Quelle: Entega AG
Am Müllheizkraftwerk in Darmstadt wird eine Klärschlamm-Monobehandlungsanlage errichtet. Dieser Standort ist nicht nur für die Müllentsorgung wichtig, sondern auch für die Wärmewende.
Mit der Übergabe eines Förderbescheids über 25,64 Millionen Euro ist der Bau einer Klärschlamm-Monobehandlungsanlage am Müllheizkraftwerk (MHKW) Darmstadt offiziell gestartet, teilte der Energieversorger Entega mit. Das Land Hessen unterstützt damit ein Projekt der kommunalen Abfall- und Abwasserwirtschaft in Südhessen. Die Anlage soll bis 2029 als Erweiterung des bestehenden Kraftwerksstandorts entstehen.
Ziel des Vorhabens ist die regionale Behandlung kommunaler Klärschlämme und die Rückgewinnung von Phosphor. Ab 2029 dürfen Kläranlagen, die Abwässer von mehr als 100.000 Menschen reinigen, den anfallenden Klärschlamm nicht mehr auf Feldern entsorgen, sondern müssen ihn thermisch verwerten und zudem muss der darin enthaltene Phosphor zurückgewonnen werden. Für kleinere Anlagen gilt eine Übergangsfrist bis 2032. Die bisher häufig praktizierte Ausbringung auf Felder fällt damit weg − für viele Kommunen und Kläranlagenbetreiber bislang die günstigere Alternative.
Projektträger ist der Zweckverband Abfallwirtschaft Südhessen (ZAS). Geplant ist der Bau eines Drehrohrofens mit einer Kapazität von rund 60.000 Tonnen Klärschlamm pro Jahr. Die Betriebs- und Geschäftsführung des Müllheizkraftwerks liegt bei der Entega, die auch die Projektleitung für den Anlagenneubau übernommen hat. An dem Projekt beteiligen sich 27 Kommunen und Abwasserzweckverbände aus Südhessen und angrenzenden Regionen. Die Investitionen für Planung und Bau der Klärschlamm-Monobehandlungsanlage liegen bei rund 60 Millionen Euro.
Standort ist auch zentral für die Fernwärme der Stadt
Der Standort wird von der Entega aber für weit mehr genutzt als Müllverbrennung. Ein Teil der Fernwärme entsteht durch die thermische Abfallverwertung im Müllheizkraftwerk Darmstadt. Nach Angaben des Unternehmens soll der Anteil der Fernwärme am Wärmebedarf Darmstadts bis 2045 von derzeit rund 15 Prozent auf etwa 33 Prozent steigen. Entega plant dafür auch eine schrittweise Umstellung der Erzeugung. Vorgesehen ist unter anderem die Nutzung von Abwärme aus dem Müllheizkraftwerk, der Einsatz von Großwärmepumpen sowie wasserstoffbasierter oder synthetischer Gase zur Abdeckung von Spitzenlasten (wir berichteten).
Zudem entsteht seit Herbst 2025 am Darmstädter MHWK ein 3-MW-Elektrolyseurs auf dem Gelände zur Produktion von grünem Wasserstoff. Der Regelbetrieb ist laut Entega für das erste Quartal 2027 vorgesehen. Finanziert wird das H2-Vorhaben über das Reallabor „DELTA“, das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert wird. Das Akronym steht für „Darmstädter Energie‑Labor für Technologien in der Anwendung“ und ist eines von mehreren Reallaboren der Energiewende.
Das Müllheizkraftwerk ist laut Entega ein strategisch gewählter Standort: Er biete die nötige Infrastruktur, etwa für Netzanschlüsse, Sicherheitsvorkehrungen und Trailerlogistik. Entega betreibt das MHKW im Auftrag des Eigentümers – des Zweckverbands Abfallverwertung Südhessen (ZAS) – und will die neue Wasserstoffanlage nahtlos in den bestehenden Betrieb integrieren. So entstehe ein kommunal getragenes Energiesystem mit Verbindung von Abfallverwertung, Stromerzeugung und grüner Wasserstoffproduktion.
Donnerstag, 29.01.2026, 14:26 Uhr
Heidi Roider
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