Quelle: E&M
In Erfurt beginnt die Suche nach tiefengeothermischen Wärmequellen. Dabei handelt es sich um eine der größten Untersuchungen in Thüringen.
Die Stadtwerke Erfurt starten in den kommenden Tagen mit einer großflächigen geophysikalischen Untersuchung zur Erkundung von Tiefengeothermie, wie sie vergangenen November angekündigt hatten (wir berichteten). Mittels 3-D-Seismik soll ein detailliertes Bild der geologischen Strukturen unter der thüringischen Landeshauptstadt entstehen. Die seismischen Untersuchungen gehören zu den größten, „die jemals in Thüringen durchgeführt wurden“, teilte das Unternehmen mit.
Ziel der Untersuchungen ist es, ein dreidimensionales Modell der Gesteinsschichten unter Erfurt zu erstellen. Danach wollen die Stadtwerke entscheiden, ob und an welchen Standorten sich Tiefbohrungen für die Nutzung von Erdwärme eignen. Die Tiefengeothermie soll perspektivisch in die Fernwärmeversorgung der Stadt eingebunden werden.
Für die Messungen kommen insgesamt 17 Vibrationsfahrzeuge, sogenannte Vibro-Trucks, zum Einsatz. Die Fahrzeuge erzeugen für wenige Sekunden kontrollierte Schwingungen im Untergrund. Rund 20.000 Sensoren − Geophone − registrieren die reflektierten Signale. Aus den aufgezeichneten Daten wird anschließend ein digitales 3D-Modell des Untergrunds berechnet. Die Untersuchungen reichen dabei bis in Tiefen von 7.000 Metern.
Das Messgebiet umfasst rund 136 Quadratkilometer und erstreckt sich nach Angaben der Stadtwerke über das gesamte Stadtgebiet von Erfurt sowie angrenzende Bereiche umliegender Gemeinden. „Insgesamt werden bis zu 700 Kilometer Messstrecke abgefahren und circa 15.000 Messungen durchgeführt.“ Die Geophone werden im Gelände ausgelegt, um die vom Untergrund zurückgeworfenen Schallwellen aufzuzeichnen.
Kosten in Millionenenhöhe
Die Messarbeiten mit den Vibro-Trucks sind auf etwa acht Wochen angelegt. „Gearbeitet wird überwiegend tagsüber, nur in begründeten Ausnahmefällen kann es zu Abend- oder Nachtmessungen kommen.“ An Sonn- und Feiertagen seien keine Messarbeiten geplant.
Die Auswertung der Messdaten soll bis Ende 2026 abgeschlossen sein. Erst danach entscheiden die Stadtwerke über weitere Schritte. Eine erste Erkundungsbohrung könnte frühestens 2028 erfolgen. Ziel des Vorhabens ist langfristig der Bau einer Geothermieanlage, die Wärme für das Fernwärmenetz der thüringischen Landeshauptstadt bereitstellt.
Das Projektvolumen der Untersuchungen liegt bei rund 5,8 Millionen Euro. Davon stammen etwa 2,4 Millionen Euro aus Fördermitteln des Bundeswirtschaftsministeriums. Die übrigen 3,4 Millionen Euro finanzieren die Stadtwerke aus eigenen Mitteln.
Freitag, 13.03.2026, 14:25 Uhr
Stefan Sagmeister
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