Bei der Vertragsunterzeichnung (v.l.): Gitta Connemann (BMWE), Stefan Dohler (EWE), Gunnar Groebler (Salzgitter) und Olaf Lies (SPD). Quelle: Gerd Markert Fotografie
Grüner Wasserstoff soll die Stahlproduktion klimafreundlicher machen. Eine neue Liefervereinbarung zwischen EWE und Salzgitter sichert dafür langfristige Mengen.
Der Energiedienstleister EWE aus Oldenburg (Niedersachsen) und die Salzgitter Flachstahl GmbH haben einen langfristigen Vertrag über die Lieferung von grünem Wasserstoff geschlossen. Ab 2030 soll EWE jährlich rund 10.000 Tonnen Wasserstoff aus einer derzeit entstehenden Elektrolyseanlage in Emden an das Stahlunternehmen liefern. Die Liefervereinbarung gilt zunächst für sieben Jahre. Dies teilten die Unternehmen am 9. Juni mit.
Für EWE handelt es sich um den ersten Großabnahmevertrag für Wasserstoff aus der geplanten Anlage in Emden. Der Elektrolyseur soll eine Leistung von 320 MW erreichen. Der Wasserstoff soll im Transformationsprogramm „Salzgitter Low CO2 Steelmaking“ (SALCOS) zum Einsatz kommen, mit dem die Salzgitter AG ihre Stahlproduktion schrittweise auf eine nahezu klimaneutrale Herstellung umstellen will. Nach Angaben von EWE deckt die vereinbarte Liefermenge rund 6,5 Prozent des Wasserstoffbedarfs des Programms.
Die Lieferung soll über das bis 2032 entstehende und über 9.040 Kilometer lange deutsche Wasserstoff-Kernnetz erfolgen. Dieses Leitungsnetz soll künftig Erzeugungsanlagen, Speicher und industrielle Abnehmer miteinander verbinden und den Transport von Wasserstoff über größere Entfernungen ermöglichen.
Industrie setzt auf langfristige Verträge
Mit dem Vertrag gehen beide Unternehmen eine langfristige wirtschaftliche Verpflichtung ein, obwohl sich der Markt für grünen Wasserstoff in Deutschland noch im Aufbau befindet. Für die Salzgitter AG ist es nach Unternehmensangaben der erste größere Liefervertrag mit einem Wasserstoffproduzenten. Der Wasserstoff soll in einer Direktreduktionsanlage eingesetzt werden. Nach Angaben von Salzgitter lassen sich damit bereits beim Einsatz von Erdgas rund 60 Prozent der CO2-Emissionen gegenüber der herkömmlichen Hochofenroute mit Kohle und Koks vermeiden. Langfristig soll grüner Wasserstoff Erdgas ersetzen. Dabei entsteht statt CO2 Wasser.
Zusätzlich zu den Lieferungen von EWE plant die Salzgitter AG eigene Wasserstoffkapazitäten. Auf dem Werksgelände soll eine Elektrolyseanlage mit 100 MW Leistung entstehen. Dort will das Unternehmen künftig rund 9.000 Tonnen Wasserstoff pro Jahr selbst erzeugen.
EWE baut parallel seine Wasserstoffaktivitäten im Nordwesten Deutschlands aus. Im Rahmen des Projekts „Clean Hydrogen Coastline“ entstehen nach Angaben des Unternehmens Elektrolyse-, Speicher- und Pipelineinfrastrukturen. EWE will dabei die gesamte Wertschöpfungskette von der Erzeugung über die Speicherung bis zur Lieferung an Industriekunden abdecken.
Unternehmen fordern bessere Rahmenbedingungen
Trotz des Vertrags sehen beide Unternehmen weiterhin Hürden für den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft. Sie verweisen insbesondere auf hohe Kosten und regulatorische Vorgaben. Die Lieferung steht unter dem Vorbehalt einer Zertifizierung als Renewable Fuel of Non-Biological Origin (RFNBO). Dafür gelten europäische Vorgaben für die Herstellung von grünem Wasserstoff. Der Strom für die Elektrolyse muss aus zusätzlichen erneuerbaren Anlagen stammen. Außerdem muss die Wasserstoffproduktion zeitlich und regional mit der Erzeugung des Ökostroms verknüpft sein.
Nach Angaben von EWE und Salzgitter können diese Vorgaben die Produktionskosten von grünem Wasserstoff deutlich erhöhen. Beide Unternehmen sprechen sich deshalb für Anpassungen der Regelungen aus. Sie fordern unter anderem längere Übergangsfristen bei den Zusätzlichkeitskriterien sowie mehr Flexibilität bei den Vorgaben für den Strombezug.
Unterstützung erhalten die Projekte von Bund und Land Niedersachsen. Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums fördert der Bund die Wasserstoffproduktion in Emden mit 267 Millionen Euro. Für die Umstellung der Stahlproduktion in Salzgitter stehen 925 Millionen Euro zur Verfügung.
Mittwoch, 10.06.2026, 08:51 Uhr
Davina Spohn
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