Amprion-Zentrale in Dortmund. Quelle: Amprion
Der milliardenschwere Ausbau der Stromnetze erhält neue finanzielle Unterstützung. Eine veränderte Eigentümerstruktur soll Amprions Investitionspläne absichern.
RWE baut seinen Einfluss bei Amprion deutlich aus. Wie beide Unternehmen jetzt mitteilten, übernimmt der Essener Energiekonzern Anteile an der M31 Beteiligungsgesellschaft, dem Mehrheitsgesellschafter von Amprion. Für die zusätzlichen Anteile zahlt RWE nach eigenen Angaben 3,6
Milliarden Euro. An der direkten Gesellschafterstruktur des Übertragungsnetzbetreibers ändert sich dadurch nichts. Die M31 Beteiligungsgesellschaft hält weiterhin 74,9
Prozent der Anteile, die übrigen 25,1 Prozent liegen bei der RWE Alkaios Holding, einem Gemeinschaftsunternehmen von RWE und Apollo Global Management. Durch den Einstieg bei M31 erhöht sich die durchgerechnete Beteiligung von RWE an Amprion von bislang 20 auf 55
Prozent (siehe Grafik).
Im Mittelpunkt der Transaktion steht der Finanzierungsbedarf für den Netzausbau. Die Amprion GmbH mit Sitz in Dortmund (Nordrhein-Westfalen) betreibt als einer von vier deutschen Übertragungsnetzbetreibern ein rund 11.000
Kilometer langes Höchstspannungsnetz in sieben Bundesländern und versorgt darüber etwa 29
Millionen Menschen mit Strom. Amprion plant bis 2030 Investitionen von rund 42
Milliarden Euro und gehört damit zu den Akteuren, die einen wesentlichen Teil des deutschen Übertragungsnetzausbaus umsetzen sollen.
 |
Die Gesellschafter von Amprion (Zum Vergrößern bitte auf die Grafik klicken) Quelle: RWE |
Amprion-Geschäftsführer Christoph Müller wertete den Einstieg von RWE als Vertrauensbeweis in die Strategie des Netzbetreibers. Die Beteiligung unterstütze die Finanzierung der anstehenden Investitionen und das weitere Wachstum von Amprion.
Netzgeschäft wird dritter InvestitionsschwerpunktAuch RWE begründet den Ausbau der Beteiligung mit den langfristigen Perspektiven des Netzgeschäfts. Vorstandschef Markus Krebber erklärte, die Aufstockung ergänze die bestehenden Investitionen in erneuerbare Energien, Batteriespeicher und flexible Erzeugungskapazitäten. Zugleich erweitere RWE sein Portfolio um regulierte Netzinfrastruktur.
Nach Angaben von RWE will der Konzern über seine Beteiligung bis 2031 insgesamt 6,5
Milliarden Euro in den Ausbau der deutschen Übertragungsnetze investieren. Davon entfallen rund 4
Milliarden Euro auf den zusätzlichen Kapitalbedarf infolge der jetzigen Aufstockung. Die bisher vorgesehenen Investitionen von rund 2,5
Milliarden Euro sollen bestehen bleiben.
Zur Finanzierung des Erwerbs hat RWE eigenen Angaben nach eine Kapitalmaßnahme eingeleitet. Der Konzern plant die Ausgabe neuer Aktien sowie den Verkauf eigener Aktien im Umfang von bis zu 10
Prozent des Grundkapitals. Der erwartete Bruttoerlös liegt laut RWE bei rund 4
Milliarden Euro. Als Ankerinvestoren haben die Qatar Investment Authority und Norges Bank Investment Management bereits Interesse an Aktienkäufen im Gesamtwert von rund 1
Milliarde Euro signalisiert.
Nach Angaben von Amprion bleibt die regulatorische Stellung des Netzbetreibers von der Transaktion unberührt. Amprion agiert weiterhin unabhängig nach den gesetzlichen Entflechtungsvorschriften. Auch Marke, Management und Organisationsstruktur bleiben unverändert. RWE rechnet mit dem Abschluss der Transaktion im dritten Quartal 2026. Voraussetzung sind die erforderlichen behördlichen Genehmigungen.
Dienstag, 23.06.2026, 12:48 Uhr
© 2026 Energie & Management GmbH