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Energie & Management > Stromnetz - Netzanschluss als Standortfaktor
Quelle: Fotolia / Miredi
Stromnetz

Netzanschluss als Standortfaktor

Eine Studie im Auftrag der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft empfiehlt einen systemischen Blick auf den Bedarf an Netzanschlüssen.
Die Transformation des Energiesystems bringt einen zunehmenden Bedarf an leistungsfähigen und verlässlichen Netzanschlüssen mit sich. „Was früher als technische Detailfrage galt, ist heute eine strategische Standortfrage für Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit“, erklärt Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (VBW). Deshalb hat die Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE) in München im Auftrag der VBW mit der Studie „Netzanschlüsse als Schlüsselfaktor für Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz“ untersucht, welche Auswirkungen die zunehmende Elektrifizierung in der Industrie sowie schnell wachsende Bereiche, wie Rechenzentren, Elektrolyse, Verkehr und Großbatterien auf die Netze haben. Ihre Erkenntnis: Die Dynamik führt zu einer immer intensiveren Konkurrenz um Netzanschlüsse. Daher brauche es einen systemischen Blick auf die gleichzeitige Nachfrage verschiedener Nutzergruppen sowie auf die Wechselwirkungen zwischen Netzausbau, Regulierung und Anschlussprozessen, betont Brossardt.

Um mittel- bis langfristig Engpässe aufzulösen, sei eine weitere Beschleunigung des Netzausbaus unabdingbar, schreiben die Forschenden. Aber es sei auch notwendig, die Prozesse rund um die Anschlussbegehren zu überarbeiten. So müssten Anschlussbegehren transparenter koordiniert und priorisiert werden, damit knappe Kapazitäten dort ankommen, wo sie wirtschaftlich und systemisch am dringendsten benötigt werden, fordert Brossardt.

In ihrer Analyse zeigen die Forschenden der FfE, dass die Knappheit von Netzanschlüssen ein sektorübergreifendes Problem darstellt. Gleichzeitige Anschlussbegehren, unterschiedliche Planungshorizonte und unklare Informationslagen kommen erschwerend hinzu.

Kooperationsforen als Lösungsansatz

Nach Überzeugung der Wissenschaftler sind Kooperationsforen ein vielversprechender Lösungsansatz. Das Kooperationsforum Großbatteriespeicher, zu dem im Februar dieses Jahres auch ein Diskussionspapier erschienen ist, habe bereits gezeigt, wie Branchenakteure, Netzbetreiber, Behörden und die Politik lösungsorientiert und erfolgreich zusammenarbeiten können. Bausteine für ein zukunftsfähiges Netzanschlussverfahren, flexible Netzanschlussvereinbarungen, die Ausgestaltung von Speichernetzentgelten sowie Co-Location als Ansatz zur effizienten Nutzung knapper Netzanschlüsse sind die Handlungsfelder, über die sich ausgetauscht haben. Die Ausweitung dieser FfE-Initiative auf Foren zur Elektrifizierung der Industrie, zur Logistik, zu Rechenzentren und zur Elektrolyse sei nun der nächste Schritt.

Am Ende jedes Forums sollen dann Praxisleitfäden und Diskussionspapier die Problemstellungen beschreiben und Lösungsoptionen aufzeigen. Es müsse deutlich werden, welche diskutierten oder neu entwickelten Maßnahmen geeignet und erforderlich seien, um den berechtigten Anliegen aller Sektoren ausreichend Rechnung zu tragen.

Im Logistik-Segment könnte eine gemeinsame Depot-Ladeinfrastruktur mehrerer Speditionen den Bedarf an Netzanschlüssen reduzieren. Gleichzeitig könnten Logistikunternehmen zeitversetzt Netzanschlussleistungen mit anderen Branchen teilen. Dabei gelte es natürlich den Zielkonflikt zwischen Planbarkeit und Wirtschaftlichkeit sowie Randbedingungen, wie etwa Lenk- und Ruhezeiten, zu beachten. Einsatzprofile, Schichtmodelle, Fahrzeugklassen oder Tourenlängen werden so zu Parametern eines Optimierungsmodells.

Der Bedarf an Netzanschlüssen wird außerdem stark von der steigenden Zahl an Rechenzentren getrieben. Vor diesem Hintergrund weisen die Autoren der Studie darauf hin, dass jedoch nicht nur die sichere Stromversorgung für die Standortwahl entscheidend ist, sondern auch die Nähe zu Internetknoten. Die daraus entstehende Cluster-Bildung führe zu punktuellen Anforderungen an das Stromnetz, die es zu berücksichtigen gelte. Dennoch dürfe man nicht nur die reine elektrische Last betrachten. Denn als integraler Bestandteil des Energiesystems können Rechenzentren auch Flexibilitäten für das Netz bereitstellen und ihre Abwärme beispielsweise in Nahwärmenetze einspeisen.

Schließlich nimmt die FfE noch den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft mit wachsenden Elektrolysekapazitäten unter die Lupe. Auch hier gibt es nach Überzeugung der Forschenden die Möglichkeit, die Wirtschaftlichkeit der Wasserstofferzeugung zu steigern und mit netzdienlichen Maßnahmen zu kombinieren. So senke die Nutzung von Überschussstrom nach §13k EnWG zur Produktion von grünem Wasserstoff nicht nur die Gestehungskosten, sondern stelle auch eine netzdienliche Verwendung der Stromerzeugung dar.

Für VBW-Hauptgeschäftsführer Brossardt ist letztendlich klar: „Die Kooperationsforen können einen wichtigen Input für die vom Bundeswirtschaftsministerium zu Recht angestoßenen Anpassungen beim Netzzugang liefern.“

Dienstag, 24.03.2026, 16:53 Uhr
Fritz Wilhelm
Energie & Management > Stromnetz - Netzanschluss als Standortfaktor
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Netzanschluss als Standortfaktor
Eine Studie im Auftrag der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft empfiehlt einen systemischen Blick auf den Bedarf an Netzanschlüssen.
Die Transformation des Energiesystems bringt einen zunehmenden Bedarf an leistungsfähigen und verlässlichen Netzanschlüssen mit sich. „Was früher als technische Detailfrage galt, ist heute eine strategische Standortfrage für Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit“, erklärt Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (VBW). Deshalb hat die Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE) in München im Auftrag der VBW mit der Studie „Netzanschlüsse als Schlüsselfaktor für Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz“ untersucht, welche Auswirkungen die zunehmende Elektrifizierung in der Industrie sowie schnell wachsende Bereiche, wie Rechenzentren, Elektrolyse, Verkehr und Großbatterien auf die Netze haben. Ihre Erkenntnis: Die Dynamik führt zu einer immer intensiveren Konkurrenz um Netzanschlüsse. Daher brauche es einen systemischen Blick auf die gleichzeitige Nachfrage verschiedener Nutzergruppen sowie auf die Wechselwirkungen zwischen Netzausbau, Regulierung und Anschlussprozessen, betont Brossardt.

Um mittel- bis langfristig Engpässe aufzulösen, sei eine weitere Beschleunigung des Netzausbaus unabdingbar, schreiben die Forschenden. Aber es sei auch notwendig, die Prozesse rund um die Anschlussbegehren zu überarbeiten. So müssten Anschlussbegehren transparenter koordiniert und priorisiert werden, damit knappe Kapazitäten dort ankommen, wo sie wirtschaftlich und systemisch am dringendsten benötigt werden, fordert Brossardt.

In ihrer Analyse zeigen die Forschenden der FfE, dass die Knappheit von Netzanschlüssen ein sektorübergreifendes Problem darstellt. Gleichzeitige Anschlussbegehren, unterschiedliche Planungshorizonte und unklare Informationslagen kommen erschwerend hinzu.

Kooperationsforen als Lösungsansatz

Nach Überzeugung der Wissenschaftler sind Kooperationsforen ein vielversprechender Lösungsansatz. Das Kooperationsforum Großbatteriespeicher, zu dem im Februar dieses Jahres auch ein Diskussionspapier erschienen ist, habe bereits gezeigt, wie Branchenakteure, Netzbetreiber, Behörden und die Politik lösungsorientiert und erfolgreich zusammenarbeiten können. Bausteine für ein zukunftsfähiges Netzanschlussverfahren, flexible Netzanschlussvereinbarungen, die Ausgestaltung von Speichernetzentgelten sowie Co-Location als Ansatz zur effizienten Nutzung knapper Netzanschlüsse sind die Handlungsfelder, über die sich ausgetauscht haben. Die Ausweitung dieser FfE-Initiative auf Foren zur Elektrifizierung der Industrie, zur Logistik, zu Rechenzentren und zur Elektrolyse sei nun der nächste Schritt.

Am Ende jedes Forums sollen dann Praxisleitfäden und Diskussionspapier die Problemstellungen beschreiben und Lösungsoptionen aufzeigen. Es müsse deutlich werden, welche diskutierten oder neu entwickelten Maßnahmen geeignet und erforderlich seien, um den berechtigten Anliegen aller Sektoren ausreichend Rechnung zu tragen.

Im Logistik-Segment könnte eine gemeinsame Depot-Ladeinfrastruktur mehrerer Speditionen den Bedarf an Netzanschlüssen reduzieren. Gleichzeitig könnten Logistikunternehmen zeitversetzt Netzanschlussleistungen mit anderen Branchen teilen. Dabei gelte es natürlich den Zielkonflikt zwischen Planbarkeit und Wirtschaftlichkeit sowie Randbedingungen, wie etwa Lenk- und Ruhezeiten, zu beachten. Einsatzprofile, Schichtmodelle, Fahrzeugklassen oder Tourenlängen werden so zu Parametern eines Optimierungsmodells.

Der Bedarf an Netzanschlüssen wird außerdem stark von der steigenden Zahl an Rechenzentren getrieben. Vor diesem Hintergrund weisen die Autoren der Studie darauf hin, dass jedoch nicht nur die sichere Stromversorgung für die Standortwahl entscheidend ist, sondern auch die Nähe zu Internetknoten. Die daraus entstehende Cluster-Bildung führe zu punktuellen Anforderungen an das Stromnetz, die es zu berücksichtigen gelte. Dennoch dürfe man nicht nur die reine elektrische Last betrachten. Denn als integraler Bestandteil des Energiesystems können Rechenzentren auch Flexibilitäten für das Netz bereitstellen und ihre Abwärme beispielsweise in Nahwärmenetze einspeisen.

Schließlich nimmt die FfE noch den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft mit wachsenden Elektrolysekapazitäten unter die Lupe. Auch hier gibt es nach Überzeugung der Forschenden die Möglichkeit, die Wirtschaftlichkeit der Wasserstofferzeugung zu steigern und mit netzdienlichen Maßnahmen zu kombinieren. So senke die Nutzung von Überschussstrom nach §13k EnWG zur Produktion von grünem Wasserstoff nicht nur die Gestehungskosten, sondern stelle auch eine netzdienliche Verwendung der Stromerzeugung dar.

Für VBW-Hauptgeschäftsführer Brossardt ist letztendlich klar: „Die Kooperationsforen können einen wichtigen Input für die vom Bundeswirtschaftsministerium zu Recht angestoßenen Anpassungen beim Netzzugang liefern.“

Dienstag, 24.03.2026, 16:53 Uhr
Fritz Wilhelm

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