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Energie & Management > Veranstaltung - Windbranche fordert Kurskorrektur vom Bund
BWE-Geschäftsführer Wolfram Axthelm beim Policy-Briefing. Quelle: Susanne Harmsen
Veranstaltung

Windbranche fordert Kurskorrektur vom Bund

Der Bundesverband Windenergie (BWE) fordert nach der Energieministerkonferenz Änderungen am EEG 2027 und schnellere Netzanbindungen.
Ein Jahr nach Amtsantritt der Bundesregierung hat der Bundesverband Windenergie (BWE) eine Zwischenbilanz der Energiepolitik gezogen. Im Rahmen des Policy Briefings am 29. Mai forderte BWE-Geschäftsführer Wolfram Axthelm Änderungen am geplanten EEG 2027 sowie am angekündigten Netzanschlusspaket. Aus Sicht der Branche seien Rahmenbedingungen notwendig, die Investitionen absichern, die Wertschöpfung ausbauen und Energiekosten dauerhaft senken.

Rückenwind erhielt die Branche von der Energieministerkonferenz in der vergangenen Woche. Diese sprach sich für einen stärkeren Ausbau der Windenergie aus und bekannte sich zu den bestehenden Ausbauzielen. Zudem lehnten die Länder den geplanten Redispatch-Vorbehalt ab. Dieses Instrument soll den Netzbetreibern ermöglichen, den Netzanschluss neuer Erneuerbare-Energien-Anlagen bei drohenden Netzengpässen einzuschränken.

Sonderausschreibungen gefordert

BWE-Präsidentin Bärbel Heidebroek begrüßte die Beschlüsse der Länder. Neue Unsicherheiten oder ein Ausbaustopp wären aus ihrer Sicht angesichts der Energiekrisen der vergangenen Jahre ein falsches Signal. Die Finanzierbarkeit von Windkraftprojekten müsse gewährleistet bleiben, da ansonsten Investitionen, Versorgungssicherheit und Arbeitsplätze gefährdet würden.

Die Länder fordern unter anderem zusätzliche Ausschreibungen für Windenergie an Land. Vorgesehen sind Sonderausschreibungen im Umfang von 12.000 MW bis 2030 aus dem Klimaschutzprogramm der Bundesregierung vom März 2026. Hinzu kommen sogenannte Resilienzausschreibungen im Rahmen des europäischen Net-Zero Industry Act (NZIA). Außerdem sprechen sich die Länder für einen stärkeren Ausbau der Windenergie in Süddeutschland aus.

Mehr Strom nutzen

Nach Einschätzung des BWE könnte ein regional breiter Ausbau der Windkraft die Systemkosten senken und den Bedarf an Redispatch-Maßnahmen reduzieren. Axthelm verwies darauf, dass laut Verband bereits 96,5 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien genutzt würden. Redispatch lasse sich vor allem durch mehr Windenergie, zusätzliche Speicher und einen beschleunigten Netzausbau verringern.

Er sagte, mit entsprechenden Freiheiten würde Branche gern für mehr Stromnutzung statt Abregelung sorgen. Dies könnte durch Speicher, die Mehrfachnutzung von Netzanschlüssen („Überbauung“) oder Direktabnehmer wie Power-to-Heat oder Elektrolyseure geschehen, noch bevor der Strom ins Netz gehe. Dies werde allerdings noch durch veraltete Vorschriften verhindert, bedauerte Axthelm.

Der Verband fordert deshalb, den Redispatch-Vorbehalt vollständig aus künftigen Gesetzesplänen zu streichen. Stattdessen brauche es bessere Bedingungen für Direktbelieferung, Speicher und langfristige Stromlieferverträge (Power Purchase Agreements, PPA). Zudem spricht sich der Verband für produktionsabhängige Differenzverträge (CfD) als Förderinstrument aus. Axthelm begrüßte Änderungen in der neuen Netzentgeltfestlegung „AgNES“ der Bundesnetzagentur zugunsten des Vertrauensschutzes für bestehende Regelungen.

Im Bereich des Bauplanungsrechts sieht die Branche Nachbesserungsbedarf. Der aktuelle Gesetzentwurf zum Baugesetzbuch enthält neue Regeln für Repowering-Projekte. Künftig soll die Privilegierung nur gelten, wenn neue Anlagen innerhalb von 48 Monaten nach Rückbau der Altanlagen errichtet werden und bestimmte Abstandsregeln eingehalten werden. Für bereits eingereichte Genehmigungsanträge soll eine Übergangsregelung gelten.

Warnung vor chinesischer Übermacht

Positive Signale sieht der BWE in den neuen Koalitionsverträgen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg. Rheinland-Pfalz plant laut Koalitionsvertrag einen jährlichen Ausbau der erneuerbaren Energien von 1.500 MW und will die kommunale Beteiligung stärken. Baden-Württemberg kündigt unter anderem ein Landes-Netzausbau-Beschleunigungsgesetz sowie digitale Verfahren für Artenschutzprüfungen bei Windenergieanlagen an.

Axthelm verwies zudem auf die europäische Industriepolitik und die wachsende Konkurrenz aus China. Nach Angaben des BWE kontrollierten chinesische Hersteller im Jahr 2024 mehr als 80 Prozent des weltweiten Auftragseingangs für Windkraftanlagen. Vestas und Nordex seien die einzigen nicht-chinesischen Unternehmen unter den zehn größten Herstellern. Chinesische Anbieter profitierten von staatlicher Förderung und hätten dadurch Kostenvorteile von 25 bis 35 Prozent.

Der BWE sieht darin nicht nur wirtschaftliche, sondern auch sicherheitspolitische Risiken. Windenergieanlagen seien Teil der kritischen Infrastruktur und dauerhaft digital vernetzt. Die Hersteller hätten deshalb direkten Zugriff auf Steuerungssysteme der Anlagen. Laut Axthelm könnten bereits drei Turbinen durch Netzschwingungen regionale Stromausfälle verursachen. Diese Gefahr müsse die EU abwenden.

Freitag, 29.05.2026, 13:59 Uhr
Susanne Harmsen
Energie & Management > Veranstaltung - Windbranche fordert Kurskorrektur vom Bund
BWE-Geschäftsführer Wolfram Axthelm beim Policy-Briefing. Quelle: Susanne Harmsen
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Windbranche fordert Kurskorrektur vom Bund
Der Bundesverband Windenergie (BWE) fordert nach der Energieministerkonferenz Änderungen am EEG 2027 und schnellere Netzanbindungen.
Ein Jahr nach Amtsantritt der Bundesregierung hat der Bundesverband Windenergie (BWE) eine Zwischenbilanz der Energiepolitik gezogen. Im Rahmen des Policy Briefings am 29. Mai forderte BWE-Geschäftsführer Wolfram Axthelm Änderungen am geplanten EEG 2027 sowie am angekündigten Netzanschlusspaket. Aus Sicht der Branche seien Rahmenbedingungen notwendig, die Investitionen absichern, die Wertschöpfung ausbauen und Energiekosten dauerhaft senken.

Rückenwind erhielt die Branche von der Energieministerkonferenz in der vergangenen Woche. Diese sprach sich für einen stärkeren Ausbau der Windenergie aus und bekannte sich zu den bestehenden Ausbauzielen. Zudem lehnten die Länder den geplanten Redispatch-Vorbehalt ab. Dieses Instrument soll den Netzbetreibern ermöglichen, den Netzanschluss neuer Erneuerbare-Energien-Anlagen bei drohenden Netzengpässen einzuschränken.

Sonderausschreibungen gefordert

BWE-Präsidentin Bärbel Heidebroek begrüßte die Beschlüsse der Länder. Neue Unsicherheiten oder ein Ausbaustopp wären aus ihrer Sicht angesichts der Energiekrisen der vergangenen Jahre ein falsches Signal. Die Finanzierbarkeit von Windkraftprojekten müsse gewährleistet bleiben, da ansonsten Investitionen, Versorgungssicherheit und Arbeitsplätze gefährdet würden.

Die Länder fordern unter anderem zusätzliche Ausschreibungen für Windenergie an Land. Vorgesehen sind Sonderausschreibungen im Umfang von 12.000 MW bis 2030 aus dem Klimaschutzprogramm der Bundesregierung vom März 2026. Hinzu kommen sogenannte Resilienzausschreibungen im Rahmen des europäischen Net-Zero Industry Act (NZIA). Außerdem sprechen sich die Länder für einen stärkeren Ausbau der Windenergie in Süddeutschland aus.

Mehr Strom nutzen

Nach Einschätzung des BWE könnte ein regional breiter Ausbau der Windkraft die Systemkosten senken und den Bedarf an Redispatch-Maßnahmen reduzieren. Axthelm verwies darauf, dass laut Verband bereits 96,5 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien genutzt würden. Redispatch lasse sich vor allem durch mehr Windenergie, zusätzliche Speicher und einen beschleunigten Netzausbau verringern.

Er sagte, mit entsprechenden Freiheiten würde Branche gern für mehr Stromnutzung statt Abregelung sorgen. Dies könnte durch Speicher, die Mehrfachnutzung von Netzanschlüssen („Überbauung“) oder Direktabnehmer wie Power-to-Heat oder Elektrolyseure geschehen, noch bevor der Strom ins Netz gehe. Dies werde allerdings noch durch veraltete Vorschriften verhindert, bedauerte Axthelm.

Der Verband fordert deshalb, den Redispatch-Vorbehalt vollständig aus künftigen Gesetzesplänen zu streichen. Stattdessen brauche es bessere Bedingungen für Direktbelieferung, Speicher und langfristige Stromlieferverträge (Power Purchase Agreements, PPA). Zudem spricht sich der Verband für produktionsabhängige Differenzverträge (CfD) als Förderinstrument aus. Axthelm begrüßte Änderungen in der neuen Netzentgeltfestlegung „AgNES“ der Bundesnetzagentur zugunsten des Vertrauensschutzes für bestehende Regelungen.

Im Bereich des Bauplanungsrechts sieht die Branche Nachbesserungsbedarf. Der aktuelle Gesetzentwurf zum Baugesetzbuch enthält neue Regeln für Repowering-Projekte. Künftig soll die Privilegierung nur gelten, wenn neue Anlagen innerhalb von 48 Monaten nach Rückbau der Altanlagen errichtet werden und bestimmte Abstandsregeln eingehalten werden. Für bereits eingereichte Genehmigungsanträge soll eine Übergangsregelung gelten.

Warnung vor chinesischer Übermacht

Positive Signale sieht der BWE in den neuen Koalitionsverträgen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg. Rheinland-Pfalz plant laut Koalitionsvertrag einen jährlichen Ausbau der erneuerbaren Energien von 1.500 MW und will die kommunale Beteiligung stärken. Baden-Württemberg kündigt unter anderem ein Landes-Netzausbau-Beschleunigungsgesetz sowie digitale Verfahren für Artenschutzprüfungen bei Windenergieanlagen an.

Axthelm verwies zudem auf die europäische Industriepolitik und die wachsende Konkurrenz aus China. Nach Angaben des BWE kontrollierten chinesische Hersteller im Jahr 2024 mehr als 80 Prozent des weltweiten Auftragseingangs für Windkraftanlagen. Vestas und Nordex seien die einzigen nicht-chinesischen Unternehmen unter den zehn größten Herstellern. Chinesische Anbieter profitierten von staatlicher Förderung und hätten dadurch Kostenvorteile von 25 bis 35 Prozent.

Der BWE sieht darin nicht nur wirtschaftliche, sondern auch sicherheitspolitische Risiken. Windenergieanlagen seien Teil der kritischen Infrastruktur und dauerhaft digital vernetzt. Die Hersteller hätten deshalb direkten Zugriff auf Steuerungssysteme der Anlagen. Laut Axthelm könnten bereits drei Turbinen durch Netzschwingungen regionale Stromausfälle verursachen. Diese Gefahr müsse die EU abwenden.

Freitag, 29.05.2026, 13:59 Uhr
Susanne Harmsen

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