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Eine Studie von Epico und FFE zeigt, dass der EU-Emissionshandel allein nicht zur Klimaneutralität reicht. Gefordert wird ein ergänzender Politikmix.
Der europäische Emissionshandel könne nach der Analyse „The New Economics of Net Zero“ des Berliner Thinktanks Epico einen großen Teil der notwendigen Emissionsminderungen anstoßen. Für die vollständige Klimaneutralität der Europäischen Union bis 2050 reichten die CO2-Preissignale allein jedoch nicht aus. Das geht aus einer gemeinsam mit der Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FFE) erstellten Studie hervor.
Die Autoren haben dafür 128 Dekarbonisierungsmaßnahmen in den Bereichen Energieversorgung, Gebäude, Verkehr und Industrie untersucht. Die Studie basiert auf einer sogenannten Marginal Abatement Cost Curve (MACC), also einer Kurve der Grenzkosten der Emissionsminderung. Sie ordnet Maßnahmen danach, wie viel CO2 sie einsparen können und welche Kosten je vermiedener Tonne entstehen. Die Analyse soll zeigen, mit welchen Maßnahmen sich die Emissionen bis 2050 möglichst kosteneffizient reduzieren lassen.
CO2-Preis stößt an GrenzenLaut Epico und FFE könnte ein CO2-Preis von rund 200 Euro je Tonne CO2 wirtschaftliche Anreize für etwa 75
Prozent des erforderlichen Minderungspotenzials schaffen. Die derzeitigen Preise im EU-Emissionshandel für Energie und Industrie (EU-ETS I) von rund 80
Euro je Tonne CO2 sowie die für den Emissionshandel für Gebäude und Verkehr (EU-ETS II) erwarteten Preise von rund 45
Euro stießen bei einem Minderungsgrad von mehr als etwa 50
Prozent des Gesamtpotenzials an Grenzen.
Damit bleibe der Emissionshandel ein zentrales Instrument der europäischen Klimapolitik, müsse aber durch weitere Maßnahmen ergänzt werden. Epico und FFE nennen unter anderem Investitionen in Infrastruktur, gezielte Investitions- und Betriebskostenförderung, Leitmärkte für klimafreundliche Produkte sowie einen wirksamen CO2-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM).
Wasserstoff braucht StarthilfeBesonders relevant ist laut Studie der Ausbau der Infrastruktur für Wasserstoff und CO2. Wasserstoffnetze sowie Transport- und Speicherinfrastruktur für CO2 sollen Investitionen in Wasserstofftechnologien und Carbon Capture and Storage (CCS) ermöglichen. Ohne entsprechende Infrastruktur könnten selbst wirtschaftlich grundsätzlich geeignete Technologien nicht ausreichend zum Einsatz kommen.
Anders stellt sich die Situation bei Wasserstoff dar. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass ein CO2-Preis allein nicht ausreicht, um wasserstoffbasierte Anwendungen wirtschaftlich zu machen. Für grünen Wasserstoff erwarten die Autoren im Jahr 2050 einen Preis, der etwa dem Vierfachen des Erdgaspreises entspricht.
Selbst ein CO2-Preis von rund 200
Euro je Tonne würde demnach nicht automatisch Kostengleichheit mit etablierten Technologien herstellen. Die Studie empfiehlt deshalb zusätzlich eine gezielte Unterstützung der Betriebskosten, um Geschäftsmodelle für Wasserstoff zu ermöglichen und den Markthochlauf zu beschleunigen.
Unterstützung für die IndustrieFür die Industrie identifiziert die Analyse Recycling als eine vergleichsweise kostengünstige Minderungsoption. Auch die Elektrifizierung industrieller Prozesse könne einen erheblichen Beitrag leisten. Je nach Technologie könnten CO2-Preise zwischen etwa 90 und mehr als 200
Euro je Tonne Anreize für einen Wechsel schaffen. Allerdings könnten die absoluten Kosten insbesondere bei energieintensiven Prozessen gegenüber dem Status quo steigen.
Für schwer elektrifizierbare Anwendungen und als industrieller Rohstoff soll nachhaltige Biomasse nach Ansicht der Autoren gezielt eingesetzt werden. Dabei sollten Rest- und Abfallstoffe stärker genutzt und Stoffkreisläufe geschlossen werden.
Bei der Abscheidung prozessbedingter CO2-Emissionen sei wiederum der Aufbau einer Transport- und Speicherinfrastruktur entscheidend. Nach Angaben der Studienautoren könnten bestimmte Oxyfuel-Abscheideverfahren bereits bei CO2-Preisen um 70
Euro je Tonne wirtschaftliche Anreize erhalten. Andere Verfahren wie die Aminwäsche könnten im Jahr 2050 etwa 140
Euro je Tonne benötigen. Die Kosten für Transport und Speicherung seien darin noch nicht enthalten und könnten die Vermeidungskosten deutlich erhöhen.
Epico und FFE sehen deshalb einen Bedarf für gezielte Förderinstrumente. Carbon Contracts for Difference (CfD), also Klimaschutzverträge, könnten die zusätzlichen Betriebskosten in einer Übergangsphase ausgleichen. Entscheidend sei dabei, öffentliche Unterstützung auf Bereiche zu konzentrieren, in denen reine Preissignale keine ausreichenden Investitionsanreize schaffen.
Der
Policy Report: The New Economics of Net Zero steht in englischer Sprache als PDF zum Download bereit.
(sh)
Mittwoch, 19.08.2026, 11:17 Uhr
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