Ein Speicher in Rubensdorf. Quelle: Karin Lohberger Photography
Die Gasspeicherstände erregen die Gemüter in Branche und Politik. Eine Sonderausschreibung langfristiger Ausspeicheroptionen durch Marktgebietsbetreiber THE soll Regelenergie sichern.
In den letzten Tagen war bei Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) und Bundesnetzagentur-Chef Klaus Müller Gleichmut wahrzunehmen. Die sich schnell leerenden Gasspeicher seien kein Anlass zur Sorge, betonten sie unabhängig voneinander. Eine Sicherheitsmaßnahme ist gleichwohl in Absprache mit Ministerium und Regulierungsbehörde inzwischen aktiviert.
Der Marktbetreiber Trading Hub Europe (THE) hat zu Beginn des Monats Februar bekanntgegeben, kurzfristige Sonderausschreibungen für externe Regelenergie über langfristige Ausspeicheroptionen (LTO) durchzuführen. Angebote für die benötigte Leistung aus Speichern für Ost- und Süddeutschland nimmt THE noch bis zum 10. Februar an, der Zuschlag soll am 12. Februar erfolgen.
Die Leistungszeiträume sind die zweite Februar- und die erste März-Hälfte. THE wolle durch die Ausschreibungen sicherstellen, dass ausreichend lokale Regelenergie auch in Hochlastszenarien zur Verfügung steht, heißt es in einer Mitteilung.
Unterdessen rückt die Bundestagsfraktion der Grünen Wirtschaftsministerin Reiche vor dem Hintergrund niedriger Gasspeicherstände und steigender Gaspreise ins Zentrum ihrer Kritik. Reiche schaffe neue „Verwundbarkeiten“ durch die Abhängigkeit von fossilem Gas, so die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, Julia Verlinden. Es sei ein Widerspruch, mehr Energiesicherheit zu fordern und gleichzeitig „wichtige Sicherheitsinstrumente wie das Gebäudeenergiegesetz und die EU-Gebäuderichtlinie in Frage“ zu stellen.
Verlinden fordert Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) auf, sich in Brüssel für die endgültige Rücknahme der Milliardenzusagen an die USA für LNG-Importe einzusetzen. Ferner solle das Gebäudeenergiegesetz, das beim Betrieb von Heizungen einen Erneuerbare-Energien-Anteil von 65 Prozent vorgibt, erhalten bleiben.
Der energiepolitische Sprecher der Grünen, Michael Kellner, spricht davon, dass Reiche ihre „Winter-Wette“ verloren habe, weil sie vor Beginn der Heizperiode eine geringere Befüllung der Speicher zugelassen habe als sonst üblich.
Kellner sagt voraus, dass die Füllstände „in wenigen Tagen“ unter 20 Prozent sinken würden. Dies sei vor allem für die Wiederbefüllung mit Blick auf die nächste Heizperiode eine Herausforderung. Die Regierung solle nun die Regeln für das Einspeichern überprüfen. Es sei sicherzustellen, dass Gasversorger rechtzeitig und zu guten Preisen Speicherkapazitäten nutzten.
Auch das Praxisforum Geothermie Bayern, eine Plattform und Veranstaltungsreihe von Experten, sieht in der aktuellen Situation eine „Notlage“, zitiert den Begriff „Zitterspiel“ und schreibt von „Alarm schlagenden“ Experten. Als Gegenentwurf zum Gas, das in Bayern noch für mehr als 40 Prozent der Haushalte als Wärmequelle dient, bringt das Praxisforum den flächendeckenden Ausbau der Tiefengeothermie in Erinnerung.
Die bayerische Landesregierung habe im Masterplan Geothermie das Potenzial der Geothermie mit bis zu 40 Prozent des gesamten Wärmebedarfs im Freistaat beziffert. „Alle Probleme, die wir gerade bei der Erdgasversorgung sehen, lassen sich mit dem Einsatz der Tiefengeothermie für immer aus der Welt schaffen“, so Jochen Schneider, Veranstalter des Praxisforums, laut einer Mitteilung.
Freitag, 6.02.2026, 16:28 Uhr
Volker Stephan
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