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Eine Analyse der Klimaneutralitätspläne von 103 Städten zeigt: Sie planen etwa ein Fünftel ihrer Emissionen durch CO2-Entnahme auszugleichen. Die Umsetzung ist aber oft unklar.
Eine Analyse der Klimaneutralitätspläne von 103 europäischen Städten zeigt eine erhebliche Abhängigkeit von künftigen CO2-Entnahmen. Die untersuchten Kommunen wollen bis 2030 im Mittel rund ein Fünftel ihrer Emissionen durch die Entnahme von Kohlendioxid aus der Atmosphäre ausgleichen. Dafür wären rund 61 Millionen Tonnen CO2 erforderlich. Nach Angaben der Studienautoren entspricht dies annähernd den jährlichen Treibhausgasemissionen Österreichs.
Die Untersuchung erschien am 14. August in „Nature Climate Change“. Sie entstand unter Leitung der Gemeinsamen Forschungsstelle der Europäischen Kommission mit Beteiligung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK).
Der Großteil der verbleibenden städtischen Emissionen entfällt demnach auf Energie und Verkehr – im Median 50 beziehungsweise 31 Prozent –, obwohl Emissionen in beiden Sektoren als vergleichsweise gut vermeidbar gelten. Dies weckt laut den Autorinnen und Autoren Zweifel an der Wirksamkeit der Strategien. Sie weisen darauf hin, dass Städte vor allem auf schnelle und günstige Lösungen setzen könnten, statt ihre Energie- und Verkehrssysteme grundlegend zu verändern.
„Die untersuchten Städte haben sich sehr ehrgeizige Klimaziele gesetzt. Das ist begrüßenswert und sollte anderen als Vorbild dienen. Doch oft bleibt unklar, wo genau Restemissionen entstehen werden. Möglicherweise wurde auch nicht ausreichend geprüft, wie sich diese Emissionen von Anfang an vermeiden ließen“, sagt PIK-Forscherin und Mitautorin der Studie Quirina Rodriguez Mendez.
Entnahmekapazitäten decken nur einen Teil des Bedarfs
Nach den derzeit in den Plänen ausgewiesenen Kapazitäten könnten die Städte lediglich 18 Prozent ihrer gesamten Restemissionen durch konkret hinterlegte CO2-Entnahmen ausgleichen. Damit besteht eine Lücke zwischen den für Klimaneutralität angesetzten Entnahmemengen und den bislang absehbaren Kapazitäten. Hinzu kommt, dass die Pläne häufig weder den Zeitpunkt noch den Umfang der künftig verfügbaren Entnahmeverfahren festlegen.
Rodriguez Mendez fordert deshalb eine nachvollziehbare Bilanzierung. Entscheidend sei, dass die vorgesehenen CO2-Entnahmen tatsächlich stattfinden und transparent erfasst werden. Rechnerische Annahmen allein könnten die Restemissionen nicht kompensieren.
Bei den vorgesehenen Technologien dominieren Vegetation und andere landbasierte Methoden. Hier sehen die Forschenden mehrere Zielkonflikte. Zum einen bleibt offen, wie dauerhaft das auf diese Weise gebundene CO2 gespeichert werden kann. Zum anderen konkurrieren entsprechende Flächen im städtischen Raum mit anderen Nutzungen, darunter Wohnungsbau, Gesundheitsversorgung und Energieinfrastruktur. Die untersuchten Klimapläne quantifizieren zudem nur unzureichend, welche Flächen tatsächlich für CO2-Entnahmen zur Verfügung stehen.
Dauerhafte technische oder geochemische Verfahren spielen bislang eine kleinere Rolle. Nur 32 Prozent der untersuchten Pläne nennen entsprechende Optionen. Bioenergie mit CO2-Abscheidung und -Speicherung kommt in 27 Prozent der Pläne vor. Pflanzenkohle nennen 13 Prozent, die direkte CO2-Entnahme aus der Umgebungsluft mit anschließender Speicherung 7 Prozent.
CO2-Zertifikate bleiben Teil der Strategien
Auch CO2-Zertifikate finden sich in den kommunalen Strategien. 40 Prozent der untersuchten Städte berücksichtigen sie in ihren Plänen. Häufig legen die Dokumente jedoch nicht fest, in welchem Umfang und nach welchen Kriterien die Kommunen Zertifikate einsetzen wollen. Nach Angaben der Forschenden betrachten viele Städte solche Instrumente als letzte Option und äußern zugleich Vorbehalte gegenüber ihrer Nutzung.
Für die langfristige Klimaneutralität schlagen die Forschenden unter anderem vor, zunächst eingesetzte, weniger dauerhafte CO2-Entnahmen schrittweise durch Verfahren mit langfristiger Speicherung zu ergänzen. Damit verschiebt sich ein Teil der Aufgabe von der kommunalen auf die nationale und europäische Ebene.
Dauerhafte CO2-Entnahmen benötigen nach Einschätzung der Autoren regulatorische Vorgaben, Infrastruktur und Förderinstrumente. Städte könnten diese Voraussetzungen nur begrenzt selbst schaffen. Insbesondere bei Verfahren mit CO2-Transport und geologischer Speicherung hängt die Umsetzung von überregionalen Wertschöpfungs- und Infrastrukturen ab.
Die neue Untersuchung zeigt jedoch, dass die Definition und Behandlung von Restemissionen zu einem zentralen Punkt dieser Strategien wird. Je höher die für 2030 angesetzten Restemissionen ausfallen, desto stärker hängt das Erreichen der kommunalen Klimaziele von CO2-Entnahmen ab. (hr)
Freitag, 14.08.2026, 14:39 Uhr
Heidi Roider
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