Quelle: Stefan Sagmeister
Das Vertrauen in den deutschen Kapitalmarkt ist international hoch. Dies sollte stärker genutzt werden, sagte der CEO der KfW-Bank auf einer Konferenz in Berlin.
Für Stefan Wintels, Vorstandsvorsitzender der staatlichen Förderbank KfW, steht die Finanzierung der Energiewende vor einem strukturellen Wandel. Nach seiner Einschätzung werden staatliche Mittel künftig nur einen begrenzten Teil des Finanzierungsbedarfs abdecken können. Der überwiegende Anteil müsse über privates und institutionelles Kapital mobilisiert werden.
Allerdings bleibt das Interesse internationaler Finanzinvestoren an Deutschland hoch. Wintels verwies unter anderem auf große Beteiligungen an den Übertragungsnetzbetreibern Tennet Deutschland und Amprion. Diese Transaktionen seien Vertrauenssignale, da institutionelle Investoren in der Regel große Volumina investieren und langfristige Stabilität suchen.
Deutschland profitiere dabei von seiner Verlässlichkeit und und politischer Stabilität. „Als einziges G7-Land verfügen wir über ein Triple-A-Rating“, so Wintels. Zwar blieben die USA auf absehbare Zeit der wichtigste Kapitalmarkt, doch im Zuge der Diversifizierung rückten Europa und insbesondere Deutschland stärker in den Fokus.
Paradigmenwechsel in der Finanzierung der Energiewende
Nach Einschätzung von Wintels befindet sich Deutschland am Beginn eines Paradigmenwechsels hin zu einer stärker kapitalmarktorientierten Volkswirtschaft. Energieversorger und Netzbetreiber müssten sich intensiver mit der Mobilisierung von externem Kapital befassen. Diese Entwicklung werde zunehmend auch politisch unterstützt. Die Offenheit gegenüber privaten Kapitalgebern sei deutlich gestiegen, was sich nicht zuletzt in neuen Instrumenten widerspiegele.
Ein neues Instrument ist dabei der Deutschlandfonds, der im Dezember vorgestellt wurde (wir berichteten). Der Deutschlandfonds bündelt dabei mehrere Instrumente für private Investoren, die von der KfW abgesichert werden. So werden beispielsweise Kredite für Strom- und Wärmenetze darüber abgesichert, bei geothermalen Wärmebohrungen übernimmt die KfW unter anderem das Fündigkeitsrisiko.
Beim Deutschlandfonds handelt es sich nicht um einen klassischen Fonds, in den Investoren direkt einzahlen, erläuterte der KfW-CEO. Es sei vielmehr ein Bündel von Instrumenten und Programmen, mit denen der Staat „private Investitionen gezielt hebeln will“. Ziel sei es, mit vergleichsweise begrenzten Haushaltsmitteln ein deutlich höheres Investitionsvolumen auszulösen. Nach Angaben von Wintels soll der Deutschlandfonds Investitionen von bis zu 130 Milliarden Euro stimulieren.
Insgesamt geht die KfW von einem Investitionsbedarf von rund 535 Milliarden Euro in den kommenden Jahren für die Energiewende aus. Etwa ein Drittel dieser Summe könne voraussichtlich aus der Innenfinanzierung der Unternehmen gedeckt werden. „Rund 350 Milliarden Euro müssten dagegen über externe Kapitalquellen bereitgestellt werden“, sagte Wintels. Der Deutschlandfonds setzt hier an, indem er vor allem Eigenkapital- und Garantieinstrumente zur Verfügung stellt. Diese sollen die Risikostruktur von Projekten verbessern und Banken sowie Investoren zusätzliche Spielräume eröffnen.
Garantieinstrumente entlasten Banken
Besonders wichtig seien dabei Garantieinstrumente. Sie haben sich nach Einschätzung von Wintels bereits in der Vergangenheit bewährt und sollen nun ausgeweitet werden. Indem die KfW einen Teil des Risikos übernimmt, entlastet sie die Bilanzen der Hausbanken. Das erhöht deren Fähigkeit, Kredite zu vergeben, ohne dass der Staat die Finanzierung vollständig selbst übernehmen muss. Entscheidend ist dabei, dass die Hausbanken weiterhin eingebunden bleiben und eigenes Risiko tragen.
Wintels betonte zugleich, dass Bankgeschäfte grundsätzlich nicht risikolos seien. Ausfälle könnten nicht ausgeschlossen werden. Er verweist jedoch auf ein Grundvertrauen in den deutschen Markt und auf den Portfolioeffekt, der Risiken über viele Projekte verteilt. Die KfW verstehe sich dabei als Treuhänder des Bundes und als Partner von Banken, Kommunen und Stadtwerken.
Mittwoch, 28.01.2026, 13:52 Uhr
Stefan Sagmeister
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