E&M exklusiv Newsletter:
E&M gratis testen:
Energie & Management > Klimaschutz - Regierungsberater befürworten Gebotszonentrennung
Die Expertenkommission (v.l.): Anke Weidlich, Veronika Grimm, Andreas Löschel und Felix Matthes. Quelle: Susanne Harmsen
Klimaschutz

Regierungsberater befürworten Gebotszonentrennung

Die Expertenkommission zum Energiewende-Monitoring hat in Berlin ihren Bericht an das BMWE übergeben. Sie fordert klarere Prioritäten für Strommarkt, Energieträger und Förderpolitik.
Die unabhängige Expertenkommission zum Energiewende-Monitoring hat ihren aktuellen Bericht an Staatssekretär Frank Wetzel im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) übergeben. Die Bundesregierung hatte das Gremium aus vier Energieexpertinnen und Energieexperten im Jahr 2011 eingesetzt.

Auf über 500 Seiten rät die Kommission der Politik drei Handlungsfelder stärker zu priorisieren. Dies seien ein weiterentwickeltes Marktdesign, Strategien für Energieträger wie Wasserstoff und einen konsistenten Rahmen für Fördermaßnahmen.

Die Kommission verweist darauf, dass der Stromsektor bereits mehr als die Hälfte seines Stroms aus erneuerbaren Energien erzeugt. Nach ihrer Einschätzung braucht dieses System Preissignale, die den effizienten Betrieb von Erzeugungsanlagen, Speichern und flexiblen Verbrauchern unterstützen.

Der Kommissionsvorsitzende Andreas Löschel sagte, der Bericht verweise weiterhin auf Herausforderungen bei Versorgungssicherheit, Netzinfrastruktur und Energieeffizienz. Er betont, dass ein stabiler politischer Rahmen nötig sei, um die Energiewende verlässlich zu steuern.

Stoffliche Energieträger sichern

Die Experten sehen zudem großen Bedarf an einer klaren Strategie für stoffliche Energieträger. Beim Wasserstoff gehe es um den weiteren Aufbau von Erzeugung, Infrastruktur und Nachfrage. „Wenn wir den Hochlauf nicht besser organisieren, wird es keine Klimaneutralität geben“, mahnte Felix Matthes. Dagegen werde der Verbrauch von Erdgas und Mineralöl nach ihren Einschätzungen in den kommenden Jahrzehnten deutlich sinken.

Folgen ergeben sich laut Kommission vor allem für die Erdgasinfrastruktur, die nur begrenzt auf Wasserstoff umstellbar ist. Dennoch müsse die Versorgungssicherheit gewährleistet bleiben, etwa durch vielfältige Bezugsquellen und ausreichend gefüllte Speicher. Matthes sagte, Deutschland müsse den Erdgasverbrauch im Rahmen der Klimaziele langfristig auf null senken und dafür eine flexible Strategie entwickeln. Ähnliches gelte für die Mineralölwirtschaft und den Raffineriesektor.

Energie muss bezahlbar bleiben

Ein weiterer Schwerpunkt liegt für die Kommission auf bezahlbarer Energie. Sie hebt hervor, dass stabile Preise für Haushalte und Unternehmen entscheidend seien, um Akzeptanz für die Energiewende zu sichern und Abwanderung energieintensiver Industrien zu vermeiden. Aus Sicht der Experten sollten Maßnahmen, die Systemkosten senken, Vorrang vor staatlich finanzierten Entlastungen haben.

Die Mitglieder der Kommission verweisen zudem auf die Bedeutung von Marktpreisen als zentrales Instrument zur Koordination des Stromsystems. Deutschland verfüge über sehr unterschiedliche Standortbedingungen für die Stromerzeugung, sodass regionale Preisunterschiede wichtige Investitionssignale setzen könnten. Veronika Grimm betont, dass die Politik stärker auf Marktsignale setzen sollte, um Investitionen zu lenken und Fehlanreize zu vermeiden. Dazu zählten ein angepasstes Strommarktdesign und die Bepreisung von Emissionen.
 
Entwicklung des deutschen Stromverbrauchs
(zur Vollansicht bitte auf die Grafik klicken)
Quelle: AG EE Stat 2025

Strompreiszonen trennen?

Beim Ausbau der erneuerbaren Energien sieht die Kommission Fortschritte. Zugleich trete das Stromsystem in eine Phase ein, in der erneuerbare Energien bald zwei Drittel der Stromproduktion ausmachen könnten und weitere Bereiche wie Wärme, Mobilität und Industrie stärker elektrifiziert würden. 

Anke Weidlich unterstrich, dass zusätzliche Anreize für systemdienliche Investitionen nötig seien, um Erzeugungsanlagen, Speicher und flexible Nachfrage besser in das Gesamtsystem einzubinden und damit die Integration der erneuerbaren Energien voranzubringen.

Eine sinnvolle Möglichkeit wäre die Aufspaltung der heute einheitlichen Gebotspreiszone, sagte sie. Damit würden Stromerzeugung und Verbrauch in tatsächlich mit Netzen verbundenen Gebieten besser aufeinander abgestimmt, so Weidlich.

Nach Einschätzung der Kommission sollte die Politik Fördermaßnahmen künftig effizienter und klarer aufeinander abstimmen. Maßnahmen, die aus ihrer Sicht nicht zur Wirksamkeit der Energiewende beitragen oder kontraproduktive Effekte haben, sollten reduziert werden.

Die Mitglieder betonen, dass es für die nächste Phase der Energiewende eine verlässliche und langfristige Orientierung brauche, um Klimaneutralität zu erreichen und gleichzeitig die wirtschaftlichen Auswirkungen für Haushalte und Unternehmen im Blick zu behalten.

Die Expertenkommission zum Energiewendemonitorein besteht aus den drei Professoren Andreas Löschel, Veronika Grimm und Anke Weidlich sowie Felix Matthes.

Der Bericht der Expertenkommission zum Energiewende-Monitoring 2025 steht als PDF zum Download bereit.

Dienstag, 9.12.2025, 15:21 Uhr
Susanne Harmsen
Energie & Management > Klimaschutz - Regierungsberater befürworten Gebotszonentrennung
Die Expertenkommission (v.l.): Anke Weidlich, Veronika Grimm, Andreas Löschel und Felix Matthes. Quelle: Susanne Harmsen
Klimaschutz
Regierungsberater befürworten Gebotszonentrennung
Die Expertenkommission zum Energiewende-Monitoring hat in Berlin ihren Bericht an das BMWE übergeben. Sie fordert klarere Prioritäten für Strommarkt, Energieträger und Förderpolitik.
Die unabhängige Expertenkommission zum Energiewende-Monitoring hat ihren aktuellen Bericht an Staatssekretär Frank Wetzel im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) übergeben. Die Bundesregierung hatte das Gremium aus vier Energieexpertinnen und Energieexperten im Jahr 2011 eingesetzt.

Auf über 500 Seiten rät die Kommission der Politik drei Handlungsfelder stärker zu priorisieren. Dies seien ein weiterentwickeltes Marktdesign, Strategien für Energieträger wie Wasserstoff und einen konsistenten Rahmen für Fördermaßnahmen.

Die Kommission verweist darauf, dass der Stromsektor bereits mehr als die Hälfte seines Stroms aus erneuerbaren Energien erzeugt. Nach ihrer Einschätzung braucht dieses System Preissignale, die den effizienten Betrieb von Erzeugungsanlagen, Speichern und flexiblen Verbrauchern unterstützen.

Der Kommissionsvorsitzende Andreas Löschel sagte, der Bericht verweise weiterhin auf Herausforderungen bei Versorgungssicherheit, Netzinfrastruktur und Energieeffizienz. Er betont, dass ein stabiler politischer Rahmen nötig sei, um die Energiewende verlässlich zu steuern.

Stoffliche Energieträger sichern

Die Experten sehen zudem großen Bedarf an einer klaren Strategie für stoffliche Energieträger. Beim Wasserstoff gehe es um den weiteren Aufbau von Erzeugung, Infrastruktur und Nachfrage. „Wenn wir den Hochlauf nicht besser organisieren, wird es keine Klimaneutralität geben“, mahnte Felix Matthes. Dagegen werde der Verbrauch von Erdgas und Mineralöl nach ihren Einschätzungen in den kommenden Jahrzehnten deutlich sinken.

Folgen ergeben sich laut Kommission vor allem für die Erdgasinfrastruktur, die nur begrenzt auf Wasserstoff umstellbar ist. Dennoch müsse die Versorgungssicherheit gewährleistet bleiben, etwa durch vielfältige Bezugsquellen und ausreichend gefüllte Speicher. Matthes sagte, Deutschland müsse den Erdgasverbrauch im Rahmen der Klimaziele langfristig auf null senken und dafür eine flexible Strategie entwickeln. Ähnliches gelte für die Mineralölwirtschaft und den Raffineriesektor.

Energie muss bezahlbar bleiben

Ein weiterer Schwerpunkt liegt für die Kommission auf bezahlbarer Energie. Sie hebt hervor, dass stabile Preise für Haushalte und Unternehmen entscheidend seien, um Akzeptanz für die Energiewende zu sichern und Abwanderung energieintensiver Industrien zu vermeiden. Aus Sicht der Experten sollten Maßnahmen, die Systemkosten senken, Vorrang vor staatlich finanzierten Entlastungen haben.

Die Mitglieder der Kommission verweisen zudem auf die Bedeutung von Marktpreisen als zentrales Instrument zur Koordination des Stromsystems. Deutschland verfüge über sehr unterschiedliche Standortbedingungen für die Stromerzeugung, sodass regionale Preisunterschiede wichtige Investitionssignale setzen könnten. Veronika Grimm betont, dass die Politik stärker auf Marktsignale setzen sollte, um Investitionen zu lenken und Fehlanreize zu vermeiden. Dazu zählten ein angepasstes Strommarktdesign und die Bepreisung von Emissionen.
 
Entwicklung des deutschen Stromverbrauchs
(zur Vollansicht bitte auf die Grafik klicken)
Quelle: AG EE Stat 2025

Strompreiszonen trennen?

Beim Ausbau der erneuerbaren Energien sieht die Kommission Fortschritte. Zugleich trete das Stromsystem in eine Phase ein, in der erneuerbare Energien bald zwei Drittel der Stromproduktion ausmachen könnten und weitere Bereiche wie Wärme, Mobilität und Industrie stärker elektrifiziert würden. 

Anke Weidlich unterstrich, dass zusätzliche Anreize für systemdienliche Investitionen nötig seien, um Erzeugungsanlagen, Speicher und flexible Nachfrage besser in das Gesamtsystem einzubinden und damit die Integration der erneuerbaren Energien voranzubringen.

Eine sinnvolle Möglichkeit wäre die Aufspaltung der heute einheitlichen Gebotspreiszone, sagte sie. Damit würden Stromerzeugung und Verbrauch in tatsächlich mit Netzen verbundenen Gebieten besser aufeinander abgestimmt, so Weidlich.

Nach Einschätzung der Kommission sollte die Politik Fördermaßnahmen künftig effizienter und klarer aufeinander abstimmen. Maßnahmen, die aus ihrer Sicht nicht zur Wirksamkeit der Energiewende beitragen oder kontraproduktive Effekte haben, sollten reduziert werden.

Die Mitglieder betonen, dass es für die nächste Phase der Energiewende eine verlässliche und langfristige Orientierung brauche, um Klimaneutralität zu erreichen und gleichzeitig die wirtschaftlichen Auswirkungen für Haushalte und Unternehmen im Blick zu behalten.

Die Expertenkommission zum Energiewendemonitorein besteht aus den drei Professoren Andreas Löschel, Veronika Grimm und Anke Weidlich sowie Felix Matthes.

Der Bericht der Expertenkommission zum Energiewende-Monitoring 2025 steht als PDF zum Download bereit.

Dienstag, 9.12.2025, 15:21 Uhr
Susanne Harmsen

Haben Sie Interesse an Content oder Mehrfachzugängen für Ihr Unternehmen?

Sprechen Sie uns an, wenn Sie Fragen zur Nutzung von E&M-Inhalten oder den verschiedenen Abonnement-Paketen haben.
Das E&M-Vertriebsteam freut sich unter Tel. 08152 / 93 11-77 oder unter vertrieb@energie-und-management.de über Ihre Anfrage.