Beim Finanzierungsgipfel in Berlin forderten BDEW und VKU bessere Rahmenbedingungen, um jährlich rund 90 Milliarden Euro für die Energiewende zu mobilisieren.
Damit Deutschland beim Ausbau von Netzen und Erzeugungsanlagen vorankommt, sind laut Branchenvertretern bis 2030 jährlich Investitionen von rund 90 Milliarden Euro erforderlich. Wie sich dieses Kapital mobilisieren lässt, diskutierten Vertreter aus Politik, Finanzwirtschaft und Energiebranche beim gemeinsamen Finanzierungsgipfel der Energieverbände BDEW und VKU am 17. März in Berlin. Die Veranstaltung fand in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsberatung Deloitte statt.
Steffen Meyer, Staatssekretär im Bundesministerium der Finanzen, verwies auf den geplanten Deutschlandfonds. Dieser solle zusätzliche Mittel mobilisieren und mehr als 100 Milliarden Euro Kapital aus weiteren Quellen einwerben. Institutionelle Investoren, insbesondere aus dem Ausland, zeigten laut Meyer Interesse am deutschen Energiemarkt. Allerdings seien viele Stadtwerke zu klein, um für große Fonds attraktiv zu sein. Meyer schlug vor, Verbünde zu schaffen, um größere Investitionsvolumina zu bündeln. Besonders Netzinfrastrukturen mit vergleichsweise stabilen Renditen gelten demnach als interessant für Investoren.
Das Ministerium prüfe die Einrichtung eines „Private Investor Pools“. Dieser soll laut Meyer eine Plattform schaffen, um Kapitalgeber mit Stadtwerken und anderen Energieunternehmen zusammenzubringen. Der Deutschlandfonds könnte dabei Sicherheiten bereitstellen. Parallel arbeite die Bundesregierung an regulatorischen Grundlagen, etwa mit dem Netzpaket, der Kraftwerksstrategie und einem Kapazitätsmarkt, um Investitionssicherheit zu erhöhen.
Kommunen stärken für StadtwerkeMartin Blessing, Sonderbeauftragter des Bundeskanzlers für Investitionen, betonte die Bedeutung klarer Rahmenbedingungen. Investoren benötigten Vertrauen in kommunale Unternehmen. Dieses entstehe speziell dann, wenn Kommunen hinter ihren Stadtwerken stehen. Gleichzeitig hätten Unternehmen in finanzschwachen Kommunen größere Schwierigkeiten, Fremdkapital zu erhalten. Beteiligungen externer Geldgeber seien oft keine Option. Blessing schlug vor, alternative Sicherheiten zu schaffen, etwa durch Bürgschaften von Ländern oder Bund, um Risikoaufschläge zu senken.
Aus Sicht der Finanzbranche sieht der Bundesverband deutscher Banken bereits eine Entwicklung. Geschäftsführungsmitglied Miye Kohlhase erklärte, die Investitionen in Energieunternehmen seien zuletzt um 14 Prozent gestiegen. Gleichzeitig seien Transformationsfinanzierungen komplexer als klassische Kredite. Gründe seien längere Amortisationszeiten, neue Technologien und unsichere Absatzmärkte, etwa im Wasserstoffbereich. Solche Projekte benötigten zusätzliche Absicherungen, etwa durch Bürgschaften oder spezielle Versicherungsmodelle. Voraussetzung bleibe jedoch ein tragfähiges Geschäftsmodell.
Politik soll klare Rahmen schaffenStefan Dohler, Vorstandsvorsitzender des Energieunternehmens EWE, forderte von der Politik mehr Verlässlichkeit. Regulatorische Änderungen könnten zusätzliche Risiken schaffen und Investitionen verteuern. Als Beispiel nannte Dohler die Diskussion um die Einbindung von Biogas in gesetzliche Regelungen, die Auswirkungen auf die Zukunft der Gasnetze haben könnte. Solche Unsicherheiten könnten zu steigenden Kosten führen.
Zudem sei die Förderung der Wärmewende widersprüchlich. Im gleichen Ortsgebiet gebe es aktuell Förderung für individuelle Wärmepumpen und ein Wärmenetz. Dieses werde aber teurer und amortisiere sich schlechter, je weniger Teilnehmende sich anschließen, kritisierte Dohler.
 |
(von rechts nach links) Stefan Dohler (BDEW), Steffen Meyer (BMF), Miye Kohlhase (Bankenverband) und Martin Blessing (Beauftragter der Bundesregierung für Investitionen) Quelle: Susanne Harmsen |
Für Investitionen in Offshore-Windenergie und Wasserstoff seien stabile Rahmenbedingungen entscheidend, um die Kreditwürdigkeit zu sichern, so Dohler. Finanzierungsinstrumente wie Power Purchase Agreements (PPA) oder Differenzverträge (CfD) könnten helfen, benötigten jedoch zusätzliche Absicherungen gegen Liefer- oder Abnahmerisiken.
Wasserstoffmarkt befördernStaatssekretär Meyer verwies in diesem Zusammenhang auf das Amortisationskonto zur Finanzierung des Wasserstoffkernnetzes. Zudem führe die Bundesregierung Gespräche mit der Europäischen Union, um regulatorische Vorgaben für erneuerbaren Wasserstoff anzupassen und den Markthochlauf zu erleichtern. Programme wie H2Global sollen den internationalen Handel unterstützen.
Hans-Jürgen Walter, Global Leader Sustainable Finance bei Deloitte, plädierte für einen grundlegenden Perspektivwechsel. Der Staat solle stärker als Mobilisierer privaten Kapitals agieren. Kleinere Energieunternehmen seien auf neue Finanzierungsmodelle angewiesen, da ihre Eigenmittel begrenzt und der Zugang zu Kapitalmärkten eingeschränkt sei. Partnerschaften und maßgeschneiderte Lösungen seien daher zentral, um die notwendigen Investitionen umzusetzen.
Dienstag, 17.03.2026, 14:59 Uhr
© 2026 Energie & Management GmbH