Bielefelds Klärschlamm-Verbrennungsanlage feiert Richtfest. Quelle: MVA Bielefeld / Sellmann
Eine neue Quelle für Bielefelds Fernwärme-Angebot strebt der Vollendung entgegen. Die örtlichen Stadtwerke sind mit dem Bau einer Klärschlamm-Verbrennungsanlage weit vorangekommen.
Ein Gemeinschaftsprojekt vieler Beteiligter in Ostwestfalen liegt im Zeitplan. Die geplante Klärschlamm-Monoverbrennungsanlage (KVA) in Bielefeld hat jetzt Richtfest gefeiert. Der Hochbau sei so gut wie abgeschlossen, heißt es in einer Mitteilung der Stadtwerke Bielefeld (SWB).
Der Versorger ist über die Interargem GmbH an dem Vorhaben beteiligt, die Stadtwerke halten 75,84 Prozent an dem Bielefelder Entsorgungsunternehmen. Interargem betreibt die Müllverbrennungsanlage (MVA) Bielefeld-Herford in Heepen, in deren direkter Nachbarschaft aktuell auch die KVA entsteht.
Aus der thermischen Verwertung des Klärschlamms gewinnen die Stadtwerke perspektivisch 65 Millionen kWh für das eigene Fernwärmenetz – klimafreundlich, wie sie betonen. Nach den Berechnungen des Versorgers werde das für etwa 4.400 Haushalte reichen. Stadtwerke-Geschäftsführer Rainer Müller stellte an dem Projekt heraus, es verbinde Entsorgungssicherheit mit Energieerzeugung und „leistet einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung unserer Infrastruktur“.
Mitte kommenden Jahres soll die KVA in den Test- und Probebetrieb gehen. Spätestens Ende 2027 rechnen die Verantwortlichen mit dem Start des Regelbetriebs. Die Brennkammer besteht aus einem Wirbelschichtofen, der über eine Feuerungswärmeleistung von 12,5 Megawatt verfügt. Neben der Abwärme produziert die Anlage auch bis zu 24 Millionen kWh Strom pro Jahr. Das ist eine Menge, die rechnerisch den Bedarf von etwa 8.500 Haushalten decken könnte.
In Heepen rollt künftig der Klärschlamm an, der im Abwasser von 78 ostwestfälisch-lippischen Kommunen anfällt. Ein Ziel dabei ist es, den wertvollen Rohstoff Phosphor aus der Klärschlamm-Asche zurückzugewinnen. 35.000 Tonnen getrockneten Klärschlamms kann die KVA maximal pro Jahr verbrennen. Das entspricht 140.000 Tonnen angelieferter Feuchtsubstanz. Um diese Masse zu trocknen, kommt in gewissem Umfang auch die Abwärme der KVA zum Einsatz.
Freitag, 24.04.2026, 17:58 Uhr
Volker Stephan
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