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Wegen Kosten von 200 Millionen Euro für wirtschafts- und sozialpolitische Maßnahmen bis 2030 prüft der oberösterreichische Konzern sein Investprogramm und will Personal einsparen.
Bis inklusive 2030 hat die österreichische Elektrizitätswirtschaft mit Kosten von etwa 2,2 Milliarden Euro für wirtschafts- und sozialpolitische Maßnahmen zu rechnen. Darunter sind der geplante Industriestrompreis, der bereits geltende Sozialtarif sowie die Abschöpfung sogenannter „Übergewinne“ zur Budgetsanierung, berichtete der Generaldirektor der Energie AG Oberösterreich, Leonhard Schitter, am 10. Juni im Klub der Wirtschaftspublizisten in Wien. Auf sein eigenes Unternehmen entfallen laut Schitter rund 200 Millionen Euro, was den Kosten für das im Bau befindliche Laufwasserkraftwerk Traunfall entspricht. Die Anlage mit 25 MW etwa 45 Kilometer südwestlich der oberösterreichischen Landeshauptstadt Linz soll Ende 2028 in Betrieb gehen.
Die politisch bedingten Aufwendungen „schränken den finanziellen Spielraum aller Energieversorger massiv ein“, kritisierte Schitter. Daher überprüft die Energie AG ihr Investitionsprogramm und setzt Maßnahmen zur Kostensenkung. Nach derzeitigem Stand möchte das Unternehmen bis 2035 weitere rund 2,7 Milliarden Euro investieren, nachdem es seit 2024 bereits 1,3 Milliarden Euro aufgewandt hatte. Vorgesehen ist, die Stromproduktion mittels Windkraft um 540 Millionen kWh pro Jahr zu steigern, jene mittels Photovoltaik um 460 Millionen kWh und jene mithilfe der Wasserkraft um 180 Millionen kWh.
Neben dem Laufkraftwerk Traunfall wird laut Schitter der 320 Millionen Euro teure Pumpspeicher Ebensee mit 170 MW 2028 fertiggestellt. Auch die Investitionen in den Ausbau der Stromnetze durch das Tochterunternehmen Netz Oberösterreich werden voraussichtlich nicht angetastet, erläuterte Schitter. Bei Projekten im Bereich der Photovoltaik sind ihm zufolge dagegen Verschiebungen zu erwarten. Auch der seit 2016 auf Eis liegende Bau eines 400-MW-Gas- und Dampfkraftwerks am Standort Riedersbach etwa 120 Kilometer südwestlich von Linz ist „kein Thema“, teilte Schitter auf Anfrage der Redaktion mit. Das seit 2008 in Betrieb befindliche Gaskraftwerk Timelkam mit 400 MW Leistung möchte der Energie-AG-Chef hingegen bis 2035 „wasserstofftauglich“ machen.
Personalmaßnahmen prüfen
Im Personalbereich werden Nachbesetzungen bei Pensionierungen ebenso überprüft wie die Frage, wie viele Beschäftigte für die Umsetzung des veränderten Investitionsprogramms erforderlich sind. Diesbezügliche Zahlen nannte Schitter auf mehrfache Nachfrage nicht. Zurzeit beschäftigt die Energie AG Schitter zufolge rund 5.700 Personen.
Schitters eigener Vertrag läuft bis Ende 2027. „Ich würde ihn gerne verlängern. Aber das ist natürlich die Sache des Eigentümers“, teilte Schitter auf Nachfrage der Redaktion mit. Die Energie AG Oberösterreich gehört zu 52,8 Prozent der Oberösterreichischen Landesholding. Weitere 13,9 Prozent hält ein Konsortium um die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich. Etwa 10,4 Prozent sind im Eigentum des Kommunalversorgers Linz AG, 8,3 Prozent hält der landeseigene Tiroler Energiekonzern Tiwag, 5,2 Prozent der Verbund, der mehrheitlich staatseigene größte Stromkonzern Österreichs. Der Rest enfällt auf Banken und Industrieunternehmen.
Energiepolitik als Sicherheitspolitik
In grundsätzlicher Hinsicht ergänzte Schitter, sei es notwendig, Energiepolitik auch als „Sicherheitspolitik“ zu betrachten. In internationalen Auseinandersetzungen komme die Versorgung mit Energie zunehmend als Waffe zum Einsatz. Dies zeige sich derzeit etwa im Krieg um den Iran. Aus diesem Grund gelte es, Abhängigkeiten etwa von Gaslieferungen aus einzelnen Ländern zu verringern und „eigene Stärken“, beispielsweise beim Ausbau der erneuerbaren Energien, vermehrt zu nutzen. Die EU müsse gerade auch im Energiesektor intensiver zusammenarbeiten. Sie könne „mit ihrer wirtschaftlichen Macht viel stärker in die Akteursrolle kommen. Dazu sind aber Investitionen in die Energieinfrastruktur unabdingbar“.
Generell sei bezüglich der Sicherheit der Infrastruktur für die Energieversorgung mehr „Teamarbeit“ gefragt: Die Energieunternehmen sollten laut Schitter mit Behörden, dem Österreichischen Bundesheer, der Bundespolizei sowie der Politik intensiver kooperieren, etwa bei der Erstellung von Lagebildern sowie bei der Wiederherstellung der Stromversorgung nach einem allfälligen Black-out.
Noch keine Angaben zum Gewinn
Von der Redaktion nach den wirtschaftlichen Aussichten für das am 30. September endende Geschäftsjahr 2025/26 gefragt, beschied Schitter, er könne keine Angaben zum voraussichtlichen Gewinn machen: „Wir haben ja noch einige Monate.“ Im Geschäftsjahr 2024/25 hatte der Gewinn der Energie AG rund 235,7 Millionen Euro betragen, um 24,8 Prozent weniger als 2023/24. Begründet wurde dies damals mit gesunkenen Absatzpreisen und -mengen.
Mittwoch, 10.06.2026, 14:25 Uhr
Klaus Fischer
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