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Die Stadt Schlüchtern (Hessen) prüft ein 750-Millionen-Euro-Kraftwerk für ein geplantes Rechenzentrum in Birstein. Die Anlage soll auch Wärme liefern und das Stromnetz stützen.
Die Stadt Schlüchtern im Main-Kinzig-Kreis prüft den Bau eines Kraftwerks mit einer Leistung von bis zu 276
MW. Nach Angaben der Kommune soll die Anlage im Gewerbegebiet „Auf dem Reitstück“ entstehen und vor allem ein geplantes Rechenzentrum im benachbarten Birstein mit Strom versorgen. Das Investitionsvolumen gibt die Stadt mit 750
Millionen Euro an.
Hinter dem Vorhaben steht die Argaman Group aus Frankfurt, die Kraftwerk und Rechenzentrum plant. Das Kraftwerk soll nach Angaben der Stadt von einem großen deutschen Energieversorger gebaut und betrieben werden. Welches Unternehmen diese Rolle übernehmen soll, ist bislang nicht bekannt.
Das Kraftwerk soll zunächst Erdgas und Brennstoffzellen nutzen und für einen späteren Betrieb mit Wasserstoff ausgelegt sein. Nach Angaben der Argaman Group soll die Energie zu 80
Prozent aus Brennstoffzellen und zu 20
Prozent aus Gasverbrennung stammen. Ab Mitte der 2030er Jahre ist laut Geschäftsführer David Roitman eine vollständige Umstellung auf einen CO2-neutralen Betrieb vorgesehen. Dafür soll perspektivisch eine eigene Wasserstoffpipeline errichtet werden.
Als Standortvorteil nennt Roitman die vorhandene Gasinfrastruktur. In Schlüchtern kreuzen sich nach Angaben der Argaman Group zwei größere Gasleitungen. Zudem liegt das Umspannwerk Elm in der Nähe. Dort soll der erzeugte Strom langfristig auch zur Stabilisierung des Stromnetzes eingespeist werden.
Rechenzentrum benötigt bis zu 200 MWDas Kraftwerk steht in direktem Zusammenhang mit einem geplanten Rechenzentrum in Birstein. Die Argaman Group will dort auf einem elf Hektar großen Gelände ein Rechenzentrum mit einer IT-Leistung von bis zu 200
MW errichten. Nach Angaben der Stadt Birstein umfasst das Investitionsvolumen mehrere Milliarden Euro. Der Strombedarf des Zentrums entspricht damit rechnerisch dem Bedarf von mehr als 150.000
Haushalten.
Birstein und Schlüchtern haben angekündigt, bei den beiden Vorhaben eng zusammenzuarbeiten. In Birstein war das Rechenzentrum zuletzt Gegenstand politischer Diskussionen. Die Gemeindevertretung lehnte einen Antrag auf einen Bürgerentscheid zu dem Projekt ab.
Für Schlüchtern verspricht das Kraftwerk neben der Stromversorgung des Rechenzentrums auch wirtschaftliche Effekte. Bürgermeister Matthias Möller (parteilos) rechnet nach Angaben der Stadt mit deutlich höheren Gewerbesteuereinnahmen. Diese könnten um rund 40
Prozent steigen und zusätzliche Investitionen etwa in einen Feuerwehrstandort oder die Sanierung von Kindertagesstätten ermöglichen.
Zudem soll die Abwärme des Kraftwerks für ein Fernwärmenetz genutzt werden. Die Stadt rechnet mit einer Wärmeleistung von rund 50
MW. Damit könnten nach ihren Angaben bis zu 10.000
Haushalte versorgt werden. Auch öffentliche Einrichtungen sowie Gewerbe- und Industriebetriebe könnten die Wärme nutzen.
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Birsteins Bürgermeister Fabian Fehl (Mitte) und die Verantwortlichen der Stadt Schlüchtern (von links) Thomas Rau, Moritz Föller, Bürgermeister Matthias Möller und Julian Fehl wollen für Kraftwerk und Rechenzentrum kooperieren Quelle: Stadt Schlüch |
Bau könnte 2028 beginnenDie Stadt nennt eine Bauzeit von rund zwei Jahren. Beginnen könnten die Arbeiten demnach Anfang 2028, sofern die politischen Gremien einer vertieften Prüfung zustimmen und das Vorhaben anschließend genehmigungsfähig ist. Das Kraftwerk soll mindestens 30 Jahre betrieben werden.
Nach Angaben der Kommune prüft die Stadt unter anderem Emissions- und Lärmschutz sowie Natur- und Umweltschutz. Auch bau-, steuer- und naturschutzrechtliche Fragen sollen in die Prüfung einfließen.
Möller will zudem die Bevölkerung frühzeitig einbeziehen. „Wir wollen von Beginn an alle mitnehmen und fachlich korrekt informieren, sodass sich jeder eine Meinung bilden kann“, so Möller. Mit Blick auf den geplanten Wasserstoffbetrieb steht das Projekt vor einer grundsätzlichen Herausforderung. Kritiker sogenannter H2-ready-Kraftwerke bezweifeln, dass in Deutschland mittelfristig ausreichend grüner Wasserstoff zur Verfügung stehen wird.
Wissenschaftler des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg sowie Vertreter der Deutschen Umwelthilfe warnen laut dem Bericht zudem davor, dass solche Anlagen länger mit Erdgas betrieben werden könnten. Auch die höheren Kosten und die technische Komplexität von Wasserstoffanlagen sind Gegenstand der Kritik.
In Hessen gibt es bereits Widerstand gegen vergleichbare Vorhaben. In Maintal stocken Pläne für ein Gaskraftwerk, das ein Rechenzentrum mit Strom versorgen soll. Auch gegen ein geplantes Gaskraftwerk auf der Ingelheimer Aue zwischen Wiesbaden und Mainz gibt es Proteste. In Gießen wiederum hat das Stadtparlament den Bau eines großen Rechenzentrums beschlossen, gegen den sich Anwohner und ein Parteienbündnis wenden.
(sh)
Freitag, 28.08.2026, 14:13 Uhr
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