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Energie & Management > Stromnetz - Rund 3.000 Milliarden kWh für Raumkühlung
Quelle: Shutterstock / Christian Schwier
Stromnetz

Rund 3.000 Milliarden kWh für Raumkühlung

Der weltweite Stromverbrauch zum Betrieb von Klimaanlagen ist seit 2015 um 50 Prozent gestiegen. Der Markt für die Kühlgeräte boomt. Was heißt das für die Stromnetze?
„Klimaanlagen und WM führen zu Stromausfall in Rüsselsheim.“ Oder: „Mehr Hitze, mehr Klimaanlagen – zu wenig Strom?“ Oder, metaphorisch leicht gekrümmt: „Stromnetze in Europa stöhnen unter Hitzewelle.“ In den vergangenen Wochen geriet die Netzinfrastruktur einmal mehr in die Schlagzeilen. Und Experten debattieren jetzt medial über die Frage, ob immer mehr Klimaanlagen sich gut oder schlecht auf die Stabilität von Stromnetzen auswirken. 

Verbraucher indes schaffen längst Fakten. Nach Zahlen der Internationalen Energieagentur (IEA) entwickeln sich Raumkühlgeräte zu einem Treiber der globalen Elektrizitätsnachfrage. Seit 2015 sei der Strombedarf für Raumkühlung weltweit um rund 50 Prozent gestiegen, schreibt die IEA. Demnach liegt er inzwischen bei etwa 2.900 Milliarden kWh pro Jahr – mehr als der gesamte Stromverbrauch der Europäischen Union. Kühlung, so die Organisation weiter, machte rund 14 Prozent des weltweiten Anstiegs der Stromnachfrage seit 2015 aus.

Die IEA-Experten gehen davon aus, dass sich der Trend verstärkt. Gründe seien häufigere und intensivere Hitzewellen, das Klima-Phänomen El-Nino und der steigende Wohlstand in Schwellen- und Entwicklungsländern. Der Absatzmarkt hat noch viel Potenzial. Rund 40 Prozent der Weltbevölkerung verfügen laut IEA über eine Klimaanlage. Dabei wäre der überwiegende Teil der Menschen auf Kühlung angewiesen, heißt es. Mehr als 80 Prozent hätten zumindest zeitweise Kühlbedarf. Mit zunehmender Verbreitung von Klimaanlagen, insbesondere in Asien, Afrika und Lateinamerika, werde der Strombedarf daher weiter deutlich ansteigen.

30 Prozent der Spitzenlast

Ein starker El-Nino-Effekt würde den Verkauf neuer Geräte ankurbeln. In einem Szenario mit regelmäßig starken El-Nino-Ereignissen könnte der Strombedarf für Kühlung bis 2035 um zusätzliche 700 Milliarden kWh steigen, so die IEA. Mehr als 60 Prozent dieses Anstiegs würden auf neu installierte Klimaanlagen entfallen.

Kühlung macht nach der Rechnung der IEA im Jahresdurchschnitt etwa 10 Prozent des Stromverbrauchs aus. Doch Klimaanlagen verursachen etwa 30 Prozent der Spitzenlast – die Geräte laufen vor allem an sehr heißen Tagen gleichzeitig. Die Experten warnen vor einem höheren Risiko von Netzengpässen und Stromausfällen.

Für den Klimaschutz muss das nichts Schlechtes bedeuten. Der wachsende Kühlbedarf führe nicht zwangsläufig zu höheren Treibhausgasemissionen, heißt es weiter. Effizientere Klimaanlagen, strengere Effizienzstandards, intelligente Steuerungssysteme und Lastmanagement könnten den Stromverbrauch deutlich begrenzen. Zudem verweisen die Autoren des IEA-Beitrags auf den Ausbau der erneuerbaren Energien und die zunehmende Energieeffizienz im Gebäudesektor.

Klimaanlage in 23 Prozent der Haushalte

In Deutschland haben nach einer repräsentativen Umfrage im Auftrag von Verivox inzwischen 23 Prozent der Haushalte eine Klimaanlage. Das sind fünf Prozentpunkte mehr als vor einem Jahr, so das Vergleichsportal. Auch die Kaufabsichten haben deutlich zugenommen. 25 Prozent der Haushalte planten die Anschaffung einer Klimaanlage, vor einem Jahr seien es 14 Prozent gewesen.

Ein Umdenken zeigt sich in der Politik. In Nordrhein-Westfalen etwa wurde im Landtag der Forderung nach einem Förderprogramm für Klimaanlagen in Kitas, Schulen, Krankenhäusern und Pflegeheimen laut. „Wir dürfen sie nicht länger als Stromfresser sehen, es sind Lebensretter“, sagte SPD-Fraktionschef Jochen Ott über die Technik.

Der Beitrag „Cooling a hotter world: El Nino meets strong growth in global electricity demand“ steht auf der Internetseite der IEA zur Einsicht bereit. (mf)

Montag, 20.07.2026, 17:08 Uhr
Manfred Fischer
Energie & Management > Stromnetz - Rund 3.000 Milliarden kWh für Raumkühlung
Quelle: Shutterstock / Christian Schwier
Stromnetz
Rund 3.000 Milliarden kWh für Raumkühlung
Der weltweite Stromverbrauch zum Betrieb von Klimaanlagen ist seit 2015 um 50 Prozent gestiegen. Der Markt für die Kühlgeräte boomt. Was heißt das für die Stromnetze?
„Klimaanlagen und WM führen zu Stromausfall in Rüsselsheim.“ Oder: „Mehr Hitze, mehr Klimaanlagen – zu wenig Strom?“ Oder, metaphorisch leicht gekrümmt: „Stromnetze in Europa stöhnen unter Hitzewelle.“ In den vergangenen Wochen geriet die Netzinfrastruktur einmal mehr in die Schlagzeilen. Und Experten debattieren jetzt medial über die Frage, ob immer mehr Klimaanlagen sich gut oder schlecht auf die Stabilität von Stromnetzen auswirken. 

Verbraucher indes schaffen längst Fakten. Nach Zahlen der Internationalen Energieagentur (IEA) entwickeln sich Raumkühlgeräte zu einem Treiber der globalen Elektrizitätsnachfrage. Seit 2015 sei der Strombedarf für Raumkühlung weltweit um rund 50 Prozent gestiegen, schreibt die IEA. Demnach liegt er inzwischen bei etwa 2.900 Milliarden kWh pro Jahr – mehr als der gesamte Stromverbrauch der Europäischen Union. Kühlung, so die Organisation weiter, machte rund 14 Prozent des weltweiten Anstiegs der Stromnachfrage seit 2015 aus.

Die IEA-Experten gehen davon aus, dass sich der Trend verstärkt. Gründe seien häufigere und intensivere Hitzewellen, das Klima-Phänomen El-Nino und der steigende Wohlstand in Schwellen- und Entwicklungsländern. Der Absatzmarkt hat noch viel Potenzial. Rund 40 Prozent der Weltbevölkerung verfügen laut IEA über eine Klimaanlage. Dabei wäre der überwiegende Teil der Menschen auf Kühlung angewiesen, heißt es. Mehr als 80 Prozent hätten zumindest zeitweise Kühlbedarf. Mit zunehmender Verbreitung von Klimaanlagen, insbesondere in Asien, Afrika und Lateinamerika, werde der Strombedarf daher weiter deutlich ansteigen.

30 Prozent der Spitzenlast

Ein starker El-Nino-Effekt würde den Verkauf neuer Geräte ankurbeln. In einem Szenario mit regelmäßig starken El-Nino-Ereignissen könnte der Strombedarf für Kühlung bis 2035 um zusätzliche 700 Milliarden kWh steigen, so die IEA. Mehr als 60 Prozent dieses Anstiegs würden auf neu installierte Klimaanlagen entfallen.

Kühlung macht nach der Rechnung der IEA im Jahresdurchschnitt etwa 10 Prozent des Stromverbrauchs aus. Doch Klimaanlagen verursachen etwa 30 Prozent der Spitzenlast – die Geräte laufen vor allem an sehr heißen Tagen gleichzeitig. Die Experten warnen vor einem höheren Risiko von Netzengpässen und Stromausfällen.

Für den Klimaschutz muss das nichts Schlechtes bedeuten. Der wachsende Kühlbedarf führe nicht zwangsläufig zu höheren Treibhausgasemissionen, heißt es weiter. Effizientere Klimaanlagen, strengere Effizienzstandards, intelligente Steuerungssysteme und Lastmanagement könnten den Stromverbrauch deutlich begrenzen. Zudem verweisen die Autoren des IEA-Beitrags auf den Ausbau der erneuerbaren Energien und die zunehmende Energieeffizienz im Gebäudesektor.

Klimaanlage in 23 Prozent der Haushalte

In Deutschland haben nach einer repräsentativen Umfrage im Auftrag von Verivox inzwischen 23 Prozent der Haushalte eine Klimaanlage. Das sind fünf Prozentpunkte mehr als vor einem Jahr, so das Vergleichsportal. Auch die Kaufabsichten haben deutlich zugenommen. 25 Prozent der Haushalte planten die Anschaffung einer Klimaanlage, vor einem Jahr seien es 14 Prozent gewesen.

Ein Umdenken zeigt sich in der Politik. In Nordrhein-Westfalen etwa wurde im Landtag der Forderung nach einem Förderprogramm für Klimaanlagen in Kitas, Schulen, Krankenhäusern und Pflegeheimen laut. „Wir dürfen sie nicht länger als Stromfresser sehen, es sind Lebensretter“, sagte SPD-Fraktionschef Jochen Ott über die Technik.

Der Beitrag „Cooling a hotter world: El Nino meets strong growth in global electricity demand“ steht auf der Internetseite der IEA zur Einsicht bereit. (mf)

Montag, 20.07.2026, 17:08 Uhr
Manfred Fischer

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