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Energie & Management > Studien - Studie beziffert Potenzial von Fluss- und Abwasserwärme in Hessen
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Studien

Studie beziffert Potenzial von Fluss- und Abwasserwärme in Hessen

Flüsse und Kläranlagen könnten 2045 bis zu 25 Prozent des hessischen Wärmebedarfs außerhalb der Industrie decken. Eine Studie beziffert die Potenziale für Wärmenetze.
Wärme aus Fließgewässern und dem Ablauf von Kläranlagen könnte einen Teil der Versorgung von Wärmenetzen in Hessen übernehmen. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Wärmequellen Hessen“, die die Universität Kassel im Auftrag der Landesenergieagentur Hessen (LEA Hessen) und des hessischen Wirtschaftsministeriums erstellt hat, teilte die Landesagentur dazu am 26. August mit. Die Untersuchung hat die Potenziale von Fluss- und Abwasserwärme auf Landesebene erfasst.

Nach den Berechnungen könnten beide Wärmequellen zusammen bis zu 25 Prozent des für 2045 prognostizierten hessischen Wärmebedarfs außerhalb der Industrie decken. Die Autoren berücksichtigen dabei allerdings nur verdichtete Gebiete, die sich grundsätzlich für eine Versorgung über Wärmenetze eignen. Die Ergebnisse beschreiben damit kein landesweit verfügbares Potenzial, sondern konzentrieren sich auf Gebiete, in denen eine leitungsgebundene Wärmeversorgung infrage kommt.

Studie untersuchte Flüsse und Kläranlagen

Für die Untersuchung analysierten die Wissenschaftler 443 Kläranlagen. In Verbindung mit Großwärmepumpen könnten diese Anlagen den Berechnungen zufolge jährlich zwischen 2,4 und 4,9 Milliarden kWh Wärme bereitstellen. Rund drei Viertel der hessischen Kommunen verfügen laut Studie über mindestens eine Kläranlage, die für eine entsprechende Nutzung infrage kommt.

Für die Flusswärme identifiziert die Untersuchung 25 Gewässer, die auf einer Länge von rund 1.467 Kilometern die festgelegten Mindestanforderungen erfüllen. Die entsprechenden Abschnitte verteilen sich auf 173 Kommunen. Damit kommt diese Wärmequelle in rund 40 Prozent der hessischen Städte und Gemeinden grundsätzlich infrage.

Unter Einbeziehung technischer, ökologischer und wirtschaftlicher Einschränkungen beziffert die Studie das nutzbare Wärmebereitstellungspotenzial der Fließgewässer auf 1,3 bis 4,3 Milliarden kWh pro Jahr. Schwerpunkte liegen entlang von Rhein und Main in Südhessen sowie an Weser, Fulda, Werra und Lahn in Nord- und Mittelhessen.

Für Projekte ist die räumliche Zuordnung von Wärmequelle und Wärmebedarf entscheidend. Liegt ein geeigneter Flussabschnitt oder eine Kläranlage in der Nähe eines bestehenden oder geplanten Wärmenetzes, sinkt der Bedarf an zusätzlichen Leitungen. Größere Entfernungen erhöhen dagegen den Infrastrukturbedarf und können die Wirtschaftlichkeit begrenzen.

Erste Anlage nutzt Wärme aus der Lahn

Ein erstes Projekt zur Flusswärmenutzung ging nach Angaben der LEA Hessen Anfang Juli 2026 in Gießen in Betrieb. Im Projekt „PowerLahn“ der Stadtwerke Gießen entziehen drei Großwärmepumpen der Lahn Wärme und speisen diese in das Fernwärmenetz ein. Die Anlage soll Wärme für rechnerisch rund 3.900 Wohnungen bereitstellen. Im Winter ergänzen zwei Blockholzkraftwerke die Wärmeerzeugung.

Die Studie weist auch für andere Kommunen hohe rechnerische Deckungsanteile aus. In Marburg könnte die Kombination aus Fluss- und Abwasserwärme etwa die Hälfte des Wärmebedarfs jener Gebiete decken, die sich für Wärmenetze eignen. Für Biedenkopf errechnen die Autoren für Abwasserwärme ein Potenzial in Höhe des gesamten Wärmebedarfs der betrachteten Wärmenetzgebiete.

In Wettenberg an der Lahn könnte Flusswärme laut Untersuchung rechnerisch knapp 90 Prozent des Wärmebedarfs in den für Wärmenetze vorgesehenen Gebieten abdecken. Die Beispiele zeigen zugleich, dass die Potenziale nicht nur an Rhein und Main auftreten.

Die Ergebnisse der Studie wurden in den Wärmeatlas Hessen der LEA Hessen integriert und stehen damit allen Kommunen frei zur Verfügung. Der Wärmeatlas unterstützt Städte und Gemeinden bei der kommunalen Wärmeplanung, indem er sowohl Wärmebedarfe als auch Potenziale erneuerbarer und unvermeidbarer Wärmequellen sichtbar macht. (hr)

Mittwoch, 26.08.2026, 12:19 Uhr
Heidi Roider
Energie & Management > Studien - Studie beziffert Potenzial von Fluss- und Abwasserwärme in Hessen
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Studie beziffert Potenzial von Fluss- und Abwasserwärme in Hessen
Flüsse und Kläranlagen könnten 2045 bis zu 25 Prozent des hessischen Wärmebedarfs außerhalb der Industrie decken. Eine Studie beziffert die Potenziale für Wärmenetze.
Wärme aus Fließgewässern und dem Ablauf von Kläranlagen könnte einen Teil der Versorgung von Wärmenetzen in Hessen übernehmen. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Wärmequellen Hessen“, die die Universität Kassel im Auftrag der Landesenergieagentur Hessen (LEA Hessen) und des hessischen Wirtschaftsministeriums erstellt hat, teilte die Landesagentur dazu am 26. August mit. Die Untersuchung hat die Potenziale von Fluss- und Abwasserwärme auf Landesebene erfasst.

Nach den Berechnungen könnten beide Wärmequellen zusammen bis zu 25 Prozent des für 2045 prognostizierten hessischen Wärmebedarfs außerhalb der Industrie decken. Die Autoren berücksichtigen dabei allerdings nur verdichtete Gebiete, die sich grundsätzlich für eine Versorgung über Wärmenetze eignen. Die Ergebnisse beschreiben damit kein landesweit verfügbares Potenzial, sondern konzentrieren sich auf Gebiete, in denen eine leitungsgebundene Wärmeversorgung infrage kommt.

Studie untersuchte Flüsse und Kläranlagen

Für die Untersuchung analysierten die Wissenschaftler 443 Kläranlagen. In Verbindung mit Großwärmepumpen könnten diese Anlagen den Berechnungen zufolge jährlich zwischen 2,4 und 4,9 Milliarden kWh Wärme bereitstellen. Rund drei Viertel der hessischen Kommunen verfügen laut Studie über mindestens eine Kläranlage, die für eine entsprechende Nutzung infrage kommt.

Für die Flusswärme identifiziert die Untersuchung 25 Gewässer, die auf einer Länge von rund 1.467 Kilometern die festgelegten Mindestanforderungen erfüllen. Die entsprechenden Abschnitte verteilen sich auf 173 Kommunen. Damit kommt diese Wärmequelle in rund 40 Prozent der hessischen Städte und Gemeinden grundsätzlich infrage.

Unter Einbeziehung technischer, ökologischer und wirtschaftlicher Einschränkungen beziffert die Studie das nutzbare Wärmebereitstellungspotenzial der Fließgewässer auf 1,3 bis 4,3 Milliarden kWh pro Jahr. Schwerpunkte liegen entlang von Rhein und Main in Südhessen sowie an Weser, Fulda, Werra und Lahn in Nord- und Mittelhessen.

Für Projekte ist die räumliche Zuordnung von Wärmequelle und Wärmebedarf entscheidend. Liegt ein geeigneter Flussabschnitt oder eine Kläranlage in der Nähe eines bestehenden oder geplanten Wärmenetzes, sinkt der Bedarf an zusätzlichen Leitungen. Größere Entfernungen erhöhen dagegen den Infrastrukturbedarf und können die Wirtschaftlichkeit begrenzen.

Erste Anlage nutzt Wärme aus der Lahn

Ein erstes Projekt zur Flusswärmenutzung ging nach Angaben der LEA Hessen Anfang Juli 2026 in Gießen in Betrieb. Im Projekt „PowerLahn“ der Stadtwerke Gießen entziehen drei Großwärmepumpen der Lahn Wärme und speisen diese in das Fernwärmenetz ein. Die Anlage soll Wärme für rechnerisch rund 3.900 Wohnungen bereitstellen. Im Winter ergänzen zwei Blockholzkraftwerke die Wärmeerzeugung.

Die Studie weist auch für andere Kommunen hohe rechnerische Deckungsanteile aus. In Marburg könnte die Kombination aus Fluss- und Abwasserwärme etwa die Hälfte des Wärmebedarfs jener Gebiete decken, die sich für Wärmenetze eignen. Für Biedenkopf errechnen die Autoren für Abwasserwärme ein Potenzial in Höhe des gesamten Wärmebedarfs der betrachteten Wärmenetzgebiete.

In Wettenberg an der Lahn könnte Flusswärme laut Untersuchung rechnerisch knapp 90 Prozent des Wärmebedarfs in den für Wärmenetze vorgesehenen Gebieten abdecken. Die Beispiele zeigen zugleich, dass die Potenziale nicht nur an Rhein und Main auftreten.

Die Ergebnisse der Studie wurden in den Wärmeatlas Hessen der LEA Hessen integriert und stehen damit allen Kommunen frei zur Verfügung. Der Wärmeatlas unterstützt Städte und Gemeinden bei der kommunalen Wärmeplanung, indem er sowohl Wärmebedarfe als auch Potenziale erneuerbarer und unvermeidbarer Wärmequellen sichtbar macht. (hr)

Mittwoch, 26.08.2026, 12:19 Uhr
Heidi Roider

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