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Die Iqony Energies GmbH hat eine innovative KWK-Anlage auf dem Gelände der ehemaligen Grube Camphausen in Betrieb genommen. Als Brennstoff wird das anspruchsvolle Grubengas genutzt.
Nach etwas mehr als einem Jahr Bauzeit hat die Saarbrücker Iqony Energies GmbH Ende Dezember 2024 auf dem Gelände der
ehemaligen Grube Camphausen (saarländischen Gemeinde Quierschied) eine intelligente Kraft-Wärme-Kopplungsanlage in Betrieb genommen. Sie nutzt die Abwärme des Grubenwassers sowie anfallendes Grubengas für die Fernwärmeversorgung.
„Mit der nun offiziell in Betrieb genommenen Anlage gehen wir einen weiteren, großen Schritt in Richtung unseres ambitionierten Ziels, bis 2040 vollständige Klimaneutralität bei der Fernwärmeversorgung zu erreichen“, erklärte Anke Langner, Sprecherin der Geschäftsführung der Iqony Energies.
Pro Jahr würden so rund 6.300 Tonnen an CO2-Emissionen vermieden.
Die gewonnene Fernwärme wird den Stadtwerken Sulzbach als lokaler Fernwärmelieferant verkauft. Der Versorger hat mit Iqony Energies einen entsprechenden Kooperationsvertrag um zwanzig Jahre verlängert. Beliefert werden Teile Stadt sowie das Krankenhaus Sulzbach, die Waldsiedlung Camphausen, Hirschbach und
Goldene Au.
Aus technischer Sicht hat die Anlage in Camphausen noch Kapazitätsreserven, um auch einen höheren Wärmebedarf zu decken. Laut Auskunft von Iqony könnten daher
künftig auch eine Wohnsiedlung in der Stadt Quierschied sowie weiterer Stadtteile von Sulzbach versorgt werden.
Der vom BHKW erzeugte Strom wird zu 100 Prozent ins öffentliche Stromnetz eingespeist.
Aus Sicht von Iqony unterstreicht das realisierte Projekt die grundsätzliche Bedeutung des Geschäftsfelds Fernwärme für das Unternehmen: „In unserer Unternehmensstrategie sind die Fernwärme und die entsprechende Kooperation mit kommunalen Partnern tragende Säulen“, so Nicole Hildebrand, COO der Steag Iqony Group.
Bereits im Dezember 2020 hatte das Projekt eine Förderzusage im Rahmen einer Ausschreibung für „innovative KWK-Energiesysteme“ (iKWK) der Bundesnetzagentur erhalten.
Grubenwasser und Grubengas werden für die Energieerzeugung genutztEine innovative KWK-Anlage besteht verpflichtend aus drei Teilen, sonst ist sie nicht förderfähig: einer konventionellen KWK-Anlage, einer erneuerbaren Wärmequelle und einem elektrischen Wärmeerzeuger. Im Falle der Anlage am ehemaligen Bergwerk Camphausen ist die regenerative Wärmequelle das Grubenwasser, das auch nach der Stilllegung des Steinkohlebergbaus im Zuge der Ewigkeitsaufgaben aus der Grube an die Oberfläche gepumpt werden muss.
Das Wasser, das ansonsten ungenutzt in einen nahegelegenen Fluss eingeleitet wird, hat eine Temperatur von 36 Grad Celsius. Die im Wasser enthaltene Wärme lässt sich so mit einer Wärmepumpe für die Wärmeversorgung nutzbar machen.
Weil auch der dritte Anlagenteil, die KWK-Anlage, mittels eines als klimaneutral eingestuften Energieträgers befeuert wird, arbeitet die Anlage insgesamt bilanziell bereits heute vollständig emissionsfrei.
Bei dem eingesetzten Brennstoff handelt es sich um methanhaltiges Grubengas.
Grubengas hat im Vergleich zu Erdgas einen deutlich geringeren und vor allem schwankenden Heizwert.
Der Einsatz von Grubengas in BHKW-Anlagen ist damit mach Auskunft von Iqony „deutlich anspruchsvoller. Das Verbrennungssystem muss für diese Gasqualitäten ausgelegt sein“.
Es schont aber durchaus die Umwelt: Gelangt dieses Grubengas unverbrannt in die Atmosphäre, hat es eine mehr als zwanzigmal klimaschädlichere Wirkung als CO2. „Darum ist es mit Blick auf das Klima sinnvoll, Grubengas als Brennstoff zu verfeuern, weil das die Klimawirkung massiv reduziert“, so Dietmar Bies, der das Projekt bei Iqony verantwortet hat.
Gewählt wurde für Camphausen ein Blockheizkraftwerk des Herstellers Innio Jenbacher mi teiner Leistung von 3,1 MW. Die
Kompressionswärmepumpe von der Firma Johnson Controls hat eine leistung von 900 kW. Dazu kommen die Power-to-Heat-Anlage mit 1 MW und die Kesselanlage mit 8 MW. In Summer hat die gesamte Erzeugungsanlage auf dem ehemaligen Zechengelände eine Leistung von 13 MW.
Im Jahr soll die Wärmepumpe
etwa 4.050 MWh thermisch erzeugen, das BHKW 9.300 MWh thermisch und 10.050 MWh an elektrischer Energie.
Mit dem weiterem Fernwärme-Ausbau kann die Wärmeabgabe um bis zu 25 Prozent gesteigert werden, zeigt sich der Saarbrücker Versorger Iqony zuversichtlich.
„Wir sind sehr froh, dass wir mit unserem Grubenwasser die Wärmewende in Sulzbach unterstützen zu können“, sagte Joachim Löchte, RAG-Unternehmensbereichsleiter Nachhaltigkeit und Kommunikation der offiziellen Inbetriebnahme der Anlage Anfang Jnauar. „Die geothermische Nutzung des Grubenwassers wird auch an allen anderen Grubenwasserstandorten der RAG überprüft“, so Joachim Löchte weiter. Iqony
stehe hier in engem Austausch mit der RAG, um zu prüfen, ob sich weitere Standorte für die Nutzung von Grubenwasser für Fernwärmezwecke der Iqony eignen.
Seit 2019, nach dem Ende des aktiven Steinkohlenbergbaus in Deutschland, ist die RAG-Stiftung für die Ewigkeitsaufgaben verantwortlich, zum Beispiel für die Grubenwasserhaltung oder die Grundwasserreinigung.
Die Anlage auf einen BlickBetreiber: Iqony Energies GmbH
Anlage: Kompressionswärmepumpe von Johnson Controls Systems & Service GmbH mit 900 KW, Innio-BHKW 3.100 KW, Power to Heat 1.000 KW und die
Kesselanlage mit 2 x 4.000 KW
Besonderheit: für die Energieerzeugung werden Grubengas sowie Grubenwasser einer stillgelegten Zeche genutzt
Einsparung: Pro Jahr rund 6.300 Tonnen CO2-Emissionen
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Auf der alten Zeche Camphausen wird die Abwärme des Grubenwassers für die Fernwärmeversorgung nutzbar gemacht Quelle: Iqony Energies GmbH |
Mittwoch, 26.02.2025, 15:39 Uhr
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