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Energie & Management > Biogas - 2026 stellt Branche vor neue Entscheidungen
Quelle: Katia Meyer-Tien
Biogas

2026 stellt Branche vor neue Entscheidungen

2026 bringt neue politische Vorgaben und Marktimpulse für Biogaskraftwerke. Welche Investitionsentscheidungen Betreiber treffen sollten, empfahlen die Flexperten in einem Webinar.
Der Jahreswechsel 2025/26 markiert für viele Betreiber von Biogasanlagen eine Zäsur, hieß es am 5. Februar in einem Webinar des Netzwerks Flexperten. Mit Blick auf auslaufende EEG-Förderungen, neue Ausschreibungsformate und offene Fragen beim Gasnetzanschluss stünden strategische Entscheidungen an. Die Optionen reichen vom Weiterbetrieb nach EEG-Ende über den Umbau zum Speicherkraftwerk bis hin zur Aufgabe oder Partnersuche.

Betreiber müssten abwägen, ob sie 2026 an Ausschreibungen teilnehmen oder auf ein angekündigtes Biomassepaket 2.0 setzen, erläuterte Netzwerk-Geschäftsführer Uwe Welteke-Fabricius. Hinzu kommt die Frage, ob bestehende Anlagen flexibilisiert, Satelliten errichtet oder Wärmekonzepte erweitert werden sollen. Nach Einschätzung der Flexperten erschwert vor allem die fehlende Planungssicherheit Investitionsentscheidungen über 2026 hinaus.

Politik und Verbände stehen dabei erneut unter Zeitdruck. Sie müssen Mehrheiten für eine Fortsetzung des bisherigen Kurses finden, um den Weiterbetrieb biogener Anlagen zu sichern. Laut Welteke-Fabricius plant das Bundeswirtschaftsministerium (BMWE), noch in diesem Jahr erste neue fossile Kraftwerke im Rahmen der Kraftwerksstrategie auszuschreiben. Biogas könne dabei „zum Ausgleich“ eine Rolle spielen. Bundesministerin Katherina Reiche (CDU) habe jedoch klargestellt, dass Biogasförderung im Erneuerbare-Energien-Gesetz und ein künftiger Kraftwerksmechanismus getrennte Instrumente bleiben sollen.

Weitere Themen sind das Geothermie-Beschleunigungsgesetz mit der Privilegierung von Batteriespeichern im Baugesetzbuch sowie die aus Sicht der Flexperten verpasste Möglichkeit, auch Satelliten-Speicherkraftwerke baurechtlich zu privilegieren. Diskutiert werden außerdem der Industriestrompreis, die Senkung der Netzentgelte und die Reform der Netzentgeltsystematik, die laut Branchenvertretern neue Flexibilitäten mobilisieren könnte.

Auswertung der Biomasse-Ausschreibung

Die Ausschreibungsrunde für Biomasse vom 1. Oktober 2025 verlief erfolgreich. Nach Angaben der Flexperten wurden rund 1.000 MW Leistung geboten, davon 814 MW bezuschlagt. Rund 400 Anlagen mit jeweils bis zu 1.000 kW installierter Leistung erhielten Zuschläge. Die Ergebnisse deuteten auf eher grundlastorientierte Konzepte hin, so das Netzwerk. Für viele Betreiber sei die kurzfristige Kürzung der Betriebsstunden problematisch gewesen. Die verpflichtende Flexibilisierung zwinge Anlagenbetreiber, entweder Leistung zu drosseln oder Satelliten zu errichten.

Für Betreiber rücke damit die Orientierung in den kommenden Monaten in den Fokus. Ein Gasnetzanschluss setzt ausreichende Gasmengen, langfristige Abnahmeverträge für Biomethan und bankfähige Laufzeiten voraus. Alternativ könnten Clusterlösungen mit Partnern entstehen. Chancen sehen die Flexperten auch in der Wärmenutzung: Wer im Umkreis von vier bis sechs Kilometern größere Siedlungen versorgen kann, sollte laut Welteke-Fabricius frühzeitig mit Kommunen sprechen und die kommunale Wärmeplanung aktiv begleiten.

Speicher jetzt planen und einreichen

Der Umbau zu Speicherkraftwerken ist nach aktueller Rechtslage nur bis zur Ausschreibung am 1. Oktober 2026 abgesichert. Zusätzliche Unsicherheiten ergäben sich aus der geplanten Neuregelung der Biomethan-Einspeisung. Die Gasnetzzugangsverordnung und die Gasnetzentgeltverordnung sind Ende 2025 ausgelaufen. Bislang wurden die Anschlusskosten überwiegend auf die Gaskunden umgelegt. Künftig steht eine stärkere Kostenbeteiligung der Anlagenbetreiber im Raum, was insbesondere kleinere Anlagen betreffen würde.

Auch die Marktsignale verändern sich. Negative Strompreise treten seltener auf, die Preise liegen aber häufig knapp über Null. Ursachen sind laut Marktbeobachtern unter anderem Marktprämien und zunehmende Selbstabschaltungen. Flexible Verbraucher mit dynamischen Tarifen verstärken diese Effekte.
 
Strompreise im Oktober 2025
(Für Vollbild bitte auf die Grafik klicken)
Quelle: E2M / Flexperten
 
 
Berliner Signale

Impulse aus Berlin brachte zudem der Handelsblatt-Energiegipfel Ende Januar. Jan Gustav Franke, Geschäftsführer der Utility Partners GmbH aus Mönchengladbach, berichtete, dass das künftige Energiesystem überwiegend strombasiert gedacht werde. Die Nutzung von Flexibilitäten jenseits großer Gaskraftwerke bleibe jedoch offen. Positiv hervorgehoben worden sei Biomethan als heimische Ressource für Versorgungssicherheit. Flexibilisierungsoptionen biogener Anlagen seien allerdings bislang kaum Teil des energiepolitischen Diskurses, bedauerte Franke.

Aus Sicht der Flexperten sollte sich das ändern. Biogas- und Biomethananlagen könnten einen Beitrag zu Resilienz und Systemstabilität leisten, wenn die politischen Rahmenbedingungen dies zulassen. Dafür braucht es aus Branchensicht zeitnah verlässliche Entscheidungen.

Donnerstag, 5.02.2026, 15:11 Uhr
Susanne Harmsen
Energie & Management > Biogas - 2026 stellt Branche vor neue Entscheidungen
Quelle: Katia Meyer-Tien
Biogas
2026 stellt Branche vor neue Entscheidungen
2026 bringt neue politische Vorgaben und Marktimpulse für Biogaskraftwerke. Welche Investitionsentscheidungen Betreiber treffen sollten, empfahlen die Flexperten in einem Webinar.
Der Jahreswechsel 2025/26 markiert für viele Betreiber von Biogasanlagen eine Zäsur, hieß es am 5. Februar in einem Webinar des Netzwerks Flexperten. Mit Blick auf auslaufende EEG-Förderungen, neue Ausschreibungsformate und offene Fragen beim Gasnetzanschluss stünden strategische Entscheidungen an. Die Optionen reichen vom Weiterbetrieb nach EEG-Ende über den Umbau zum Speicherkraftwerk bis hin zur Aufgabe oder Partnersuche.

Betreiber müssten abwägen, ob sie 2026 an Ausschreibungen teilnehmen oder auf ein angekündigtes Biomassepaket 2.0 setzen, erläuterte Netzwerk-Geschäftsführer Uwe Welteke-Fabricius. Hinzu kommt die Frage, ob bestehende Anlagen flexibilisiert, Satelliten errichtet oder Wärmekonzepte erweitert werden sollen. Nach Einschätzung der Flexperten erschwert vor allem die fehlende Planungssicherheit Investitionsentscheidungen über 2026 hinaus.

Politik und Verbände stehen dabei erneut unter Zeitdruck. Sie müssen Mehrheiten für eine Fortsetzung des bisherigen Kurses finden, um den Weiterbetrieb biogener Anlagen zu sichern. Laut Welteke-Fabricius plant das Bundeswirtschaftsministerium (BMWE), noch in diesem Jahr erste neue fossile Kraftwerke im Rahmen der Kraftwerksstrategie auszuschreiben. Biogas könne dabei „zum Ausgleich“ eine Rolle spielen. Bundesministerin Katherina Reiche (CDU) habe jedoch klargestellt, dass Biogasförderung im Erneuerbare-Energien-Gesetz und ein künftiger Kraftwerksmechanismus getrennte Instrumente bleiben sollen.

Weitere Themen sind das Geothermie-Beschleunigungsgesetz mit der Privilegierung von Batteriespeichern im Baugesetzbuch sowie die aus Sicht der Flexperten verpasste Möglichkeit, auch Satelliten-Speicherkraftwerke baurechtlich zu privilegieren. Diskutiert werden außerdem der Industriestrompreis, die Senkung der Netzentgelte und die Reform der Netzentgeltsystematik, die laut Branchenvertretern neue Flexibilitäten mobilisieren könnte.

Auswertung der Biomasse-Ausschreibung

Die Ausschreibungsrunde für Biomasse vom 1. Oktober 2025 verlief erfolgreich. Nach Angaben der Flexperten wurden rund 1.000 MW Leistung geboten, davon 814 MW bezuschlagt. Rund 400 Anlagen mit jeweils bis zu 1.000 kW installierter Leistung erhielten Zuschläge. Die Ergebnisse deuteten auf eher grundlastorientierte Konzepte hin, so das Netzwerk. Für viele Betreiber sei die kurzfristige Kürzung der Betriebsstunden problematisch gewesen. Die verpflichtende Flexibilisierung zwinge Anlagenbetreiber, entweder Leistung zu drosseln oder Satelliten zu errichten.

Für Betreiber rücke damit die Orientierung in den kommenden Monaten in den Fokus. Ein Gasnetzanschluss setzt ausreichende Gasmengen, langfristige Abnahmeverträge für Biomethan und bankfähige Laufzeiten voraus. Alternativ könnten Clusterlösungen mit Partnern entstehen. Chancen sehen die Flexperten auch in der Wärmenutzung: Wer im Umkreis von vier bis sechs Kilometern größere Siedlungen versorgen kann, sollte laut Welteke-Fabricius frühzeitig mit Kommunen sprechen und die kommunale Wärmeplanung aktiv begleiten.

Speicher jetzt planen und einreichen

Der Umbau zu Speicherkraftwerken ist nach aktueller Rechtslage nur bis zur Ausschreibung am 1. Oktober 2026 abgesichert. Zusätzliche Unsicherheiten ergäben sich aus der geplanten Neuregelung der Biomethan-Einspeisung. Die Gasnetzzugangsverordnung und die Gasnetzentgeltverordnung sind Ende 2025 ausgelaufen. Bislang wurden die Anschlusskosten überwiegend auf die Gaskunden umgelegt. Künftig steht eine stärkere Kostenbeteiligung der Anlagenbetreiber im Raum, was insbesondere kleinere Anlagen betreffen würde.

Auch die Marktsignale verändern sich. Negative Strompreise treten seltener auf, die Preise liegen aber häufig knapp über Null. Ursachen sind laut Marktbeobachtern unter anderem Marktprämien und zunehmende Selbstabschaltungen. Flexible Verbraucher mit dynamischen Tarifen verstärken diese Effekte.
 
Strompreise im Oktober 2025
(Für Vollbild bitte auf die Grafik klicken)
Quelle: E2M / Flexperten
 
 
Berliner Signale

Impulse aus Berlin brachte zudem der Handelsblatt-Energiegipfel Ende Januar. Jan Gustav Franke, Geschäftsführer der Utility Partners GmbH aus Mönchengladbach, berichtete, dass das künftige Energiesystem überwiegend strombasiert gedacht werde. Die Nutzung von Flexibilitäten jenseits großer Gaskraftwerke bleibe jedoch offen. Positiv hervorgehoben worden sei Biomethan als heimische Ressource für Versorgungssicherheit. Flexibilisierungsoptionen biogener Anlagen seien allerdings bislang kaum Teil des energiepolitischen Diskurses, bedauerte Franke.

Aus Sicht der Flexperten sollte sich das ändern. Biogas- und Biomethananlagen könnten einen Beitrag zu Resilienz und Systemstabilität leisten, wenn die politischen Rahmenbedingungen dies zulassen. Dafür braucht es aus Branchensicht zeitnah verlässliche Entscheidungen.

Donnerstag, 5.02.2026, 15:11 Uhr
Susanne Harmsen

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