Das wasserstofffähige Gaskraftwerk Stuttgart-Münster. Quelle: EnBW
Die EnBW beendet in Stuttgart die Kohleverbrennung für Strom und Wärme. Am Standort Münster übernimmt eine neue Gasturbinenanlage die Versorgung, die später Wasserstoff nutzen soll.
Stuttgart stellt die Energieversorgung auf einen kohlefreien Betrieb um. Laut der Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) endet mit Ablauf des ersten Quartals der Parallelbetrieb von Kohlekesseln und neuer Gasturbinenanlage im Kraftwerk Stuttgart-Münster. Damit sei die Strom- und Fernwärmeerzeugung aus Kohle in der Landeshauptstadt beendet.
Nach Angaben des Unternehmens diente die Kohleanlage seit der Inbetriebnahme der neuen Anlage im Oktober des vergangenen Jahres nur noch als Reserve. Zum Einsatz kamen die Kessel demnach ausschließlich, um verbliebene Kohlemengen zu nutzen. Der letzte Betrieb erfolgte am 20. Februar. Mit dem Ende der Heizsaison wurde die Reservefunktion planmäßig beendet.
Gaskraftwerk Wasserstoff-ready
Peter Heydecker, Vorstand für nachhaltige Erzeugungsinfrastruktur bei EnBW, bewertet den bisherigen Betrieb positiv. Die neue Gasturbinenanlage habe sich als zuverlässig erwiesen, erklärte er laut Unternehmensmitteilung. Für Stuttgart sei dies ein Schritt hin zu einer klimaneutralen Versorgung mit Strom und Fernwärme. Die Anlage senke den CO2-Ausstoß um rund 60 Prozent und sei bereits auf den Einsatz von Wasserstoff vorbereitet.
Heydecker zufolge sieht sich das Unternehmen durch die Erfahrungen in Stuttgart darin bestätigt, den Umbau weiterer Standorte voranzutreiben. Neben Projekten in Altbach/Deizisau und Heilbronn seien zusätzliche Investitionen möglich, sofern die regulatorischen Rahmenbedingungen einen wirtschaftlichen Betrieb erlaubten.
Die neue Anlage in Stuttgart-Münster verfügt über eine elektrische Leistung von 124 MW sowie eine thermische Leistung von 370 MW. Nach Unternehmensangaben kann sie flexibel betrieben werden und kurzfristig auf Schwankungen im Stromnetz reagieren, etwa bei geringer Einspeisung aus erneuerbaren Energien. Gemeinsam mit der thermischen Abfallverwertung und einer Großwärmepumpe erreicht der Standort eine auskoppelbare Fernwärmeleistung von 450 MW.
Über hundert Jahre Kohlenutzung beendet
Die Kohlenutzung in Stuttgart-Münster reicht laut EnBW bis ins Jahr 1908 zurück. Im Jahr 1956 wurde ein Schiffsanleger für die Anlieferung der Kohle in Betrieb genommen. Über mehr als ein Jahrhundert sicherte die Kohleverstromung gemeinsam mit der Abfallverwertung die Energieversorgung der Region Stuttgart.
Bis 2030 plane EnBW Investitionen von bis zu 50 Milliarden Euro, etwa 85 Prozent davon in Deutschland. Ziel sei es, den Anteil erneuerbarer Energien am Erzeugungsportfolio bis dahin auf rund 80 Prozent zu erhöhen. Den Ausstieg aus der Kohle strebt das Unternehmen bis Ende 2028 an, sofern die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dies ermöglichen. Langfristig will EnBW bis 2040 Netto-Null bei den unternehmenseigenen Treibhausgasemissionen erreichen.
Dienstag, 31.03.2026, 13:28 Uhr
Susanne Harmsen
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