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Energie & Management > E&M Vor 20 Jahren - Auf die Spitze getrieben
Quelle: Pixabay / Simon
E&M Vor 20 Jahren

Auf die Spitze getrieben

Im Jahr 2006 hatten sich drei kleinere Firmen zusammengetan für einen Aufbruch in neue Höhen.
Vor 20 Jahren sorgte eine Kooperation für Aufsehen, in deren Rahmen neue Windturbinen entwickelt und vermarktet wurden. Dank eines 160 Meter hohen Gitterturms gab es die Aussicht auf neue Chancen für die Windenergienutzung im Binnenland. Der frühere E&M-Chefreporter Ralf Köpke berichtete damals.


Weltrekorde lassen sich immer gut vermarkten, egal ob im Sport, in der Kunst oder in der Wirtschaft. Dass Mitte September die Aufbauarbeiten der weltweit höchsten Windturbine im Vetschauer Ortsteil Laasow (Oberspreewald-Lausitz), gut 15 km westlich von Cottbus, abgeschlossen werden konnte, ist in der Tat eine solche Rekordmarke. „Unsere Anlage ist auf einem 160 Meter hohen Gittermast errichtet worden und misst bis zur Flügelspitze maximal 205 Meter“, beschreibt Christoph Klewitz, Geschäftsführer des Ingenieurbüros Wind to Energy GmbH (W2E) mit Sitz im Ostseebad Rerik, die Dimensionen. Zum Vergleich: Der Kölner Dom bringt es auf eine Höhe von 157 Metern.

Den neuen „Riesen“ machen gleich zwei Besonderheiten interessant: Konzipiert, entwickelt und schließlich gebaut haben den Prototypen mit einer pitch-geregelten, drehzahlvariablen Turbine mit 2,5 MW Leistung und 90 Metern Rotordurchmesser drei „Minis“ der deutschen Windbranche. Neben den acht W2E-Ingenieuren, die zuvor in Diensten der Nordex AG deren heutige Erfolgsturbinen N80 (2,5 MW) und N90 (2,3 MW) mitentwickelt haben, zählen die SeeBA Energiesysteme GmbH aus Stemwede und die Westerwälder Windschmiede Fuhrländer AG zu dem Trio, dessen Mitglieder alle zu den Pionieren der deutschen Windszene zählen. Unter dem Fuhrländerkürzel „FL“ wird die neue Maschine mit dem Modellnamen „FL 2500“ vermarktet. „Solche Kooperationen sehen wir als Schritt gegen die zunehmende Konzentration in der Windbranche“, sagt W2E-Mann Klewitz. „Die kleinen Hersteller können durch den Zusammenschluss ihres Know-hows und durch ihre Flexibilität gegenüber den großen Playern durchaus bestehen“, fügt er hinzu.

Mit der neuen Maschine wollen die drei Partner vor allem dank der eindrucksvollen Nabenhöhe die Investoren überzeugen: „Damit lassen sich die gleichmäßigeren und stetigeren Luftströmungen in der Höhe nutzen, womit es möglich wird, auch windschwache Standorte für die Windenergie zu erschließen“, betont SeeBA-Geschäftsführer Klaus Hüsemann den Clou der neuen Konstruktion. SeeBA hat sich in den vergangenen Jahren in Windkreisen vor allem als Hersteller von stählernen Fachwerktürmen, eine Alternative zu den herkömmlichen Stahlrohr- und Stahlbeton-Lösungen, einen Namen gemacht – einer Konstruktion, die vergleichbar mit den herkömmlichen Strommasten ist.

Die Ostwestfalen hatten parallel zur Entwicklung der neuen Maschine die Geo Net Umweltconsulting GmbH mit einem Gutachten beauftragt, das im Vergleich zum gängigen 100-Meter-Turm eine zwischen 35 bis 45 Prozent höhere Windausbeute bei der 160-Meter-Variante ermittelt hat – bei den nach den Vorgaben des Erneuerbare-Energien-Gesetzes sinkenden Einspeisevergütungen eine hoch willkommene Alternative. Für die Küste kam die Studie nur zu einem Plus von 12 Prozent. „Jetzt, wo die Pilotanlage steht, wollen wir in den kommenden Wochen zeigen, dass sich die errechneten Mehrerträge in der Höhe auch in der Praxis realisieren lassen“, so Hüsemann.

Noch ein weiteres Plus sieht der SeeBA-Geschäftsführer für den riesigen Gitterturm: „Dank seiner vielen Einzelteile lässt sich unser Turm mit Lkw über alle Straßen transportieren, während es bei großen Stahltürmen infolge des größer gewordenen Durchmessers des Turmfußes zunehmend logistische Grenzen gibt.“

Standorte in Polen gesichert

Bei aller Euphorie um die neue Windturbine ist Hüsemann aber Realist genug, um zu wissen, dass sich die Genehmigungsbehörden hierzulande schwer tun werden mit dem 160 Meter hohen Gitterturm, der es mit seinen sieben Segmenten auf ein Gesamtgewicht von rund 350 Tonnen bringt. SeeBA hat vorgebeugt: Rund 150 Standorte für die FL 2500 haben sich die Ostwestfalen in Polen gesichert. Auch wenn noch in diesem Jahr zwei weitere der insgesamt acht Maschinen umfassenden Nullserie im niedersächsischen Gifhorn errichtet werden sollen, betont auch Fuhrländer-Chef Joachim Fuhrländer den „Exportcharakter“ der FL 2500: „Ab dem Jahr 2008 wird diese Maschine bei uns den Umsatzschwerpunkt im Exportbereich ausmachen.“

Mit der FL 2500 ist Fuhrländer, der rund 85 Prozent der Aktien an der eigenen, nicht börsennotierten AG hält, dank der Dreier-Kooperation endlich in der stark nachgefragten 2-MW-Klasse präsent. Außerdem werden die Anlagen im heimatlichen Waigandshain im Westerwald gefertigt, was die Produktion auslasten soll. Die Montage von 30 Gondeln ist für das kommende Jahr vorgesehen, bis Ende 2008 spricht auch Fuhrländer von über 250 Maschinen „vorwiegend aus Europa“.
Bei der Kooperation mit W2E und SeeBA hat sich Firmenchef Joachim Fuhrländer ausbedungen, allein die Lizenzrechte für die neue Anlage vergeben zu können. Damit reagiert der Vollbartträger, der zudem mit einer üppigen Mähne überall Aufsehen erregt, auf die für ihn nicht immer positiven Erfahrungen mit der von ihm erworbenen Lizenz für die so genannte MD-Baureihe.

Diese 1,5-MW-Maschine hatte Ende der neunziger Jahre das Rendsburger Ingenieurbüro „pro+pro energiesysteme GmbH“ bewusst für kleinere Hersteller entwickelt. Nachdem allerdings der Entwickler einige Jahre später im neu gegründeten Windunternehmen Repower Systems aufgegangen ist, blieb Fuhrländer von Upscalings und Weiterentwicklungen ausgespart. Deshalb hatte er noch vor Jahren versucht, selbst eine Maschine mit 2 MW Leistung zu entwickeln. Lizenzen für die FL 2500 zu vergeben, ist er durchaus gewillt: „Das Interesse ist groß“, sagt Fuhrländer.

Und es soll nicht nur bei einer Lizenz bleiben: So wird die FL 2500 nicht nur mit Nabenhöhen zwischen 85 bis 160 Metern angeboten, sondern auch mit einem Rotordurchmesser zwischen 80 bis 100 Metern – angepasst an die jeweiligen Windverhältnisse. Hinzukommen könnten Maschinen mit kleinerer und größerer Generatorleistung. Ursprünglich hatte W2E eine Anlagen-Familie angedacht, zu der auch Versionen mit 2,3 und 2,7 MW Leistung gehören sollten. „Was daraus wird, entscheidet die Nachfrage am Markt. Weitere Maschinen sind jedenfalls in Planung“, lässt Joachim Fuhrländer durchblicken.

Über mangelnde Arbeit können W2E-Geschäftsführer Klewitz und sein Team nicht klagen. Er ist erstmal froh, dass die erste Maschine endlich auf dem Mast ist. Die zwischenzeitliche Änderung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes hatte den Zeitplan kräftig durcheinandergewirbelt. Dass die Maschine die erwarteten Mehrerträge einspielt – die 2,5-MW-Turbine soll in Laasow jährlich 7 Millionen kWh einspeisen – davon ist Klewitz fest überzeugt: „Bei der Errichtung war auffällig, dass es in den unteren Regionen ziemlich windstill war, während oben an der Spitze der Wind richtig blies.“

Sonntag, 30.08.2026, 12:19 Uhr
Ralf Köpke
Energie & Management > E&M Vor 20 Jahren - Auf die Spitze getrieben
Quelle: Pixabay / Simon
E&M Vor 20 Jahren
Auf die Spitze getrieben
Im Jahr 2006 hatten sich drei kleinere Firmen zusammengetan für einen Aufbruch in neue Höhen.
Vor 20 Jahren sorgte eine Kooperation für Aufsehen, in deren Rahmen neue Windturbinen entwickelt und vermarktet wurden. Dank eines 160 Meter hohen Gitterturms gab es die Aussicht auf neue Chancen für die Windenergienutzung im Binnenland. Der frühere E&M-Chefreporter Ralf Köpke berichtete damals.


Weltrekorde lassen sich immer gut vermarkten, egal ob im Sport, in der Kunst oder in der Wirtschaft. Dass Mitte September die Aufbauarbeiten der weltweit höchsten Windturbine im Vetschauer Ortsteil Laasow (Oberspreewald-Lausitz), gut 15 km westlich von Cottbus, abgeschlossen werden konnte, ist in der Tat eine solche Rekordmarke. „Unsere Anlage ist auf einem 160 Meter hohen Gittermast errichtet worden und misst bis zur Flügelspitze maximal 205 Meter“, beschreibt Christoph Klewitz, Geschäftsführer des Ingenieurbüros Wind to Energy GmbH (W2E) mit Sitz im Ostseebad Rerik, die Dimensionen. Zum Vergleich: Der Kölner Dom bringt es auf eine Höhe von 157 Metern.

Den neuen „Riesen“ machen gleich zwei Besonderheiten interessant: Konzipiert, entwickelt und schließlich gebaut haben den Prototypen mit einer pitch-geregelten, drehzahlvariablen Turbine mit 2,5 MW Leistung und 90 Metern Rotordurchmesser drei „Minis“ der deutschen Windbranche. Neben den acht W2E-Ingenieuren, die zuvor in Diensten der Nordex AG deren heutige Erfolgsturbinen N80 (2,5 MW) und N90 (2,3 MW) mitentwickelt haben, zählen die SeeBA Energiesysteme GmbH aus Stemwede und die Westerwälder Windschmiede Fuhrländer AG zu dem Trio, dessen Mitglieder alle zu den Pionieren der deutschen Windszene zählen. Unter dem Fuhrländerkürzel „FL“ wird die neue Maschine mit dem Modellnamen „FL 2500“ vermarktet. „Solche Kooperationen sehen wir als Schritt gegen die zunehmende Konzentration in der Windbranche“, sagt W2E-Mann Klewitz. „Die kleinen Hersteller können durch den Zusammenschluss ihres Know-hows und durch ihre Flexibilität gegenüber den großen Playern durchaus bestehen“, fügt er hinzu.

Mit der neuen Maschine wollen die drei Partner vor allem dank der eindrucksvollen Nabenhöhe die Investoren überzeugen: „Damit lassen sich die gleichmäßigeren und stetigeren Luftströmungen in der Höhe nutzen, womit es möglich wird, auch windschwache Standorte für die Windenergie zu erschließen“, betont SeeBA-Geschäftsführer Klaus Hüsemann den Clou der neuen Konstruktion. SeeBA hat sich in den vergangenen Jahren in Windkreisen vor allem als Hersteller von stählernen Fachwerktürmen, eine Alternative zu den herkömmlichen Stahlrohr- und Stahlbeton-Lösungen, einen Namen gemacht – einer Konstruktion, die vergleichbar mit den herkömmlichen Strommasten ist.

Die Ostwestfalen hatten parallel zur Entwicklung der neuen Maschine die Geo Net Umweltconsulting GmbH mit einem Gutachten beauftragt, das im Vergleich zum gängigen 100-Meter-Turm eine zwischen 35 bis 45 Prozent höhere Windausbeute bei der 160-Meter-Variante ermittelt hat – bei den nach den Vorgaben des Erneuerbare-Energien-Gesetzes sinkenden Einspeisevergütungen eine hoch willkommene Alternative. Für die Küste kam die Studie nur zu einem Plus von 12 Prozent. „Jetzt, wo die Pilotanlage steht, wollen wir in den kommenden Wochen zeigen, dass sich die errechneten Mehrerträge in der Höhe auch in der Praxis realisieren lassen“, so Hüsemann.

Noch ein weiteres Plus sieht der SeeBA-Geschäftsführer für den riesigen Gitterturm: „Dank seiner vielen Einzelteile lässt sich unser Turm mit Lkw über alle Straßen transportieren, während es bei großen Stahltürmen infolge des größer gewordenen Durchmessers des Turmfußes zunehmend logistische Grenzen gibt.“

Standorte in Polen gesichert

Bei aller Euphorie um die neue Windturbine ist Hüsemann aber Realist genug, um zu wissen, dass sich die Genehmigungsbehörden hierzulande schwer tun werden mit dem 160 Meter hohen Gitterturm, der es mit seinen sieben Segmenten auf ein Gesamtgewicht von rund 350 Tonnen bringt. SeeBA hat vorgebeugt: Rund 150 Standorte für die FL 2500 haben sich die Ostwestfalen in Polen gesichert. Auch wenn noch in diesem Jahr zwei weitere der insgesamt acht Maschinen umfassenden Nullserie im niedersächsischen Gifhorn errichtet werden sollen, betont auch Fuhrländer-Chef Joachim Fuhrländer den „Exportcharakter“ der FL 2500: „Ab dem Jahr 2008 wird diese Maschine bei uns den Umsatzschwerpunkt im Exportbereich ausmachen.“

Mit der FL 2500 ist Fuhrländer, der rund 85 Prozent der Aktien an der eigenen, nicht börsennotierten AG hält, dank der Dreier-Kooperation endlich in der stark nachgefragten 2-MW-Klasse präsent. Außerdem werden die Anlagen im heimatlichen Waigandshain im Westerwald gefertigt, was die Produktion auslasten soll. Die Montage von 30 Gondeln ist für das kommende Jahr vorgesehen, bis Ende 2008 spricht auch Fuhrländer von über 250 Maschinen „vorwiegend aus Europa“.
Bei der Kooperation mit W2E und SeeBA hat sich Firmenchef Joachim Fuhrländer ausbedungen, allein die Lizenzrechte für die neue Anlage vergeben zu können. Damit reagiert der Vollbartträger, der zudem mit einer üppigen Mähne überall Aufsehen erregt, auf die für ihn nicht immer positiven Erfahrungen mit der von ihm erworbenen Lizenz für die so genannte MD-Baureihe.

Diese 1,5-MW-Maschine hatte Ende der neunziger Jahre das Rendsburger Ingenieurbüro „pro+pro energiesysteme GmbH“ bewusst für kleinere Hersteller entwickelt. Nachdem allerdings der Entwickler einige Jahre später im neu gegründeten Windunternehmen Repower Systems aufgegangen ist, blieb Fuhrländer von Upscalings und Weiterentwicklungen ausgespart. Deshalb hatte er noch vor Jahren versucht, selbst eine Maschine mit 2 MW Leistung zu entwickeln. Lizenzen für die FL 2500 zu vergeben, ist er durchaus gewillt: „Das Interesse ist groß“, sagt Fuhrländer.

Und es soll nicht nur bei einer Lizenz bleiben: So wird die FL 2500 nicht nur mit Nabenhöhen zwischen 85 bis 160 Metern angeboten, sondern auch mit einem Rotordurchmesser zwischen 80 bis 100 Metern – angepasst an die jeweiligen Windverhältnisse. Hinzukommen könnten Maschinen mit kleinerer und größerer Generatorleistung. Ursprünglich hatte W2E eine Anlagen-Familie angedacht, zu der auch Versionen mit 2,3 und 2,7 MW Leistung gehören sollten. „Was daraus wird, entscheidet die Nachfrage am Markt. Weitere Maschinen sind jedenfalls in Planung“, lässt Joachim Fuhrländer durchblicken.

Über mangelnde Arbeit können W2E-Geschäftsführer Klewitz und sein Team nicht klagen. Er ist erstmal froh, dass die erste Maschine endlich auf dem Mast ist. Die zwischenzeitliche Änderung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes hatte den Zeitplan kräftig durcheinandergewirbelt. Dass die Maschine die erwarteten Mehrerträge einspielt – die 2,5-MW-Turbine soll in Laasow jährlich 7 Millionen kWh einspeisen – davon ist Klewitz fest überzeugt: „Bei der Errichtung war auffällig, dass es in den unteren Regionen ziemlich windstill war, während oben an der Spitze der Wind richtig blies.“

Sonntag, 30.08.2026, 12:19 Uhr
Ralf Köpke

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