E-Citaro mit Brennstoffzelle als Reichweitenverlängerer. Quelle: RNV
Bei der Rhein-Neckar-Verkehrsgesellschaft fallen weiter etliche Busse mit Brennstoffzelle als Reichweitenverlängerer aus. Auch beim ÖPNV-Unternehmen in Stuttgart streikte die Technik.
Der Busverkehr läuft nach Unternehmensangaben wieder stabil, doch die technischen Probleme mit den Elektrobussen mit Wasserstoffbrennstoffzelle sind noch nicht gelöst. Am 9.
Januar hatte die Rhein-Neckar-Verkehrs-GmbH (RNV) darüber informiert, dass mehr als die Hälfte der 48
Fahrzeuge dieses Typs in der Flotte nicht einsatzbereit sind (wir berichteten). Um die Ausfälle auszugleichen, habe man Busse von Subunternehmern geliehen und bei anderen Busunternehmen in der Region kurzfristig Fahrzeuge angemietet, teilte die Verkehrsgesellschaft eine Woche später mit. Bei den Wasserstoffbussen sieht man den Hersteller, Daimler Buses, in der Pflicht.
Daimler erklärte auf Anfrage der Redaktion am 14.
Januar, dass sich Fahrzeuge „des Typs Mercedes-Benz ‚eCitaro fuel cell‘ der RNV zur Überprüfung aufgrund diverser Fehlermeldungen in unserem Service-Center befinden“. Die Gründe hierfür seien je nach Fahrzeug unterschiedlich, so ein Daimler-Sprecher. Die Fahrzeuge würden sukzessive überprüft und gingen unmittelbar nach Abschluss der Überprüfung und Fehlerbehebung wieder in den Einsatz beim Kunden.
„Linderung, aber noch keine Lösung“Als anfällig erwiesen sich die Kompressoren. RNV berichtete von frostbedingten Schäden. Die Verkehrsgesellschaft behilft sich derzeit mit einer „Übergangslösung“. Die Schäden an den Kompressoren seien größtenteils beseitigt, damit die Schäden nicht erneut auftreten, lasse man die Busse nachts an der Stromversorgung, teilt ein RNV-Sprecher mit. „Nächtliches Vorwärmen“ soll verhindern, dass sich Kondenswasser in den Kompressoren bildet. Betrieblich habe man das Problem übergangsweise im Griff, doch „der Hersteller muss eine endgültige Lösung liefern“, sagt der Sprecher der Verkehrsgesellschaft mit Sitz in Mannheim. Von Daimler erwarte man „Umbau-Kits“.
Probleme bereitet zudem die Elektrik beziehungsweise Elektronik. Daimler Buses habe Software-Updates an den Fahrzeugen vorgenommen, berichtet RNV. Nach diesen Updates und anderen Maßnahmen seien zeitweilig etwa 70
Prozent der Busse wieder einsatzbereit. Aktuell seien es 50
Prozent. „Es gibt eine Linderung, aber noch keine Lösung“, schildert der Unternehmenssprecher.
Kompressor-Probleme in Stuttgart behobenProbleme mit den Kompressoren kennt man auch in Stuttgart. Die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) bekam 2025 zehn E-Citaro-Busse mit zusätzlicher Brennstoffzelle. „Das Thema Schäden an Kompressoren bei den Wasserstoff-Hybridgelenkbussen wurde durch einen Umbau seitens des Fahrzeugherstellers in Abstimmung mit der SSB-Werkstatt behoben. Dies war schon 2025“, teilt die SSB auf Anfrage der Redaktion mit. Die anderen Schwierigkeiten der Kollegen der RNV hat man in Stuttgart offenbar so nicht erlebt: „Bei der SSB liegt hierzu der Schwerpunkt nicht im Bereich der Fahrzeugelektronik.“
Die Technik ist noch jung. Der elektrische Citaro mit wasserstoffbasierter Brennstoffzelle läuft seit 2023 vom Band. Produktionsort ist Mannheim. Die Elektro-Gelenkbusse verfügen nach Herstellerangaben über jeweils vier Batteriepakete mit Lithium-Ionen-Akkus. Die Kapazität beträgt 392
kWh pro Fahrzeug. Die Brennstoffzelle hat eine Leistung von 60
kW, der Wasserstoff kommt aus sechs Flaschen, die auf dem Dach montiert sind und je 5
Kilogramm Fassungsvermögen haben. Die Reichweite mit Batterien und Brennstoffzelle beträgt bis zu 400
Kilometer.
Verbesserung der Serienproduktion„Bei der Einführung von neuen Technologien kann es in der Praxis trotz umfangreicher Tests im Vorfeld zu nicht absehbaren Themen kommen“, betont der Bushersteller gegenüber der Redaktion. Im Rahmen der fortwährenden Produktbeobachtung treffe man die nötigen Ableitungen und lasse Verbesserungen fortlaufend in die Serienproduktion einfließen.
Die RNV hatte im Oktober 2022 insgesamt 40
Busse im Rahmen des „H2Rhein-Neckar“ bei Daimler Buses (damals: Evo Bus) bestellt. Das Investitionsvolumen beziffert das Unternehmen auf 41
Millionen Euro. Hinzu kam eine Option für weitere Busse bis 2030. Ausgeliefert worden waren die ersten Busse im November 2023. Im Einsatz sind die Busse seit Anfang/Mitte 2024, sie wurden schrittweise in den Linienverkehr integriert.
Freitag, 23.01.2026, 14:09 Uhr
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