Ein gebrochener Rotor in Bedburg hat die benachbarte A 44 lahmgelegt. Quelle: RWE
Ziemlich geknickt waren am 7. Januar etliche entlang der A 44 im Westen von NRW: sehr viele in ihren Autos und genau eine Turbine mit defektem Flügel. Sie verursachte eine Vollsperrung.
Auch einen Tag nach dem Rotorbruch in einem Windpark am Tagebau Garzweiler das gleiche Bild: Die betroffene Windkraftanlage lässt einen geborstenen Flügel hängen und bietet einen bedauernswerten Anblick. Im Unterschied zum Geschehen am 7. Januar gehe von der demolierten Turbine allerdings inzwischen keine Gefahr mehr für den Verkehr auf der nahen Autobahn 44 aus.
Dies erklärte ein Sprecher des Anlagenherstellers Nordex auf Anfrage dieser Redaktion. Als das Malheur am Vormittag offenkundig wurde, reagierte die zuständige Autobahnpolizei NRW sofort mit der Vollsperrung der A 44. Auf dem etwa acht Kilometer langen Abschnitt zwischen dem Dreieck Jackerath und dem Kreuz Holz (A 46) im Norden rollte ab etwa 10 Uhr rund sieben Stunden lang kein Fahrzeug mehr.
Erst am Nachmittag bei einsetzender Dunkelheit gelang es, die Gefahr zu bannen. Dies besorgte Nordex per Fernsteuerung der Anlage, wodurch sich die Position der Gondel und Rotoren um 180 Grad veränderte. Die Behörden hatten bis dahin die Sorge, dass bei der Ausrichtung zuvor Teile des Rotors im Falle eines kompletten Abbruchs auch den Verkehr auf der Autobahn treffen könnten.
Auch vier andere Anlagen vorsorglich vom Netz genommen
Der Nordex-Sprecher betonte, die Autobahnpolizei habe die Vollsperrung „rein vorsorglich“ angeordnet. Die Turbine steht in einem Abstand von etwa 270 Meter zur Fahrbahn und gehört zum fünfköpfigen „Windpark Bedburg A 44n“, der seit Ende 2022 existiert. Auch die vier anderen Anlagen stoppte Nordex vorübergehend. Ihre Daten hätten „keine Auffälligkeiten“ gezeigt, so der Unternehmenssprecher.
Offen ist nach wie vor, warum es zum Bruch des Rotors kommen konnte und wann eine Demontage des defekten Teils möglich ist. Von Nordex heißt es, ein Einsatz bei dem stärker werdenden Wind sei für das Monteurteam aktuell zu gefährlich. Gleichwohl sei auch bei dem erwarteten Wintersturm nicht von einem Abriss des Rotors auszugehen.
Der Windpark Bedburg ist eine Anlagensammlung auf einem rekultivierten Areal des ehemaligen Braunkohle-Tagebaus Garzweiler. Wie eine Sprecherin des Tagebau-Betreibers RWE auf Anfrage dieser Redaktion erklärte, habe das Essener Unternehmen den Park von Nordex noch nicht übernommen. Dies stehe samt der technischen Abnahme in diesem Jahr an.
RWE und Bedburg schon mit drittem Windpark
Jede der fünf Anlagen des Typs N149/5.X verfügt über eine Nennleistung von 5,7 Megawatt und eine Nabenhöhe von 164 Metern. Das gebrochene Rotorblatt ist wie seine Schwestern mehr als 74 Meter lang. Die RWE-Sprecherin sagte weiter, die anderen Anlagen könnten nach erfolgter Prüfung in Absprache mit den Aufsichtsbehörden wieder ans Netz gehen.
Der Abstand von 270 Metern zur Autobahn entspreche den gesetzlichen Vorschriften, so die Sprecherin weiter. Nordex habe ein Expertenteam gebildet und damit begonnen, den Grund für den Rotorbruch zu ermitteln, so der Sprecher der Hamburger. Dies geschehe in enger Zusammenarbeit mit RWE. Zu der Frage, wer für den Schaden und den Aufwand der Vollsperrung aufkommt, wollten keines der Unternehmen Stellung nehmen.
Die Essener sind mit 51 Prozent Haupteigner des Windparks Bedburg A 44n. Der weitere Partner hier ist die Stadt Bedburg. Es handelt sich dabei um eine eingespielte Kooperation, die bereits ein anderes Projekt in der unmittelbaren Nachbarschaft hervorgebracht hat: den Windpark Königshovener Höhe mit 21 Anlagen (67,2 MW). Die dritte Turbinensammlung mit neun Anlagen (rund 60 MW) entsteht aktuell, trägt den Namen „Bedburg 3“ und soll in der zweiten Jahreshälfte ans Netz gehen.
Donnerstag, 8.01.2026, 16:32 Uhr
Volker Stephan
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