E&M exklusiv Newsletter:
E&M gratis testen:
Energie & Management > Gas - Strategische Gasreserve rückt in den Fokus
Quelle: Shutterstock / sdf_qwe
Gas

Strategische Gasreserve rückt in den Fokus

Die Gasversorgung für den Restwinter ist kein Problem mehr. Die Wiederbefüllung der Speicher hingegen schon. 
Auch wenn es noch einmal extrem kalt werden sollte, reichen die Speicherstände aus, um die Gasversorgung in Deutschland bis zum Ende der Heizperiode zu sichern. Zur Herausforderung wird allerdings die Wiederbefüllung im Sommer. Die geopolitische Situation und stark gestiegene Gaspreise haben den Sommer-Winter-Spread ins Negative gedreht, wie es in einer Mitteilung des Verbandes „INES“ (Initiative Energien Speichern) heißt: Ökonomische Anreize zur Einspeicherung fehlten dem Markt derzeit vollständig.

Ines fordert deshalb eine Debatte zur Sicherung der Speicherbefüllung. Die aktuellen Modellrechnungen des Speicherverbandes zeigen, dass rein technisch eine Wiederbefüllung im Sommer 2026 in Höhe des Buchungsstands vom Vorjahr (81 Prozent zum 1. November) zwar theoretisch machbar wäre. Die aktuellen Marktrealitäten unterscheiden sich jedoch deutlich von den technischen Möglichkeiten. Das heißt, der tatsächliche Füllstandsverlauf kann erheblich abweichen. Sogar von einer „außergewöhnlich großen Herausforderung“ ist seitens Ines die Rede.

Schließung der Straße von Hormus treibt die Preis

Die Schließung der Straße von Hormus führt zwar nicht unmittelbar zu technischen Einschränkungen für die Gasversorgung Europas oder für die Befüllung der Speicher in Deutschland. Sie hat jedoch zu erheblichen Preissteigerungen auf den globalen LNG-Märkten geführt. Der daraus resultierende Bieterwettbewerb zwischen Asien und Europa treibt die Preise nach oben.

In der Folge hat sich der saisonale Sommer-Winter-Spread ins Negative gedreht: Gas ist für den kommenden Winter derzeit günstiger verfügbar als für den Sommer. Damit fehlen dem Markt aktuell ökonomischen Anreize zur Einspeicherung. Vor dem Hintergrund der historisch niedrigen Ausgangsfüllstände – Ende Februar waren es nur noch 21 Prozent – sieht Ines ein „erhebliches Risiko für die Vorbereitung der kommenden Winterversorgung“. 

Geschäftsführer Sebastian Heinermann: „Die Versorgung für den restlichen Winter ist gesichert. Die eigentliche Herausforderung liegt jetzt vor uns – bei der Wiederbefüllung der Speicher für den kommenden Winter. Der negative Sommer-Winter-Spread zeigt deutlich, dass dem Markt derzeit jeglicher ökonomische Anreiz zur Einspeicherung genommen worden ist.“

Der Status quo ist für Heinermann nicht tragfähig: „Bestehende Mechanismen sichern die Gasversorgungssicherheit nicht ausreichend ab, weil die Anreize zur Befüllung der Gasspeicher unzureichend sind. Der gesetzliche und regulatorische Rahmen muss weiterentwickelt werden, indem verbesserte Instrumente implementiert werden.“ 

Nach Einschätzung vieler Marktakteure haben vor allem die bisherigen Füllstandsvorgaben und die damit verbundenen Marktverzerrungen die Preisbildung verändert und die Anreize zur Einspeicherung deutlich reduziert. Der derzeit negative Sommer-Winter-Spread mache zudem deutlich, dass auch externe geopolitische Schocks die Marktanreize in kürzester Zeit vollständig aushebeln können. 

Der europäische Vergleich, so Ines, zeige, dass geeignete politische Rahmenbedingungen die Speicherbewirtschaftung deutlich stabilisieren können. Harmonisierte Regeln im EU-Binnenmarkt seien daher ein wichtiger Baustein, um Wettbewerbsnachteile für deutsche Speicher zu vermeiden.

„Sollte der Staat den Aufbau einer strategischen Reserve als ein Instrument ins Auge fassen, empfehlen wir eine Dimensionierung von rund 78 TWh. Mit einer solchen Reserve könnten exogene Schocks – wie zum Beispiel ein Ausfall norwegischer Importpipelines – über 90 Tage ausgeglichen werden“, betont Heinermann. Wichtig sei dabei ein gestufter Aufbau, der den Marktakteuren Zeit zur Anpassung gibt und gleichzeitig extreme Preisspekulationen verhindert. 
 
Nur noch zu 21 Prozent waren die Gasspeicher in Deutschland
Ende Februar gefüllt. Das und die aktuelle geopolitische Situation
lassen die Wiederbefüllung im Sommer schwierig erscheinen
Quelle: Ines

Ines

Ines modelliert fortlaufend die europäischen Gasmärkte, um die Sicherheit der Gasversorgung zu bewerten. Die Initiative Energien Speichern ist ein Zusammenschluss von Betreibern deutscher Gas- und Wasserstoffspeicher und hat ihren Sitz in Berlin. Mit derzeit 17 Mitgliedern repräsentiert der Verein mehr als 90 Prozent der deutschen Gasspeicherkapazitäten und etwa 25 Prozent aller Gasspeicherkapazitäten in der EU. Die Mitglieder beschäftigen sich darüber hinaus in zahlreichen Projekten mit der Entwicklung von Untergrund-Wasserstoffspeichern.

Dienstag, 17.03.2026, 15:15 Uhr
Günter Drewnitzky
Energie & Management > Gas - Strategische Gasreserve rückt in den Fokus
Quelle: Shutterstock / sdf_qwe
Gas
Strategische Gasreserve rückt in den Fokus
Die Gasversorgung für den Restwinter ist kein Problem mehr. Die Wiederbefüllung der Speicher hingegen schon. 
Auch wenn es noch einmal extrem kalt werden sollte, reichen die Speicherstände aus, um die Gasversorgung in Deutschland bis zum Ende der Heizperiode zu sichern. Zur Herausforderung wird allerdings die Wiederbefüllung im Sommer. Die geopolitische Situation und stark gestiegene Gaspreise haben den Sommer-Winter-Spread ins Negative gedreht, wie es in einer Mitteilung des Verbandes „INES“ (Initiative Energien Speichern) heißt: Ökonomische Anreize zur Einspeicherung fehlten dem Markt derzeit vollständig.

Ines fordert deshalb eine Debatte zur Sicherung der Speicherbefüllung. Die aktuellen Modellrechnungen des Speicherverbandes zeigen, dass rein technisch eine Wiederbefüllung im Sommer 2026 in Höhe des Buchungsstands vom Vorjahr (81 Prozent zum 1. November) zwar theoretisch machbar wäre. Die aktuellen Marktrealitäten unterscheiden sich jedoch deutlich von den technischen Möglichkeiten. Das heißt, der tatsächliche Füllstandsverlauf kann erheblich abweichen. Sogar von einer „außergewöhnlich großen Herausforderung“ ist seitens Ines die Rede.

Schließung der Straße von Hormus treibt die Preis

Die Schließung der Straße von Hormus führt zwar nicht unmittelbar zu technischen Einschränkungen für die Gasversorgung Europas oder für die Befüllung der Speicher in Deutschland. Sie hat jedoch zu erheblichen Preissteigerungen auf den globalen LNG-Märkten geführt. Der daraus resultierende Bieterwettbewerb zwischen Asien und Europa treibt die Preise nach oben.

In der Folge hat sich der saisonale Sommer-Winter-Spread ins Negative gedreht: Gas ist für den kommenden Winter derzeit günstiger verfügbar als für den Sommer. Damit fehlen dem Markt aktuell ökonomischen Anreize zur Einspeicherung. Vor dem Hintergrund der historisch niedrigen Ausgangsfüllstände – Ende Februar waren es nur noch 21 Prozent – sieht Ines ein „erhebliches Risiko für die Vorbereitung der kommenden Winterversorgung“. 

Geschäftsführer Sebastian Heinermann: „Die Versorgung für den restlichen Winter ist gesichert. Die eigentliche Herausforderung liegt jetzt vor uns – bei der Wiederbefüllung der Speicher für den kommenden Winter. Der negative Sommer-Winter-Spread zeigt deutlich, dass dem Markt derzeit jeglicher ökonomische Anreiz zur Einspeicherung genommen worden ist.“

Der Status quo ist für Heinermann nicht tragfähig: „Bestehende Mechanismen sichern die Gasversorgungssicherheit nicht ausreichend ab, weil die Anreize zur Befüllung der Gasspeicher unzureichend sind. Der gesetzliche und regulatorische Rahmen muss weiterentwickelt werden, indem verbesserte Instrumente implementiert werden.“ 

Nach Einschätzung vieler Marktakteure haben vor allem die bisherigen Füllstandsvorgaben und die damit verbundenen Marktverzerrungen die Preisbildung verändert und die Anreize zur Einspeicherung deutlich reduziert. Der derzeit negative Sommer-Winter-Spread mache zudem deutlich, dass auch externe geopolitische Schocks die Marktanreize in kürzester Zeit vollständig aushebeln können. 

Der europäische Vergleich, so Ines, zeige, dass geeignete politische Rahmenbedingungen die Speicherbewirtschaftung deutlich stabilisieren können. Harmonisierte Regeln im EU-Binnenmarkt seien daher ein wichtiger Baustein, um Wettbewerbsnachteile für deutsche Speicher zu vermeiden.

„Sollte der Staat den Aufbau einer strategischen Reserve als ein Instrument ins Auge fassen, empfehlen wir eine Dimensionierung von rund 78 TWh. Mit einer solchen Reserve könnten exogene Schocks – wie zum Beispiel ein Ausfall norwegischer Importpipelines – über 90 Tage ausgeglichen werden“, betont Heinermann. Wichtig sei dabei ein gestufter Aufbau, der den Marktakteuren Zeit zur Anpassung gibt und gleichzeitig extreme Preisspekulationen verhindert. 
 
Nur noch zu 21 Prozent waren die Gasspeicher in Deutschland
Ende Februar gefüllt. Das und die aktuelle geopolitische Situation
lassen die Wiederbefüllung im Sommer schwierig erscheinen
Quelle: Ines

Ines

Ines modelliert fortlaufend die europäischen Gasmärkte, um die Sicherheit der Gasversorgung zu bewerten. Die Initiative Energien Speichern ist ein Zusammenschluss von Betreibern deutscher Gas- und Wasserstoffspeicher und hat ihren Sitz in Berlin. Mit derzeit 17 Mitgliedern repräsentiert der Verein mehr als 90 Prozent der deutschen Gasspeicherkapazitäten und etwa 25 Prozent aller Gasspeicherkapazitäten in der EU. Die Mitglieder beschäftigen sich darüber hinaus in zahlreichen Projekten mit der Entwicklung von Untergrund-Wasserstoffspeichern.

Dienstag, 17.03.2026, 15:15 Uhr
Günter Drewnitzky

Haben Sie Interesse an Content oder Mehrfachzugängen für Ihr Unternehmen?

Sprechen Sie uns an, wenn Sie Fragen zur Nutzung von E&M-Inhalten oder den verschiedenen Abonnement-Paketen haben.
Das E&M-Vertriebsteam freut sich unter Tel. 08152 / 93 11-77 oder unter vertrieb@energie-und-management.de über Ihre Anfrage.