Der Deutsche Reichstag in Berlin. Quelle: Shutterstock / canadastock
Mehrere Energie- und Branchenverbände kritisieren den Entwurf zum Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG). Sie sehen Risiken für Klimaziele, Investitionen und die kommunale Wärmeplanung.
Der Referentenentwurf für das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) stößt in der Energie- und Heizungsbranche auf breite Kritik. Mehrere Verbände begrüßen zwar die geplante Vereinfachung des Rechtsrahmens, warnen aber zugleich vor Rückschritten bei der Wärmewende und mangelnder Investitionssicherheit.
Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) bewertet insbesondere die geplanten Vereinfachungen bei der Heizungsmodernisierung positiv. Laut BDEW erfüllt die Bundesregierung damit eine zentrale Forderung der Branche. Zugleich fehle jedoch weiterhin ein verbindlicher und rechtssicherer Dekarbonisierungspfad für den Gebäudesektor.
Wacklige BiogastreppeKritisch sieht der Verband vor allem die sogenannte „Bio-Treppe“ beziehungsweise die geplante Grüngasquote ab 2028. Diese sei bislang lediglich angekündigt, aber nicht konkret ausgestaltet. Der BDEW fordert deshalb Klarheit über die vorgesehenen Minderungen von Treibhausgasen sowie über die künftig verfügbaren Mengen an Biomethan. Ohne belastbare Biomethan-Strategie seien weder ausreichende Mengen noch Preisentwicklungen abschätzbar.
Nach Einschätzung des BDEW müssen zudem die Reform des Gebäudeenergiegesetzes, die kommunale Wärmeplanung, die Entwicklung der Gasnetze sowie die künftige Fernwärmeregulierung stärker miteinander verzahnt werden. Andernfalls drohten Fehlinvestitionen und parallele Infrastrukturen. Die kommunale Wärmeplanung könne ihre Steuerungsfunktion nur erfüllen, wenn ihre Ergebnisse auch rechtlich verbindlich abgesichert würden.
Europäische Vorgaben nicht erfüllt
Auch der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) sieht deutliche Schwächen im Gesetzentwurf. BEE-Präsidentin Ursula Heinen-Esser kritisiert insbesondere die Ausgestaltung der „Bio-Treppe“. Diese sehe bis 2040 lediglich einen Anteil von 60 Prozent erneuerbarer Energien in neu installierten Heizungen vor und bleibe hinter den europäischen Klimavorgaben zurück. Die Regelungen zur Kaskadennutzung von Holz seien dagegen aus Sicht des Verbandes überreguliert.
Heinen-Esser warnt zudem davor, dass fossile Heizungen nach dem aktuellen Entwurf weiterhin unbegrenzt betrieben werden könnten. Das bisher vorgesehene Verbot fossiler Heizungen ab 2045 müsse aus Sicht des Verbandes erhalten bleiben, um die Klimaziele zu erreichen. Problematisch seien außerdem die niedrigen Anforderungen an Hybridheizungen. Nach den derzeitigen Vorgaben müssten diese bis 2035 lediglich 15 Prozent der Wärme aus erneuerbaren Quellen bereitstellen.
Fernwärme benachteiligtDer Branchenverband AGFW, der die Fernwärmewirtschaft vertritt, sieht durch den Gesetzentwurf Nachteile für Wärmenetze. AGFW-Geschäftsführer Frank Mattat fordert vergleichbare Rahmenbedingungen für alle Technologien der Wärmeversorgung. Wärmenetze würden im aktuellen Entwurf strukturell benachteiligt.
Der Verband spricht sich zugleich gegen eine Übererfüllung europäischer Vorgaben aus. Nationale Regelungen müssten praktikabel und investitionsfreundlich ausgestaltet werden, damit die Wärmewende nicht durch zusätzliche Komplexität gebremst werde.
Bioenergie und Wärmepumpen schlechter gestelltAuch die Bioenergieverbände im Hauptstadtbüro Bioenergie (HBB) verlangen Nachbesserungen. Sie fordern eine verbindliche Grüngasquote direkt im Gesetz. Laut HBB-Chefin Sandra Rostek brauche die Branche klare politische Leitplanken für Investitionen in erneuerbare Gase. Außerdem müsse die sogenannte Bio-Treppe auch auf Öl- und Gasheizungen angewendet werden, die seit Anfang 2024 installiert wurden.
Der Bundesverband Wärmepumpe (BWP) sieht im Gesetzentwurf ebenfalls Rückschritte gegenüber dem bisherigen Gebäudeenergiegesetz. BWP-Geschäftsführer Martin Sabel kritisiert vor allem die abgesenkten Anforderungen an neue Heizungen. Statt der bisherigen Vorgabe von 65 Prozent erneuerbarer Energien drohten deutlich niedrigere Mindestanteile.
Nach Angaben des BWP war seit 2025 jede zweite neu installierte Heizung eine Wärmepumpe. Der aktuelle Gesetzentwurf gefährde diese Entwicklung und schaffe neue Rechts- und Planungsunsicherheit für Industrie, Handwerk und Verbraucher.
Dienstag, 12.05.2026, 11:55 Uhr
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