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Energie & Management > Österreich - Österreichs PV-Verband: Scharfe Kritik an Energiepolitik
Quelle: Fotolia / YuI
Österreich

Österreichs PV-Verband: Scharfe Kritik an Energiepolitik

Photovoltaic Austria begründet den 2025 um 20 Prozent geringer als 2024 ausgefallenen Ausbau nicht zuletzt mit unzurechenden Rahmenbedingungen und fordert eine Speicheroffensive. 
Scharfe Kritik übt der Bundesverband Photovoltaic Austria an der österreichischen Energiepolitik: Diese sei in den vergangenen zwölf Monaten „ein Trauerspiel“ gewesen, konstatierte die Geschäftsführerin des Verbands, Vera Immitzer, am 25. März bei einer Pressekonferenz am Rande des Österreichischen Photovoltaik-Kongresses in Wien.

Immitzer erläuterte, nach wie vor fehlten für den Ausbau der erneuerbaren Energien und damit der PV wesentliche Verordnungen auf Basis des am 24. Dezember 2025 in Kraft getretenen Elektrizitätswirtschaftsgesetzes (ElWG). Auch das im Herbst in Begutachtung gegangene Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungs-Gesetz (EABG) habe die Bundesregierung trotz mehrfacher Ankündigung bis dato nicht zur parlamentarischen Beschlussreife gebracht.

Ohnehin ist der Entwurf des EABG nach Ansicht der PV-Branche unzureichend, betonte Immitzer: Die darin für die neun Bundesländer vorgesehenen Ausbauziele für die Photovoltaik lägen zum Teil unter den bereits erreichten Werten. Auch sehe der Entwurf keine Sanktionen beim Verfehlen der Ziele vor. Diese Rahmenbedingungen seien dem Ausbau der PV alles andere als zuträglich. 

In Österreich wurden 2025 rund 62.300 Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von 1,6 GW installiert. Von der Leistung her betrachtet, war der Ausbau damit um etwa 20 Prozent geringer als 2024, bedauerte Immitzer. Insgesamt verfügte Österreich Ende 2025 über PV-Anlagen mit rund 9,8 GW. Sie konnten rechnerisch rund 9,8 Milliarden kWh Strom erzeugen und somit knapp 15 Prozent des österreichischen Bedarfs an elektrischer Energie decken. Auf Anfrage der Redaktion teilte Immitzer mit, sie rechne auch für dieses Jahr mit einem Ausbau von etwa 1,6 GW. 

Milliarden für Speicheroffensive 

Immitzer sowie Christoph Mair, einer der Vorstände von PV Austria, forderten neben dem zügigen Erlassen der Verordnungen zum ElWG und dem raschen Beschluss des EABG insbesondere eine „Speicheroffensive“. Mit dieser sollen bis 2030 Batteriespeicher mit etwa 8 GW Gesamtleistung installiert werden, die mit PV-Anlagen gekoppelt sind. Wie Mair der Redaktion erläuterte, entspricht dies einer Speicherkapazität von 20 bis 30 Millionen kWh. Pro kWh sei mit Kosten von rund 200 Euro zu rechnen. Daraus ergäbe sich bis 2030 ein Gesamtaufwand von etwa 4 Milliarden Euro oder 800 Millionen Euro pro Jahr. 

Mair betonte, dieses Geld werde von den Anlagenbetreibern investiert. Der öffentlichen Hand entstünden keine Kosten. Jedoch solle diese den Speicherbetreibern finanzielle Anreize für netzdienliches Verhalten bieten: Es habe keinen Sinn, wenn jemand seinen Speicher so fahre, dass dieser „zur üblichen mittäglichen Spitze der Stromerzeugung mit PV-Anlagen voll ist“. Zur gewünschten Höhe dieser Anreize äußerte sich Mair nicht. 

EABG in Endabstimmung 

Beim PV-Kongress versicherte der für Bürokratieabbau zuständige Staatssekretär Josef Schellhorn von den Liberalen (Neos), das EABG befinde sich in Endabstimmung mit den Konservativen (ÖVP) und den Sozialdemokraten (SPÖ), mit denen seine Partei auf Bundesebene regiert. Dem Vernehmen nach ist einer der heikelsten offenen Punkte indessen eine Forderung der Energiesprecherin der Neos, Karin Doppelbauer. Sie wünscht, so die Fama, harte Sanktionen, wenn die Bundesländer ihre Ausbauziele für die erneuerbaren Energien verfehlen.

Dies ist jedoch für die ÖVP schwer verkraftbar, die in fünf der neun Bundesländer die Ministerpräsidenten respektive -präsidentinnen (Landeshauptleute) stellt und in zwei weiteren Ländern mitregiert. Ferner bedarf der Beschluss des EABG im Parlament, wie mehrfach berichtet, einer Zweidrittelmehrheit und damit der Zustimmung entweder der rechtsgerichteten Freiheitlichen Partei oder der Grünen. 

Netzausbau gewünscht 

Breiten Raum nahmen auf dem PV-Kongress die Diskussionen über den Ausbau der Verteilnetze ein, der von der PV-Branche immer wieder vehement eingefordert wird. Ingram Eusch, der Geschäftsführer der IPE Energietechnik GmbH, rief die Netzbetreiber auf, eine Online-Karte mit den freien Kapazitäten bei den Trafostationen zu schaffen, die sekundengenau automatisch aktualisiert wird. Eva Tatschl-Unterberger, die Geschäftsführerin der Kärnten Netz, konstatierte, sie habe Verständnis für diesen Wunsch. Einfach zu erfüllen sei dieser aber nicht: „Die Anschlusskapazitäten beeinflussen einander wechselseitig und ändern sich ständig. Diese Online-Karte wäre daher sehr komplex und würde von jedem neuen Projekt massiv beeinflusst.“ 

Wolfgang Denk, der Kommunikationschef der Netz Oberösterreich, versicherte, die Netzbetreiber bemühten sich nach Kräften um die Ertüchtigung ihrer Infrastrukturen: „Aber haben Sie bitte Verständnis, dass wir beim Netzausbau nicht zaubern können.“ 

Mittwoch, 25.03.2026, 15:16 Uhr
Klaus Fischer
Energie & Management > Österreich - Österreichs PV-Verband: Scharfe Kritik an Energiepolitik
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Österreich
Österreichs PV-Verband: Scharfe Kritik an Energiepolitik
Photovoltaic Austria begründet den 2025 um 20 Prozent geringer als 2024 ausgefallenen Ausbau nicht zuletzt mit unzurechenden Rahmenbedingungen und fordert eine Speicheroffensive. 
Scharfe Kritik übt der Bundesverband Photovoltaic Austria an der österreichischen Energiepolitik: Diese sei in den vergangenen zwölf Monaten „ein Trauerspiel“ gewesen, konstatierte die Geschäftsführerin des Verbands, Vera Immitzer, am 25. März bei einer Pressekonferenz am Rande des Österreichischen Photovoltaik-Kongresses in Wien.

Immitzer erläuterte, nach wie vor fehlten für den Ausbau der erneuerbaren Energien und damit der PV wesentliche Verordnungen auf Basis des am 24. Dezember 2025 in Kraft getretenen Elektrizitätswirtschaftsgesetzes (ElWG). Auch das im Herbst in Begutachtung gegangene Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungs-Gesetz (EABG) habe die Bundesregierung trotz mehrfacher Ankündigung bis dato nicht zur parlamentarischen Beschlussreife gebracht.

Ohnehin ist der Entwurf des EABG nach Ansicht der PV-Branche unzureichend, betonte Immitzer: Die darin für die neun Bundesländer vorgesehenen Ausbauziele für die Photovoltaik lägen zum Teil unter den bereits erreichten Werten. Auch sehe der Entwurf keine Sanktionen beim Verfehlen der Ziele vor. Diese Rahmenbedingungen seien dem Ausbau der PV alles andere als zuträglich. 

In Österreich wurden 2025 rund 62.300 Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von 1,6 GW installiert. Von der Leistung her betrachtet, war der Ausbau damit um etwa 20 Prozent geringer als 2024, bedauerte Immitzer. Insgesamt verfügte Österreich Ende 2025 über PV-Anlagen mit rund 9,8 GW. Sie konnten rechnerisch rund 9,8 Milliarden kWh Strom erzeugen und somit knapp 15 Prozent des österreichischen Bedarfs an elektrischer Energie decken. Auf Anfrage der Redaktion teilte Immitzer mit, sie rechne auch für dieses Jahr mit einem Ausbau von etwa 1,6 GW. 

Milliarden für Speicheroffensive 

Immitzer sowie Christoph Mair, einer der Vorstände von PV Austria, forderten neben dem zügigen Erlassen der Verordnungen zum ElWG und dem raschen Beschluss des EABG insbesondere eine „Speicheroffensive“. Mit dieser sollen bis 2030 Batteriespeicher mit etwa 8 GW Gesamtleistung installiert werden, die mit PV-Anlagen gekoppelt sind. Wie Mair der Redaktion erläuterte, entspricht dies einer Speicherkapazität von 20 bis 30 Millionen kWh. Pro kWh sei mit Kosten von rund 200 Euro zu rechnen. Daraus ergäbe sich bis 2030 ein Gesamtaufwand von etwa 4 Milliarden Euro oder 800 Millionen Euro pro Jahr. 

Mair betonte, dieses Geld werde von den Anlagenbetreibern investiert. Der öffentlichen Hand entstünden keine Kosten. Jedoch solle diese den Speicherbetreibern finanzielle Anreize für netzdienliches Verhalten bieten: Es habe keinen Sinn, wenn jemand seinen Speicher so fahre, dass dieser „zur üblichen mittäglichen Spitze der Stromerzeugung mit PV-Anlagen voll ist“. Zur gewünschten Höhe dieser Anreize äußerte sich Mair nicht. 

EABG in Endabstimmung 

Beim PV-Kongress versicherte der für Bürokratieabbau zuständige Staatssekretär Josef Schellhorn von den Liberalen (Neos), das EABG befinde sich in Endabstimmung mit den Konservativen (ÖVP) und den Sozialdemokraten (SPÖ), mit denen seine Partei auf Bundesebene regiert. Dem Vernehmen nach ist einer der heikelsten offenen Punkte indessen eine Forderung der Energiesprecherin der Neos, Karin Doppelbauer. Sie wünscht, so die Fama, harte Sanktionen, wenn die Bundesländer ihre Ausbauziele für die erneuerbaren Energien verfehlen.

Dies ist jedoch für die ÖVP schwer verkraftbar, die in fünf der neun Bundesländer die Ministerpräsidenten respektive -präsidentinnen (Landeshauptleute) stellt und in zwei weiteren Ländern mitregiert. Ferner bedarf der Beschluss des EABG im Parlament, wie mehrfach berichtet, einer Zweidrittelmehrheit und damit der Zustimmung entweder der rechtsgerichteten Freiheitlichen Partei oder der Grünen. 

Netzausbau gewünscht 

Breiten Raum nahmen auf dem PV-Kongress die Diskussionen über den Ausbau der Verteilnetze ein, der von der PV-Branche immer wieder vehement eingefordert wird. Ingram Eusch, der Geschäftsführer der IPE Energietechnik GmbH, rief die Netzbetreiber auf, eine Online-Karte mit den freien Kapazitäten bei den Trafostationen zu schaffen, die sekundengenau automatisch aktualisiert wird. Eva Tatschl-Unterberger, die Geschäftsführerin der Kärnten Netz, konstatierte, sie habe Verständnis für diesen Wunsch. Einfach zu erfüllen sei dieser aber nicht: „Die Anschlusskapazitäten beeinflussen einander wechselseitig und ändern sich ständig. Diese Online-Karte wäre daher sehr komplex und würde von jedem neuen Projekt massiv beeinflusst.“ 

Wolfgang Denk, der Kommunikationschef der Netz Oberösterreich, versicherte, die Netzbetreiber bemühten sich nach Kräften um die Ertüchtigung ihrer Infrastrukturen: „Aber haben Sie bitte Verständnis, dass wir beim Netzausbau nicht zaubern können.“ 

Mittwoch, 25.03.2026, 15:16 Uhr
Klaus Fischer

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