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Energie & Management > Klimaschutz - Weltweiter Ausbau von Carbon Dioxide Removal nicht ausreichend
Quelle: Fotolia / bluedesign
Klimaschutz

Weltweiter Ausbau von Carbon Dioxide Removal nicht ausreichend

Eine internationale Analyse warnt vor einer zunehmenden Lücke zwischen geplanten und für die Pariser Klimaziele erforderlichen CO2-Entnahmen aus der Atmosphäre.
Die weltweiten Anstrengungen zur Entnahme von Kohlendioxid aus der Atmosphäre reichen nach Einschätzung eines internationalen Forschungsteams bislang nicht aus, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu unterstützen. Zwar wachse die Anwendung entsprechender Verfahren, doch zwischen den derzeit zugesagten Mengen und dem in Klimaszenarien erforderlichen Umfang bestehe eine zunehmende Lücke.

Zu diesem Ergebnis kommt die dritte Ausgabe der Studie „The State of Carbon Dioxide Removal“. Die Untersuchung wurde von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern mehrerer internationaler Forschungseinrichtungen erstellt, darunter das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), die University of Wisconsin-Madison, die Universität Oxford und die Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP). Die Studie versteht sich als unabhängige globale Bestandsaufnahme zur Entwicklung von Verfahren zur Kohlendioxid-Entnahme.

Nach Angaben der Autoren sind Emissionsminderungen weiterhin der wichtigste Baustein für das Erreichen von Netto-Null-Emissionen. In Paris-kompatiblen Szenarien würden Emissionssenkungen mindestens 80 Prozent des erforderlichen Beitrags leisten. Die verbleibenden Emissionen müssten durch Verfahren zur CO2-Entnahme ausgeglichen werden.

Derzeit werden weltweit rund 2,2 Gigatonnen Kohlendioxid pro Jahr aus der Atmosphäre entfernt. Das entspricht etwa fünf Prozent der globalen Brutto-CO2-Emissionen. Allerdings stammen 99,9 Prozent dieser Entnahmen aus konventionellen Verfahren wie Aufforstung, Wiederaufforstung und der Bindung von Kohlenstoff in Böden und Holzprodukten. Neue technische und hybride Verfahren spielen bislang nur eine marginale Rolle.

Diese sogenannten neuartigen CDR-Verfahren – darunter Pflanzenkohle, Bioenergie mit CO2-Abscheidung und -Speicherung (BECCS), Direct Air Carbon Capture and Storage (DACCS) sowie beschleunigte Verwitterung – wachsen zwar nach Angaben der Studie mit etwa 40 Prozent pro Jahr. Die derzeit erreichte Menge von rund zwei Millionen Tonnen CO2 jährlich liege jedoch deutlich unter dem Niveau, das für die Einhaltung der Klimaziele erforderlich wäre.

Politische Ziele zu wenig ambitioniert

Besonders kritisch bewerten die Autoren die Entwicklung der politischen Zielsetzungen. Die aktuell gemeldeten nationalen Klimapläne würden im Jahr 2030 CO2-Entnahmen von rund 2,5 Milliarden Tonnen pro Jahr ermöglichen. In besonders ambitionierten 1,5-Grad-Szenarien seien jedoch rund 2,9 Milliarden Tonnen erforderlich. Die daraus resultierende Lücke von 300 Millionen Tonnen wachse bis 2035 auf 1,2 Milliarden und bis 2050 auf mehr als 5 Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr an.

Zugleich verweisen die Forschenden auf große Unsicherheiten hinsichtlich Kosten, technischer Potenziale und gesellschaftlicher Akzeptanz. Die Kosten verschiedener Verfahren reichten von weniger als zehn bis zu mehr als 1.000 US-Dollar pro Tonne CO2. Für viele Ansätze lägen die oberen Kostenschätzungen deutlich über den derzeitigen CO2-Preisen.

Als weiteres Problem identifiziert die Studie die starke Konzentration des Sektors. Große Teile der freiwilligen Kohlenstoffmärkte konzentrierten sich auf wenige Regionen und Akteure. Bei neuartigen CO2-Entnahmen dominierten einzelne Unternehmen und Technologien. Dies erhöhe die Anfälligkeit des Marktes gegenüber politischen oder wirtschaftlichen Veränderungen.

Auch in Deutschland gewinnt das Thema CO2-Entnahme an Bedeutung. Die Bundesregierung hat im Klimaschutzprogramm 2026 erstmals eine Langfriststrategie für Negativemissionen verankert. Konkrete Ausbaupfade bleiben nach Einschätzung von Fachleuten jedoch bislang offen. Zwar wurden Förderprogramme für technische CO2-Senken und die Entwicklung entsprechender Märkte aufgelegt, Zielwerte für die Jahre 2035, 2040 und 2045 sollen jedoch erst noch festgelegt werden. Gleichzeitig verweist die Bundesregierung darauf, dass viele technische Verfahren noch in einem frühen Entwicklungsstadium stehen. Die Studie sieht deshalb auch hierzulande weiteren Handlungsbedarf beim Markthochlauf und bei der politischen Ausgestaltung.

Die Autoren sehen deshalb die Jahre bis 2030 als entscheidende Phase. Ohne zusätzliche politische Maßnahmen zur Förderung von Angebot und Nachfrage drohe der notwendige Ausbau neuartiger CO2-Entnahmeverfahren hinter den Anforderungen zurückzubleiben. Gleichzeitig betont die Studie, dass eine schnellere Senkung der Emissionen den Bedarf an CO2-Entnahmen verringern und damit Nachhaltigkeitskonflikte bei Flächen-, Wasser- und Ressourcenverbrauch reduzieren könnte.

Donnerstag, 4.06.2026, 12:43 Uhr
Fritz Wilhelm
Energie & Management > Klimaschutz - Weltweiter Ausbau von Carbon Dioxide Removal nicht ausreichend
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Klimaschutz
Weltweiter Ausbau von Carbon Dioxide Removal nicht ausreichend
Eine internationale Analyse warnt vor einer zunehmenden Lücke zwischen geplanten und für die Pariser Klimaziele erforderlichen CO2-Entnahmen aus der Atmosphäre.
Die weltweiten Anstrengungen zur Entnahme von Kohlendioxid aus der Atmosphäre reichen nach Einschätzung eines internationalen Forschungsteams bislang nicht aus, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu unterstützen. Zwar wachse die Anwendung entsprechender Verfahren, doch zwischen den derzeit zugesagten Mengen und dem in Klimaszenarien erforderlichen Umfang bestehe eine zunehmende Lücke.

Zu diesem Ergebnis kommt die dritte Ausgabe der Studie „The State of Carbon Dioxide Removal“. Die Untersuchung wurde von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern mehrerer internationaler Forschungseinrichtungen erstellt, darunter das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), die University of Wisconsin-Madison, die Universität Oxford und die Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP). Die Studie versteht sich als unabhängige globale Bestandsaufnahme zur Entwicklung von Verfahren zur Kohlendioxid-Entnahme.

Nach Angaben der Autoren sind Emissionsminderungen weiterhin der wichtigste Baustein für das Erreichen von Netto-Null-Emissionen. In Paris-kompatiblen Szenarien würden Emissionssenkungen mindestens 80 Prozent des erforderlichen Beitrags leisten. Die verbleibenden Emissionen müssten durch Verfahren zur CO2-Entnahme ausgeglichen werden.

Derzeit werden weltweit rund 2,2 Gigatonnen Kohlendioxid pro Jahr aus der Atmosphäre entfernt. Das entspricht etwa fünf Prozent der globalen Brutto-CO2-Emissionen. Allerdings stammen 99,9 Prozent dieser Entnahmen aus konventionellen Verfahren wie Aufforstung, Wiederaufforstung und der Bindung von Kohlenstoff in Böden und Holzprodukten. Neue technische und hybride Verfahren spielen bislang nur eine marginale Rolle.

Diese sogenannten neuartigen CDR-Verfahren – darunter Pflanzenkohle, Bioenergie mit CO2-Abscheidung und -Speicherung (BECCS), Direct Air Carbon Capture and Storage (DACCS) sowie beschleunigte Verwitterung – wachsen zwar nach Angaben der Studie mit etwa 40 Prozent pro Jahr. Die derzeit erreichte Menge von rund zwei Millionen Tonnen CO2 jährlich liege jedoch deutlich unter dem Niveau, das für die Einhaltung der Klimaziele erforderlich wäre.

Politische Ziele zu wenig ambitioniert

Besonders kritisch bewerten die Autoren die Entwicklung der politischen Zielsetzungen. Die aktuell gemeldeten nationalen Klimapläne würden im Jahr 2030 CO2-Entnahmen von rund 2,5 Milliarden Tonnen pro Jahr ermöglichen. In besonders ambitionierten 1,5-Grad-Szenarien seien jedoch rund 2,9 Milliarden Tonnen erforderlich. Die daraus resultierende Lücke von 300 Millionen Tonnen wachse bis 2035 auf 1,2 Milliarden und bis 2050 auf mehr als 5 Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr an.

Zugleich verweisen die Forschenden auf große Unsicherheiten hinsichtlich Kosten, technischer Potenziale und gesellschaftlicher Akzeptanz. Die Kosten verschiedener Verfahren reichten von weniger als zehn bis zu mehr als 1.000 US-Dollar pro Tonne CO2. Für viele Ansätze lägen die oberen Kostenschätzungen deutlich über den derzeitigen CO2-Preisen.

Als weiteres Problem identifiziert die Studie die starke Konzentration des Sektors. Große Teile der freiwilligen Kohlenstoffmärkte konzentrierten sich auf wenige Regionen und Akteure. Bei neuartigen CO2-Entnahmen dominierten einzelne Unternehmen und Technologien. Dies erhöhe die Anfälligkeit des Marktes gegenüber politischen oder wirtschaftlichen Veränderungen.

Auch in Deutschland gewinnt das Thema CO2-Entnahme an Bedeutung. Die Bundesregierung hat im Klimaschutzprogramm 2026 erstmals eine Langfriststrategie für Negativemissionen verankert. Konkrete Ausbaupfade bleiben nach Einschätzung von Fachleuten jedoch bislang offen. Zwar wurden Förderprogramme für technische CO2-Senken und die Entwicklung entsprechender Märkte aufgelegt, Zielwerte für die Jahre 2035, 2040 und 2045 sollen jedoch erst noch festgelegt werden. Gleichzeitig verweist die Bundesregierung darauf, dass viele technische Verfahren noch in einem frühen Entwicklungsstadium stehen. Die Studie sieht deshalb auch hierzulande weiteren Handlungsbedarf beim Markthochlauf und bei der politischen Ausgestaltung.

Die Autoren sehen deshalb die Jahre bis 2030 als entscheidende Phase. Ohne zusätzliche politische Maßnahmen zur Förderung von Angebot und Nachfrage drohe der notwendige Ausbau neuartiger CO2-Entnahmeverfahren hinter den Anforderungen zurückzubleiben. Gleichzeitig betont die Studie, dass eine schnellere Senkung der Emissionen den Bedarf an CO2-Entnahmen verringern und damit Nachhaltigkeitskonflikte bei Flächen-, Wasser- und Ressourcenverbrauch reduzieren könnte.

Donnerstag, 4.06.2026, 12:43 Uhr
Fritz Wilhelm

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