während nur ein sehr kleiner Anteil zeitweise normgerecht abgeschaltet habe.
Das Whitepaper verweist zugleich darauf, dass Spannung und Netzbelastung nicht gleichgesetzt werden dürfen. Hohe Spannungen seien zwar ein zuverlässiger Indikator für Rückspeisungen aus der Niederspannungsebene in vorgelagerte Netze. Aus Spannungswerten allein lasse sich jedoch nicht ableiten, welche Energiemengen tatsächlich über Transformatoren oder Leitungen transportiert würden.
„Weil der Engpass die Spannung ist und nicht die Strombelastbarkeit, greifen Maßnahmen, die das nutzbare Spannungsband erweitern oder die Einspeisespitze glätten“, heißt es wörtlich im Whitepaper. Daraus leitet E3/DC mehrere Handlungsmöglichkeiten ab. Als wirksamsten netzseitigen Hebel nennt das Unternehmen regelbare Ortsnetztransformatoren, die das Spannungsniveau aktiv anpassen können. Darüber hinaus verweist es auf größere und prognosebasiert betriebene Heimspeicher sowie auf bidirektionales Laden von Elektrofahrzeugen. Diese Technologien könnten Einspeisespitzen zeitlich verschieben und damit die Spannungssituation entspannen. Nach Angaben des Unternehmens würden größere Speicher die Mittagseinspeisung wirksam reduzieren, während Vehicle-to-Grid-Anwendungen zusätzliche Flexibilität bereitstellen könnten.
Auch häufig geäußerte Bedenken hinsichtlich besonders hoher PV-Dichten in Süddeutschland bestätigt die Analyse nach Angaben von E3/DC nicht. Trotz längerer Leitungswege und einer höheren Zahl von Einspeisern pro Verbraucher zeigten die ausgewerteten Daten aus Bayern und anderen süddeutschen Regionen kein grundsätzlich anderes Bild als im Bundesdurchschnitt. Die entscheidende Stellgröße bleibe die Spannungshaltung und nicht die geografische Lage eines Netzes.
Vor diesem Hintergrund spricht sich E3/DC dafür aus, den Ausbau von Photovoltaik-Anlagen im Leistungsbereich bis 30 Kilowattpeak fortzusetzen.
Vorstandsvorsitzender Andreas Piepenbrink vertritt die Auffassung, dass der lokal erzeugte Solarstrom überwiegend im Verteilnetz verbleibe und dort auch verbraucht werde. Vor diesem Hintergrund warnt das Unternehmen vor zusätzlichen Vermarktungspflichten für kleinere Anlagen und plädiert für stabile Rahmenbedingungen beim weiteren Ausbau der gebäudeintegrierten Photovoltaik.
Das
Whitepaper steht zum Download zur Verfügung.
Mittwoch, 3.06.2026, 16:07 Uhr
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