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Energie & Management > Europaeische Union - Regulierer warnen vor neuem Marktdesign
Quelle: Pixabay / Udo Pohlmann
Europaeische Union

Regulierer warnen vor neuem Marktdesign

Die europäischen Regulierungsbehörden sind dagegen, den Elektrizitätsmarkt in der EU grundsätzlich neu zu ordnen. Sie sprechen sich auch dagegen aus, PPA zu fördern.
In einer gemeinsamen Stellungnahme haben sich die europäische Regulierungsbehörde (Acer) und der Rat der nationalen Regulierer (CEER) gegen eine völlige Neuordnung der Funktionsprinzipien ausgesprochen. Aus ihren Antworten auf einen langen Fragenkatalog der EU-Kommission wird deutlich, dass die Regulatoren Änderungen am „Marktdesign“ nur in geringem Umfang für notwendig halten.

Die Staats- und Regierungschefs hatten die Kommission im Herbst beauftragt, die Wirkungsweise des Strommarktes zu überrpüfen, um exzessiven Preissteigerungen wie sie im zweiten Quartal 2022 stattgefunden hatten, entgegenzuwirken. Die Vorschläge der Kommission werden in den nächsten Wochen erwartet. Nach Ansicht der Regulierer sollte sich die Preisbildung auch in Zukunft an den Grenzkosten der Erzeuger orientieren. Dazu gebe es weder national noch grenzüberschreitend eine effiziente Alternative. Es bestehe ein breiter Konsens darüber, dass die Meritorder die effizienteste Methode sei, die verfügbaren Kraftwerke und Interkonnektoren zum Einsatz zu bringen.

Auf die Frage der Kommission, ob die Spotmärkte für Strom gut funktionieren, antworten Acer und CEER mit einem schlichten: „Ja“. Gas bleibe auf absehbare Zeit wichtig, um die Flexibilität des Systems sicherzustellen. Die Entwicklung des CO2-Preises werde aber dafür sorgen, dass in Zukunft auch emissionsarme flexible Lösungen auf den Markt kämen. Diese Entwicklung könne durch einen Terminmarkt für Emissionsrechte (bis zu fünf Jahren) unterstützt werden. Mit Einnahmen aus dem ETS könnte das Angebot von klimafreundlicher Flexibilität gefördert werden.

Regulierer befürworten geregelten Terminhandel statt PPA

Feste Lieferverträge, sogenannte Power Purchase Agreements (PPA), können nach Ansicht der Regulierer den Einfluss der kurzfristigen Preisentwicklung zwar dämpfen. Sie sollten aber nicht gefördert werden, weil sie den Strommarkt weniger effizient und weniger transparent machten und nicht allen Akteure auf dem Strommarkt zur Verfügung stünden. „Staatliche Unterstützung sollte sich darauf konzentrieren, die Liquidität der Terminmärkte zu verbessern.“ Mehr PPA würden zusätzliche Risiken im Elektrizitätsmarkt heraufbeschwören, indem sie die Liquidität im kurzfristigen Handel reduzierten, den Wettbewerb zwischen den Unternehmen und den Mitgliedsstaaten verzerrten und zu höheren Preisen für die Verbraucher führten.

Eine Förderung von PPA durch die Mitgliedsstaaten dürfe nur nach einheitlichen Regeln und im Rahmen der Beihilfenkontrolle durch die EU-Kommission erfolgen. Terminverträge könnten zwar dazu beitragen, die Verbraucher vor kurzfristigen Preisschwankungen zu schützen und Investitionen in neue Kraftwerke zu unterstützen. Die Regulierer würden dieses Problem aber lieber über den geregelten Terminhandel lösen. Dort würden standardisierte Verträge gehandelt, die für mehr Transparenz und Effizienz sorgten. Allerdings seien die Terminmärkte derzeit nicht liquide genug für diese Aufgabe. Lediglich in Deutschland sei der Handel − bis zu drei Jahren im Voraus − umfangreich genug, um den Bedarf zur Absicherung von Risiken zu decken. Der Terminhandel könne jedoch nur verbesserte Regeln unterstützt werden.

Skeptisch stehen die Regulierer der EU auch der massiven Einführung sogenannter Differenzverträge (CfD) gegenüber. Damit erhalten Stromerzeuger eine gewisse Preisgarantie, sie müssen ihren Strom aber unter dem Marktpreis abgeben, wenn dieser ein festgelegtes Niveau überschreitet. Auch damit könnten kurzfristige Preisschwankungen gedämpft und Anreize für Investoren geschaffen werden. Zu einer Förderung in größerem Umfang raten die Regulierer aber nicht, weil die genaue Ausgestaltung von CfD schwierig sei. In jedem Fall sollten sie nur für ein begrenztes Volumen vereinbart werden, einen Mindest- und einen Höchstpreis enthalten und handelbar sein. Auch unter diesen Bedingungen bestehe jedoch die Gefahr, dass die Liquidität auf den Terminmärkten beeinträchtigt werde und die Verbraucher am Ende höhere Preise bezahlen müssten.

Die gesamte Stellungnahme "Reaction to the European Commission’s public consultation on electricity market design" ist auf der Seite von Acer verfügbar.

Mittwoch, 15.02.2023, 14:14 Uhr
Tom Weingrtner
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Quelle: Pixabay / Udo Pohlmann
Europaeische Union
Regulierer warnen vor neuem Marktdesign
Die europäischen Regulierungsbehörden sind dagegen, den Elektrizitätsmarkt in der EU grundsätzlich neu zu ordnen. Sie sprechen sich auch dagegen aus, PPA zu fördern.
In einer gemeinsamen Stellungnahme haben sich die europäische Regulierungsbehörde (Acer) und der Rat der nationalen Regulierer (CEER) gegen eine völlige Neuordnung der Funktionsprinzipien ausgesprochen. Aus ihren Antworten auf einen langen Fragenkatalog der EU-Kommission wird deutlich, dass die Regulatoren Änderungen am „Marktdesign“ nur in geringem Umfang für notwendig halten.

Die Staats- und Regierungschefs hatten die Kommission im Herbst beauftragt, die Wirkungsweise des Strommarktes zu überrpüfen, um exzessiven Preissteigerungen wie sie im zweiten Quartal 2022 stattgefunden hatten, entgegenzuwirken. Die Vorschläge der Kommission werden in den nächsten Wochen erwartet. Nach Ansicht der Regulierer sollte sich die Preisbildung auch in Zukunft an den Grenzkosten der Erzeuger orientieren. Dazu gebe es weder national noch grenzüberschreitend eine effiziente Alternative. Es bestehe ein breiter Konsens darüber, dass die Meritorder die effizienteste Methode sei, die verfügbaren Kraftwerke und Interkonnektoren zum Einsatz zu bringen.

Auf die Frage der Kommission, ob die Spotmärkte für Strom gut funktionieren, antworten Acer und CEER mit einem schlichten: „Ja“. Gas bleibe auf absehbare Zeit wichtig, um die Flexibilität des Systems sicherzustellen. Die Entwicklung des CO2-Preises werde aber dafür sorgen, dass in Zukunft auch emissionsarme flexible Lösungen auf den Markt kämen. Diese Entwicklung könne durch einen Terminmarkt für Emissionsrechte (bis zu fünf Jahren) unterstützt werden. Mit Einnahmen aus dem ETS könnte das Angebot von klimafreundlicher Flexibilität gefördert werden.

Regulierer befürworten geregelten Terminhandel statt PPA

Feste Lieferverträge, sogenannte Power Purchase Agreements (PPA), können nach Ansicht der Regulierer den Einfluss der kurzfristigen Preisentwicklung zwar dämpfen. Sie sollten aber nicht gefördert werden, weil sie den Strommarkt weniger effizient und weniger transparent machten und nicht allen Akteure auf dem Strommarkt zur Verfügung stünden. „Staatliche Unterstützung sollte sich darauf konzentrieren, die Liquidität der Terminmärkte zu verbessern.“ Mehr PPA würden zusätzliche Risiken im Elektrizitätsmarkt heraufbeschwören, indem sie die Liquidität im kurzfristigen Handel reduzierten, den Wettbewerb zwischen den Unternehmen und den Mitgliedsstaaten verzerrten und zu höheren Preisen für die Verbraucher führten.

Eine Förderung von PPA durch die Mitgliedsstaaten dürfe nur nach einheitlichen Regeln und im Rahmen der Beihilfenkontrolle durch die EU-Kommission erfolgen. Terminverträge könnten zwar dazu beitragen, die Verbraucher vor kurzfristigen Preisschwankungen zu schützen und Investitionen in neue Kraftwerke zu unterstützen. Die Regulierer würden dieses Problem aber lieber über den geregelten Terminhandel lösen. Dort würden standardisierte Verträge gehandelt, die für mehr Transparenz und Effizienz sorgten. Allerdings seien die Terminmärkte derzeit nicht liquide genug für diese Aufgabe. Lediglich in Deutschland sei der Handel − bis zu drei Jahren im Voraus − umfangreich genug, um den Bedarf zur Absicherung von Risiken zu decken. Der Terminhandel könne jedoch nur verbesserte Regeln unterstützt werden.

Skeptisch stehen die Regulierer der EU auch der massiven Einführung sogenannter Differenzverträge (CfD) gegenüber. Damit erhalten Stromerzeuger eine gewisse Preisgarantie, sie müssen ihren Strom aber unter dem Marktpreis abgeben, wenn dieser ein festgelegtes Niveau überschreitet. Auch damit könnten kurzfristige Preisschwankungen gedämpft und Anreize für Investoren geschaffen werden. Zu einer Förderung in größerem Umfang raten die Regulierer aber nicht, weil die genaue Ausgestaltung von CfD schwierig sei. In jedem Fall sollten sie nur für ein begrenztes Volumen vereinbart werden, einen Mindest- und einen Höchstpreis enthalten und handelbar sein. Auch unter diesen Bedingungen bestehe jedoch die Gefahr, dass die Liquidität auf den Terminmärkten beeinträchtigt werde und die Verbraucher am Ende höhere Preise bezahlen müssten.

Die gesamte Stellungnahme "Reaction to the European Commission’s public consultation on electricity market design" ist auf der Seite von Acer verfügbar.

Mittwoch, 15.02.2023, 14:14 Uhr
Tom Weingrtner

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