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Energie & Management > E&M Vor 20 Jahren - Vor dem Sparen kommt das Messen
Quelle: Fotolia / bluedesign
E&M Vor 20 Jahren

Vor dem Sparen kommt das Messen

Die günstigste Kilowattstunde ist die, die nicht verbraucht wird. Das war schon vor 20 Jahren ein Thema in der Industrie und bei Energieversorgern.
Im Jahr 2003 war die Vertriebslogik der Energieversorger noch vom Kilowattstundenverkauf geprägt. Doch nach und nach setzte sich die Erkenntnis bei den Energieversorgern durch, dass auch die Energieeffizienz, etwa mit Contracting, ein wichtiges Geschäftsfeld sein kann – und letztlich dem Klimaschutz dient. Dass dies vor allem ein datenbasiertes Geschäft sein würde, hatte die EU-Kommission erkannt. E&M-Redakteur Armin Müller berichtete damals über deren Programm „SAVE“ zur Energieeffizienz.
 
Oft lässt sich mit geringen Investitionen in Industriebetrieben ein beträchtliches Sparpotential bei elektrischer Energie und bei den Stromkosten erschließen. Dies ist ein erstes Ergebnis des von der EU geförderten Projektes „Telemeter“, bei dem von deutscher Seite die MVV Energie AG in Mannheim teilnimmt.
 
Gestartet wurde das Projekt im April 2001, nach zwei Jahren Laufzeit liegen jetzt erste Ergebnisse vor. Beteiligt sind neben den Mannheimern Partner aus Portugal und Spanien, so etwa die Universität im portugiesischen Coimbra und die Energieversorger Electricidade de Portugal und Iberdrola aus Spanien. Die Projektkosten summierten sich auf insgesamt 360.000 Euro. Davon hat die Europäische Union 41 Prozent übernommen. Den Rest teilen sich die Partner.
 
Bei der EU ist „Telemeter“ Teil des SAVE-Programms, in dessen Rahmen durch verschiedene Projekte die Energieeffizienz in Industrie, Kommunen und Haushalten vergrößert werden soll.

Um möglichen Energiespar-Potenzialen auf die Spur zu kommen, befragte man insgesamt 200 Industrieunternehmen aus den drei beteiligten Ländern (100 davon in Deutschland) über ihren Energieverbrauch und erfasste ihre Stromverbrauchs-Daten. Dazu wurden per Zählerfernauslesung die Verbrauchsdaten gesammelt, aufbereitet und mit zusätzlichen Informationen über Möglichkeiten zur Verbrauchsbeeinflussung (Demand Side Management, DSM) den Kunden zur Verfügung gestellt.
 
Durch die transparente grafische Darstellung des Stromverbrauchs konnte man Sparpotentiale, die sich etwa aus dem zeitversetzten Einschalten von Maschinen ergeben, aufdecken. In dem Projekt ging es aber nicht nur um die Kosten-Reduktion durch die Lastbeeinflussung, sondern durchaus auch um das Senken des Stromverbrauchs und der CO2-Emissionen.
 
Den Test-Unternehmen wurde nach der ersten Bestandsaufnahme angeboten, die Struktur ihres Energiebezuges und die Einspar-Möglichkeiten näher zu untersuchen. Bei insgesamt vier Betrieben in Deutschland und bei einem kommunalen Gebäude-Pool analysierten die Energie-Spezialisten des MVV das DSM-Potenzial detailliert, in zwei Projekten hat man bisher die gefundenen Einspar-Möglichkeiten auch konkret erschlossen, erläuterte Bodo Kleinevoß, Telemeter-Projektleiter bei MVV, bei der Vorstellung des Projektes und seiner Ergebnisse. 

Kaum noch kompetente Ansprechpartner in den Betrieben
 
Auf Möglichkeiten, den Stromverbrauch zu senken, stießen die Fachleute in fast jedem der untersuchten Betriebe – allerdings lassen sich nicht alle Einspar-Potenziale mit einer kurzen Amortisationszeit realisieren. So gut wie immer kann man die Energieausbeute bei der Beleuchtung und bei der Produktion von Druckluft verbessern. Oft reicht es schon, wenn die Luft außerhalb der Gebäude angesaugt wird und damit möglichst kühl ist; umgekehrt lässt sich die warme Abluft der Kompressoren für die Heizung der Hallen verwenden. Für derartige Maßnahmen fallen meist allenfalls niedrige Investitions-Kosten an.
 
Einspar-Möglichkeiten unterschiedlicher Größenordnung fanden sich in allen vier von MVV näher untersuchten Industrie-Projekten. Ohne Investitionskosten ließ sich in drei Projekten ein Teil des Strombedarfs senken, mit niedrigen Umbau-Kosten könnte man in allen vier Projekten Sparpotenziale erschließen.
 
Nach wie vor sind nach den Beobachtungen von Kleinevoß und seinen Projekt-Mitarbeitern die Kenntnisse in den Betrieben über die Möglichkeiten Energie einzusparen, gering. Auch bleiben Potenziale dann unberücksichtigt, wenn sie längere Amortisationszeiten als etwa drei Jahre haben.
 
Ein zusätzliches Problem, aber auch eine sich daraus ergebende Chance für die Energieversorger, sieht Kleinevoß in dem Personalabbau bei den Unternehmen: Künftig wird es dort nach seiner Einschätzung kaum noch kompetente Ansprechpartner für die Belange der Energieversorgung geben; bei einer Anlagenerneuerung oder bei Optimierungen werde der Aufwand für die Voruntersuchungen deswegen immer größer. Hieraus können sich aber Chancen für Energieversorger ergeben, wenn sie sich rechtzeitig als Energiedienstleister positionieren, meinte Kleinevoß.
 
Ein Projekt, dessen Einspar-Potenzial MVV konkret erschließen wird und das über Contracting finanziert wird, besteht aus DSM-Maßnahmen bei einem Gebäude-Pool von 30 Schulen und Kindertagesstätten in Berlin-Friedrichshain. Dort will man die Energiekosten um etwa 20 Prozent senken und die dazu nötigen Investitionen aus der Einsparung refinanzieren. Dazu wurden zunächst die Gebäude modernisiert (Außenhülle und Heizungsanlage sowie die Beleuchtung). Jetzt wird mittels Fernablesung und detaillierter Energieberichte der tatsächliche Verbrauch laufend überwacht und auch mittels Software gesteuert, mit dem Ausgangswert und dem des Vorjahres-Monats verglichen und weiter gesenkt. Die Ziele sind ehrgeizig: Der Wärmeverbrauch soll durch Optimierung und Überwachung um 26 Prozent sinken, der Stromverbrauch in den 30 Gebäuden um 10 Prozent und der CO2-Ausstoß um über 20 Prozent.

Freitag, 12.05.2023, 13:29 Uhr
Armin Mller
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Vor dem Sparen kommt das Messen
Die günstigste Kilowattstunde ist die, die nicht verbraucht wird. Das war schon vor 20 Jahren ein Thema in der Industrie und bei Energieversorgern.
Im Jahr 2003 war die Vertriebslogik der Energieversorger noch vom Kilowattstundenverkauf geprägt. Doch nach und nach setzte sich die Erkenntnis bei den Energieversorgern durch, dass auch die Energieeffizienz, etwa mit Contracting, ein wichtiges Geschäftsfeld sein kann – und letztlich dem Klimaschutz dient. Dass dies vor allem ein datenbasiertes Geschäft sein würde, hatte die EU-Kommission erkannt. E&M-Redakteur Armin Müller berichtete damals über deren Programm „SAVE“ zur Energieeffizienz.
 
Oft lässt sich mit geringen Investitionen in Industriebetrieben ein beträchtliches Sparpotential bei elektrischer Energie und bei den Stromkosten erschließen. Dies ist ein erstes Ergebnis des von der EU geförderten Projektes „Telemeter“, bei dem von deutscher Seite die MVV Energie AG in Mannheim teilnimmt.
 
Gestartet wurde das Projekt im April 2001, nach zwei Jahren Laufzeit liegen jetzt erste Ergebnisse vor. Beteiligt sind neben den Mannheimern Partner aus Portugal und Spanien, so etwa die Universität im portugiesischen Coimbra und die Energieversorger Electricidade de Portugal und Iberdrola aus Spanien. Die Projektkosten summierten sich auf insgesamt 360.000 Euro. Davon hat die Europäische Union 41 Prozent übernommen. Den Rest teilen sich die Partner.
 
Bei der EU ist „Telemeter“ Teil des SAVE-Programms, in dessen Rahmen durch verschiedene Projekte die Energieeffizienz in Industrie, Kommunen und Haushalten vergrößert werden soll.

Um möglichen Energiespar-Potenzialen auf die Spur zu kommen, befragte man insgesamt 200 Industrieunternehmen aus den drei beteiligten Ländern (100 davon in Deutschland) über ihren Energieverbrauch und erfasste ihre Stromverbrauchs-Daten. Dazu wurden per Zählerfernauslesung die Verbrauchsdaten gesammelt, aufbereitet und mit zusätzlichen Informationen über Möglichkeiten zur Verbrauchsbeeinflussung (Demand Side Management, DSM) den Kunden zur Verfügung gestellt.
 
Durch die transparente grafische Darstellung des Stromverbrauchs konnte man Sparpotentiale, die sich etwa aus dem zeitversetzten Einschalten von Maschinen ergeben, aufdecken. In dem Projekt ging es aber nicht nur um die Kosten-Reduktion durch die Lastbeeinflussung, sondern durchaus auch um das Senken des Stromverbrauchs und der CO2-Emissionen.
 
Den Test-Unternehmen wurde nach der ersten Bestandsaufnahme angeboten, die Struktur ihres Energiebezuges und die Einspar-Möglichkeiten näher zu untersuchen. Bei insgesamt vier Betrieben in Deutschland und bei einem kommunalen Gebäude-Pool analysierten die Energie-Spezialisten des MVV das DSM-Potenzial detailliert, in zwei Projekten hat man bisher die gefundenen Einspar-Möglichkeiten auch konkret erschlossen, erläuterte Bodo Kleinevoß, Telemeter-Projektleiter bei MVV, bei der Vorstellung des Projektes und seiner Ergebnisse. 

Kaum noch kompetente Ansprechpartner in den Betrieben
 
Auf Möglichkeiten, den Stromverbrauch zu senken, stießen die Fachleute in fast jedem der untersuchten Betriebe – allerdings lassen sich nicht alle Einspar-Potenziale mit einer kurzen Amortisationszeit realisieren. So gut wie immer kann man die Energieausbeute bei der Beleuchtung und bei der Produktion von Druckluft verbessern. Oft reicht es schon, wenn die Luft außerhalb der Gebäude angesaugt wird und damit möglichst kühl ist; umgekehrt lässt sich die warme Abluft der Kompressoren für die Heizung der Hallen verwenden. Für derartige Maßnahmen fallen meist allenfalls niedrige Investitions-Kosten an.
 
Einspar-Möglichkeiten unterschiedlicher Größenordnung fanden sich in allen vier von MVV näher untersuchten Industrie-Projekten. Ohne Investitionskosten ließ sich in drei Projekten ein Teil des Strombedarfs senken, mit niedrigen Umbau-Kosten könnte man in allen vier Projekten Sparpotenziale erschließen.
 
Nach wie vor sind nach den Beobachtungen von Kleinevoß und seinen Projekt-Mitarbeitern die Kenntnisse in den Betrieben über die Möglichkeiten Energie einzusparen, gering. Auch bleiben Potenziale dann unberücksichtigt, wenn sie längere Amortisationszeiten als etwa drei Jahre haben.
 
Ein zusätzliches Problem, aber auch eine sich daraus ergebende Chance für die Energieversorger, sieht Kleinevoß in dem Personalabbau bei den Unternehmen: Künftig wird es dort nach seiner Einschätzung kaum noch kompetente Ansprechpartner für die Belange der Energieversorgung geben; bei einer Anlagenerneuerung oder bei Optimierungen werde der Aufwand für die Voruntersuchungen deswegen immer größer. Hieraus können sich aber Chancen für Energieversorger ergeben, wenn sie sich rechtzeitig als Energiedienstleister positionieren, meinte Kleinevoß.
 
Ein Projekt, dessen Einspar-Potenzial MVV konkret erschließen wird und das über Contracting finanziert wird, besteht aus DSM-Maßnahmen bei einem Gebäude-Pool von 30 Schulen und Kindertagesstätten in Berlin-Friedrichshain. Dort will man die Energiekosten um etwa 20 Prozent senken und die dazu nötigen Investitionen aus der Einsparung refinanzieren. Dazu wurden zunächst die Gebäude modernisiert (Außenhülle und Heizungsanlage sowie die Beleuchtung). Jetzt wird mittels Fernablesung und detaillierter Energieberichte der tatsächliche Verbrauch laufend überwacht und auch mittels Software gesteuert, mit dem Ausgangswert und dem des Vorjahres-Monats verglichen und weiter gesenkt. Die Ziele sind ehrgeizig: Der Wärmeverbrauch soll durch Optimierung und Überwachung um 26 Prozent sinken, der Stromverbrauch in den 30 Gebäuden um 10 Prozent und der CO2-Ausstoß um über 20 Prozent.

Freitag, 12.05.2023, 13:29 Uhr
Armin Mller

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