Der Ausbau der Windenergie an Land hat 2025 in Deutschland spürbar an Tempo gewonnen. In der EU bleibe er aber hinter den Zielen zurück. Verlässliche Regeln und Netzausbau seien nötig.
Der Ausbau der Windenergie an Land hat sich in Deutschland im Jahr 2025 dynamisch entwickelt. Laut einer am 15. Januar vor Journalisten vorgestellten Auswertung des Bundesverbands Wind Energie (BWE) und des Industrieverbands VDMA Power Systems wurden bundesweit 3.310 Windenergieanlagen mit einer Leistung von 20.765 MW neu genehmigt. Die Datenauswertung führte die Fachagentur Wind und Solar durch.
Bei den Ausschreibungen der Bundesnetzagentur erhielten im Vorjahr 2.348 Anlagen mit insgesamt 14.449 MW einen Zuschlag. Die Ausschreibungen waren erneut deutlich überzeichnet. Nach Angaben der Verbände führte der funktionierende Wettbewerb zu sinkenden durchschnittlichen Zuschlagswerten. Die Bundesnetzagentur senkte deshalb den Höchstwert für das laufende Jahr leicht ab.
Auch der tatsächliche Zubau fiel höher aus als im Vorjahr. 2025 gingen 958 neue Anlagen mit 5.232 MW Leistung in Betrieb. Damit lag der Bruttozubau innerhalb der Prognosespanne von 4.800 bis 5.300 MW, die BWE und VDMA Power Systems zuvor erwartet hatten. Die installierte Gesamtleistung der Windenergie an Land erhöhte sich damit auf rund 68.100 MW.
Jürgen Quentin, Referent Energiewirtschaft und EEG der Fachagentur Wind und Solar lobte ausdrücklich das deutlich schnellere Genehmigungstempo in den Behörden.
Mehr in Sicherheit investierenFür das Jahr 2026 halten die Verbände bei unveränderter Realisierungsgeschwindigkeit einen Zubau von 8.000 bis 8.500 MW für möglich. Voraussetzung seien jedoch stabile politische Rahmenbedingungen und ein gesicherter Netzzugang.
Dennis Rendschmidt, Geschäftsführer von VDMA Power Systems, erklärte, die Windenergie gewinne weiter an Bedeutung im deutschen Energiesystem. Gleichzeitig nähmen Sicherheitsrisiken durch geopolitische Entwicklungen zu. Der regulatorische Rahmen müsse deshalb die physische und digitale Sicherheit der Anlagen sowie den Schutz kritischer Infrastruktur wirksam adressieren.
Aus Sicht der Branche braucht es zudem Kontinuität im Ausbau. Rendschmidt betonte, Unternehmen entlang der gesamten Lieferkette seien auf Planbarkeit angewiesen, um Investitionen auszulösen. Die anstehende Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes müsse verbindliche Ausbauziele setzen, um Kosteneffizienz, Versorgungssicherheit und industrielle Wertschöpfung langfristig zu sichern.
Er unterstützte den Druck auf Kosteneffizienz aus dem Bundeswirtschaftsministerium, unterstrich zugleich aber, dass die Windkraftindustrie Wertschöpfung und Beschäftigung sichert und zugleich von fossilen Energieträgern unabhängiger mache.
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Deutsche Windkraftanlagen an Land 2025 im Überblick (zur Vollansicht auf die Tabelle klicken) Quelle: BWE |
Netzausbau muss Schritt haltenHerausforderungen sieht auch BWE-Präsidentin Bärbel Heidebroek. Zwar seien die hohen Genehmigungs- und Zuschlagszahlen positiv, zugleich würden sie die Defizite beim Netzausbau offenlegen. Der Netzzugang für neue Projekte werde zunehmend schwieriger.
Angesichts einer durchschnittlichen Umsetzungsdauer von fast zwei Jahren erwartet der Verband ab Ende 2026 einen deutlichen Zubau aus bereits bezuschlagten Projekten. Lange Wartezeiten und begrenzte Anschlusskapazitäten bremsten jedoch die Dynamik. Nach Angaben Heidebroeks müsse das Stromnetz dringend ausgebaut, modernisiert und digitalisiert werden.
Offene Kapazitäten neu ausschreibenHeidebroek fordert darüber hinaus, 5.000 bis 6.000 MW mehr Windkraftkapazität in diesem und den nächsten Jahren auszuschreiben. Diese Mengen waren in den vergangenen Jahren nicht zugeschlagen worden, seien aber für den Ausbaupfad erneuerbarer Kapazitäten eingeplant.
Regionale Unterschiede zeigen sich weiterhin deutlich. In Baden-Württemberg wuchs der Bestand 2025 laut einer vorläufigen Auswertung der Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg (PEE BW) um 24 Anlagen. Die installierte Leistung nahm um 171 MW zu. Genehmigt wurden im selben Zeitraum 98 Anlagen, fast doppelt so viele wie 2024. Geschäftsführer Jürgen Scheurer erklärte, trotz des Zuwachses gehe der Ausbau noch zu langsam voran. Um die Ziele zu erreichen, seien mehr als 100 neue Anlagen pro Jahr erforderlich.
Europa schafft Ausbauziele nichtWährend Deutschland beim Ausbau an Land weiter zu den führenden Märkten zählt, bleibt Europa insgesamt hinter den Zielen zurück. Nach Schätzungen des europäischen Branchenverbands Wind Europe wurden 2025 Windenergieanlagen mit 17.000 bis 18.000 MW Leistung installiert. Das liege deutlich unter dem erforderlichen Niveau, um das EU-Ziel von 42,5 Prozent erneuerbarer Energien bis 2030 zu erreichen.
Wind-Europe-Geschäftsführerin Tinne van der Straeten verwies auf Netzengpässe, langsame Elektrifizierung und Genehmigungsprobleme. Zugleich sieht sie in der geopolitischen Lage einen zusätzlichen Impuls für den Ausbau, um die Abhängigkeit von fossilen Energieimporten zu verringern.
Donnerstag, 15.01.2026, 12:34 Uhr
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