Das Landratsamt Passau erlaubt den sofortigen Baubeginn für das 300-MW-Pumpspeicherkraftwerk des Verbunds an der Donau.
Das zuständige Landratsamt Passau hat den Sofortvollzug des Planfeststellungsbeschlusses für das Pumpspeicherkraftwerk „Riedl“ angeordnet. Damit entfalle die aufschiebende Wirkung der anhängigen Klagen, sodass der Bau des Pumpspeicherkraftwerks trotz der laufenden Gerichtsverfahren beginnen könne.
Das teilte der österreichische Energiekonzern Verbund mit, der im bayerischen Teil der Donau die Anlage mit Oberbecken errichten will. Die Entscheidung ermöglicht dem Projektträger, der Donaukraftwerk Jochenstein AG, einer Tochtergesellschaft des Verbunds, den Baustart.
Nach Angaben des Landratsamts, so der Verbund, besteht ein besonderes öffentliches Interesse an der sofortigen Vollziehung. Der Energiespeicher sei von der Europäischen Union als Projekt von gemeinschaftlichem Interesse (Project of Common Interest, PCI) eingestuft und trage zur Integration erneuerbarer Energien bei.
Verbund: Starkes Signal für VersorgungssicherheitDer Verbund wertete die Entscheidung als wichtigen Schritt für die Energiewende in Deutschland. Konzernchef Michael Strugl sagte: „Die sofortige Vollziehbarkeit des Planfeststellungsbeschlusses ist ein starkes Signal für Versorgungssicherheit, Netzstabilität und die Energietransformation in Bayern und Österreich.“
Die Entscheidung bewahre das Projekt vor jahrelangen Verzögerungen und verschaffe ihm „drei bis fünf entscheidende Jahre“ angesichts des schnellen Ausbaus von Windkraft und Photovoltaik.
Der Energiespeicher Riedl soll eine Leistung von 300
MW erreichen und 3,5
Millionen kWh Strom speichern können. Überschüssiger Strom aus Wind- und Solaranlagen soll zum Hochpumpen von Wasser in ein Oberbecken genutzt und bei Bedarf innerhalb weniger Minuten wieder ins Netz eingespeist werden.
Das Oberbecken entsteht bei Gottsdorf in der Gemeinde Untergriesbach, die Kraftstation am Donaukraftwerk Jochenstein. Als Unterbecken dienen die Stauräume Jochenstein und Aschach. Das Speicherbecken soll ein Volumen von 4,2
Millionen Kubikmetern Wasser aufnehmen und eine Fläche von 24
Hektar umfassen.
Nach Angaben von Verbund beginnen bereits im Sommer 2026 ökologische Monitorings sowie Ausschreibungen für wesentliche Anlagenteile und Modellversuche. Die ersten Bauarbeiten vor Ort sind für den Winter 2026/2027 vorgesehen. Die Inbetriebnahme ist nach bisherigen Planungen für 2031/2032 vorgesehen. Das Investitionsvolumen beträgt mehr als 400
Millionen Euro.
Klagen bleiben davon unberührtDie Klagen gegen den Planfeststellungsbeschluss bleiben davon unberührt. Über sie wird der Bayerische Verwaltungsgerichtshof entscheiden. Die Kläger können zudem beantragen, die aufschiebende Wirkung ihrer Klagen gerichtlich wiederherzustellen. Bis zu einer anderslautenden gerichtlichen Entscheidung darf das Projekt jedoch weiter umgesetzt werden.
Der Verbund zeigt sich überzeugt, dass das Genehmigungsverfahren rechtssicher durchgeführt wurde. „Im aufwändigen Planfeststellungsverfahren wurden alle naturschutzfachlichen Bedenken sehr ernst genommen. Allen Einwendungen wurde im Projekt Rechnung getragen“, erklärte Strugl.
Gegen das Vorhaben hatte unter anderem der Bund Naturschutz in Bayern geklagt. Der Verband befürchtet erhebliche Eingriffe in ein europäisch geschütztes Fauna-Flora-Habitat-Gebiet sowie negative Auswirkungen auf Tier- und Pflanzenarten. Das Gericht wird nun im Rahmen einer Interessenabwägung prüfen, ob das öffentliche Interesse am sofortigen Vollzug oder das Aussetzungsinteresse der Kläger überwiegt.
Freitag, 3.07.2026, 14:28 Uhr
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