Die Meerwasser-Wärmepumpe hat ihre Arbeit in Neustadt aufgenommen. Quelle: Johnson Controls
Die Ostsee als Heizung: Im holsteinischen Neustadt hat der örtliche Versorger die bundesweit erste Meerwasser-Wärmepumpe in Betrieb genommen. Auch die Landespolitik äußert sich erfreut.
Die erste Meerwasser-Wärmepumpe Deutschlands ist nun offiziell am Netz. Im holsteinischen Neustadt speist sie in das lokale Wärmenetz des Hafenquartiers ein. 200 Wohneinheiten profitieren dadurch von der Temperatur der Ostsee.
Energiewende-Minister Tobias Goldschmidt (Grüne) wünscht sich, dass das Projekt „Wellen schlägt und viele Nachahmer findet“. In seiner Antwort auf eine Anfrage dieser Redaktion schreibt er weiter: Neustadt zeige, „dass erneuerbare Wärmequellen nicht nur theoretisch verfügbar sind, sondern tatsächlich für die Versorgung von Gebäuden eingesetzt werden können“.
Neustadt – zwischen Lübeck und der Insel Fehmarn gelegen – hatte früh auf diese Technik gesetzt und über das laufende Jahrzehnt einige bürokratische Hürden nehmen müssen. Entsprechend ist die Pumpe mit einer Heizleistung von 700 kW eher klein dimensioniert. Flensburg etwa steht vor der Inbetriebnahme einer 60-MW-Anlage im kommenden Jahr. Das leuchtendste Beispiel ist derweil eine Pumpe im dänischen Esbjerg mit 70 MW, was als Ofen für bis zu 25.000 Haushalte taugt.
Die Dänen exportieren ihre Technik
Die Anlage in Neustadt ist ebenfalls eine dänische Erfindung und stammt vom Hersteller Johnson Controls aus Höjbjerg. Die Wärmepumpe ist Teil eines klimaschonenden Gesamtkonzepts, das eine Alternativ-Technik vorsieht, falls die Wassertemperatur unter 4 Grad fällt. Wirtschaftlicher sei es dann, die Anlage dann durch einen Spitzenlast-Kessel zu betreiben.
Dieser Kessel läuft zunächst auf Gas-Basis, später womöglich mit Biomethan. Zur Neustädter Lösung zählen ferner Abwärme aus einem nahegelegenen Müllheizkraftwerk und ein Wärme-Pufferspeicher, der 25.000 Liter fasst und auf dem Dach der neuen Energiezentrale angebracht ist. Mit der erforderlichen Vorlauftemperatur von 72 Grad und über zwei Wärmetauscher gelangt das Wasser schließlich in das Leitungssystem des Hafenquartiers.
Minister Goldschmidt bewertet die Meerwasser-Wärmepumpe als Schritt, „uns endlich unabhängig von Gas- und Öl“ zu machen. Doch auch diese „innovative Lösung“ birgt ihre Tücken. Je nach eingesetztem Kältemittel sind Belastungen für die Umwelt nicht ausgeschlossen. In Neustadt setzen die Stadtwerke auf Ammoniak, was Wasser und Wasserorganismen schädigen kann.
In Flensburg droht Ungemach, weil die EU über ihre Chemikalienverordnung ein Verbot von per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) verfügen will. Die an der Förde geplante Wärmepumpe setzt auf „R1234ze“ aus der Stoffgruppe der Hydrofluorolefine, und das ist eben eine PFAS-Lösung. Womöglich müssen die Stadtwerke Flensburg sich bei ihrem 70-Millionen-Euro-Projekt um eine Alternative bemühen (wir berichteten). (vs)
Montag, 7.09.2026, 13:40 Uhr
Volker Stephan
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