Quelle: Jonas Rosenberger / E&M
Auf dem Gelände eines stillgelegten Kohlekraftwerks im Bremer Industriehafen entsteht ein Großbatteriespeicher für die Energiewende. Die Anlage soll Anfang 2028 in Betrieb gehen.
Im Bremer Industriehafen planen die „swb Erzeugung GmbH“ und die „be.storaged GmbH“ ein Batteriespeicherprojekt. Die SWB AG mit Sitz in Bremen versorgt als regionaler Energieversorger Kunden mit Strom, Gas und Wärme. Die Tochter SWB Erzeugung betreibt Kraftwerksanlagen. „be.storaged“ entwickelt und realisiert Projekte für Batteriespeicher.
Die Partner setzen das Vorhaben auf einer Fläche um, die durch das Abschalten von Kohleblöcken frei geworden ist. Noch in diesem Jahr wollen sie mit dem Rückbau der Altanlagen beginnen, wie es in einer Mitteilung der swb vom 30. April heißt. Ab 2027 errichten sie Batteriecontainer, Transformatoren und Schaltanlagen. Anfang 2028 soll der Speicher den Betrieb aufnehmen.
Vorhandene Infrastruktur bleibt im Einsatz
Nach Angaben von SWB bietet der Standort mehrere technische Vorteile. Die Unternehmen nutzen bestehende elektrotechnische Anlagen für die Netzanbindung weiter. Auch Einrichtungen für Brandschutz und Löschwasserrückhaltung bleiben im Einsatz. Den Speicher binden sie zudem an die zentrale Leitwarte des Kraftwerksstandorts an.
Stefan Weber und Alexander Neuhaus aus der Geschäftsführung der SWB Erzeugung erklären, das Projekt sei Teil der strategischen Weiterentwicklung. „Wir nutzen am Standort Hafen die vorhandene Infrastruktur und schaffen Platz für moderne Energietechnik“, werden sie in einer Unternehmensmitteilung zitiert. Gleichzeitig erhöhe der Speicher die Flexibilität im Energiesystem.
Der Batteriespeicher soll im Endausbau eine Leistung von rund 85 MW und eine Speicherkapazität von etwa 170.000 kWh erreichen . Das Investitionsvolumen liegt, wie es weiter seitens der SWB heißt, im mittleren zweistelligen Millionenbereich. Eine zentrale Rolle spielt die Netzanbindung: Der Speicher nutzt vorhandene Anschlusskapazitäten des früheren Kohlekraftwerks.
Flexible Netzanbindung ohne neue Engpässe
Das Projekt arbeitet mit sogenannten „Flexible Connection Agreements“. Derartige Vereinbarungen erlauben es dem Netzbetreiber, die Anschlussleistung bei Bedarf anzupassen. So kann er den Speicher gezielt zur Stabilisierung des Netzes einsetzen. Gleichzeitig blockiert das Projekt keine neuen Netzanschlüsse. Magnus Pielke, Geschäftsführer von „be.storaged“, sieht darin einen konkreten Ansatz für die Energiewende. „Wir nutzen die Fläche eines stillgelegten Kohlekraftwerks und greifen auf flexible Netzanschlusskapazitäten zurück“, sagt er.
Mit dem wachsenden Anteil erneuerbarer Energien steigt der Bedarf an flexiblen Lösungen. Wind- und Solarstrom schwanken im Tagesverlauf. Batteriespeicher gleichen diese Unterschiede aus und stabilisieren das Stromnetz.
Erfahrungen mit dieser Technik hat SWB bereits gesammelt. Am Standort Hastedt, einem Stadteil im Osten von Bremen, betreibt das Unternehmen seit 2019 das Hybridregelkraftwerk „HyReK“. Die Anlage erbringt Systemdienstleistungen für das Stromnetz und wandelt Strom über eine Power-to-Heat-Funktion in Wärme für das Fernwärmenetz um. Das Projekt im Industriehafen baut auf diesen Erfahrungen auf und erweitert sie um eine größere Speicherlösung.
Donnerstag, 30.04.2026, 12:39 Uhr
Davina Spohn
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