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Enerige & Management > Windkraft Onshore - Zu wenige neue Windkraftanlagen im ersten Halbjahr 2022
Quelle: E&M / Jonas Rosenberger
WINDKRAFT ONSHORE:
Zu wenige neue Windkraftanlagen im ersten Halbjahr 2022
Für die ehrgeizigen Klimaschutzziele und den Ersatz fossiler Energiequellen bleibt der Zubau von Windkraftanlagen in Deutschland weiter zu gering. Laut Branche fehlen Genehmigungen.
 

Die Fachagentur Windenergie an Land (FA Wind) hat am 4. August ihre ausführliche Analyse des Windkraftzubaus im ersten Halbjahr 2022 vorgelegt. Demnach wurden in 13 Bundesländern 238 Neuanlagen mit 976 MW Leistung in Betrieb genommen, am meisten davon in Schleswig-Holstein. Der Zubau bleibt damit knapp auf Vorjahresniveau. Vor allem im Süden Deutschlands verstärken sich bestehende Probleme.


„Es wird höchste Zeit, dass einige Bundesländer, allen voran Bayern, ihre Ablenkungsmanöver in der Energiepolitik endlich beenden“, mahnte der Präsident des Bundesverbandes Windenergie (BWE), Hermann Albers. Die fast täglichen Rufe nach Laufzeitverlängerungen für Kernkraft oder einem neuen Anlauf beim Fracking aus München sollten nur von dem eigentlichen Problem ablenken, dass Bayern über Jahre hinweg den Aufbau einer nachhaltigen Energieversorgung im eigenen Bundesland behindert hat, so Albers. Dies kritisiere inzwischen selbst die bayerische Energiewirtschaft.

Bayern bleibt unterversorgt

Im ersten Halbjahr wurden in Bayern nur drei neue Windenergieanlagen genehmigt, drei neue Anlagen gingen ans Netz. Es brauche jetzt dringend eine Kurskorrektur bei der Windenergie, appellierte Albers. „In Bayern wären 4,6 Prozent der Landesfläche für die Windenergie nutzbar“, sagte er. Der Zubau schwächele jedoch auch in Sachsen und Hessen. Laut der Auswertung der FA Wind gingen dort im ersten Halbjahr nur zwei neue Anlagen ans Netz, im ebenfalls sehr verbrauchsintensiven Baden-Württemberg nur fünf. Bei den Genehmigungen falle das Bild differenzierter aus, da zumindest Hessen 46 Anlagen im ersten Halbjahr 2022 neu genehmigt wurden.

Der BWE-Präsident sieht bei der Sicherung des Zubaus nun vor allem die Bundesländer am Zug, da der Bund die Ausbaukorridore ausreichend erweitert habe. „Bis Ende 2021 befanden sich Windenergieprojekte im Umfang von rund 10.000 Megawatt noch im Genehmigungsverfahren“, erinnerte Albers. „Wir appellieren dringend an die Länder, diese Projekte noch bis Ende des laufenden Jahres zu entscheiden.“ Damit könne das Ausschreibungsvolumen von 12.800 MW für 2023 befüllt werden und so die Energiewende sicher auf Kurs gebracht werden. Bis 2030 sollen 80 % des deutschen Stroms erneuerbar erzeugt werden, heute sind es rund 50 %.
 
Windkraftausbau im ersten Halbjahr 2022 nach Bundesländern
(zum Vergrößern bitte auf die Grafik klicken)
Quelle: FA Wind


Fast 10.000 MW Leistung könnten jährlich genehmigt werden

Im Jahr 2016 wurden 3.144 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 9.504 MW neu genehmigt, mehr als 5.000 MW davon allein im Dezember, nannte Albers als Beispiel. Auch beim Repowering sieht der BWE noch viel ungenutztes Potenzial. Etwa ein Fünftel der aktuell in Deutschland installierten Windenergieleistung sei bereits seit 16-20 Jahren am Netz und stehe somit kurz vor dem Auslaufen der Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG).

Mittelfristig biete sich die Chance, durch Repowering einen Zubau von bis zu 45.000 MW an bereits bekannten Standorten zu ermöglichen. „Die Bundesregierung ist in der Verantwortung, die im Koalitionsvertrag angekündigten deutlichen Erleichterungen für das Repowering auf den Weg zu bringen“, mahnte Albers abschließend.

Die Zubauzahlen des 1. Halbjahres 2022   stehen auf der Webseite der Fachagentur Wind bereit.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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Donnerstag, 04.08.2022, 12:57 Uhr

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