Kaltwasserleitungen. Quelle: Wien Energie
Der Energieversorger Wien Energie verzeichnete aufgrund des heißen Sommers bei der Fernkälte Zuwachsraten im zweistelligen Bereich.
Kühle war in diesem Sommer in der österreichischen Hauptstadt begehrt. In den heißen Monaten setzte der örtliche Energieversorger Wien Energie rund 20 Prozent mehr Fernkälte ab als im Vorjahr. Der Bedarf habe damit über dem bisherigen Höchstwert aus dem Jahr 2024 gelegen, teilt das Unternehmen mit.
Auch in Wien waren die Temperaturen im Sommer hoch; Anfang August kletterte das Thermometer auf mehr als 40 Grad. Das hatte Auswirkungen auf die Kälteversorgung: „Steigt die Außentemperatur auf 35 Grad, liegt der Fernkälte-Bedarf um rund 60 Prozent höher als an einem Sommertag mit 25 Grad“, heißt es vom Versorger.
Das Fernkältenetz in Wien hat aktuell eine Länge von 33 Kilometern. Rund 300 Gebäude werden versorgt. Zu den Abnehmern gehören unter anderem das Allgemeine Krankenhaus Wien, die Universität, das Rathaus, Hotels, Gastronomiebetriebe sowie die Staatsoper und das Theaterhaus Ronacher.
Die installierte Kälteleistung beträgt derzeit 250 MW. Bis 2030 will Wien Energie diese auf 370 MW erhöhen. Dafür sind Investitionen von rund 100 Millionen Euro vorgesehen. Ausgebaut wurde in diesem Jahr unter anderem die Kältezentrale im Gewerbehof Seestadt. Dort verdoppelte der Versorger die Leistung von 180 auf 360 kW. Die zusätzliche Kapazität steht den ansässigen Gewerbebetrieben zur Verfügung.
Technisch basiert die Fernkälte auf einem geschlossenen Kaltwasserkreislauf. In den Kältezentralen wird Wasser abgekühlt und über unterirdische Leitungen zu den angeschlossenen Gebäuden transportiert. Über Wärmetauscher nimmt das Wasser dort Wärme aus den gebäudeseitigen Kühlsystemen auf. Anschließend fließt das erwärmte Wasser zur Kältezentrale zurück und wird erneut heruntergekühlt.
Die Kälteerzeugung erfolgt unter anderem mit elektrisch betriebenen Kältemaschinen. Zusätzlich kann Abwärme aus der Müllverbrennung genutzt werden. Diese steht auch im Sommer zur Verfügung, wenn der Wärmebedarf des Fernwärmesystems niedriger ist. Für die Rückkühlung nutzt Wien Energie an geeigneten Standorten Wasser aus dem Donaukanal. Dabei wird die aus den Gebäuden abgeführte Wärme über Wärmetauscher an das Flusswasser übertragen.
Gegenüber dezentralen Klimaanlagen verlagert das System die Rückkühlung aus den einzelnen Gebäuden in zentrale Anlagen. Rückkühler auf Dächern oder an Fassaden können damit entfallen. Das reduziert dort den Platzbedarf und die Geräuschentwicklung. Und: „Das System hat gegenüber konventionellen Klimaanlagen den Vorteil, dass die Abwärme nicht an die Umgebungsluft abgegeben wird. Dadurch heizen mit Fernkälte versorgte Gebäude die umliegende Stadt nicht weiter auf.“
Wien Energie baut das System seit 20 Jahren aus. „2006 wurde der erste Liefervertrag geschlossen, 2007 nahm die erste Fernkältezentrale den Betrieb auf.“ Inzwischen betreibt das Unternehmen acht Kältezentralen, die an das Fernkältenetz angeschlossen sind. Hinzu kommen 17 dezentrale Anlagen, die einzelne Gebäude oder Gebäudekomplexe versorgen. (sag)
Freitag, 25.09.2026, 15:25 Uhr
Stefan Sagmeister
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