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Energie & Management > Wirtschaft - So viel verdienten die Chefs dreier großer Stadtwerke
Quelle: Fotolia / caruso13
Wirtschaft

So viel verdienten die Chefs dreier großer Stadtwerke

Die Zeppelin-Universität hat Gehälter der Topmanager von Stadtwerken und anderen öffentlichen Unternehmen mit denen beim Südwestrundfunk verglichen.
Vorstände und Geschäftsführer von Stadtwerken und anderen kommunalen Energieversorgern haben 2021 als einzige kommunale Vergleichsgruppe im Schnitt mehr verdient als das Topmanagement des SWR.

Das ist eines der Ergebnisse einer Folgestudie der Zeppelin-Universität in Friedrichshafen über Gehaltsniveaus, Altersversorgung und deren Transparenz. Autoren sind Ulf Papenfuß und zwei andere Wissenschaftler der ZU. Auftraggeber war der Südwestrundfunk, der gerade bei der ARD den Vorsitz innehat. Die Untersuchung hat den Titel „Top-Managementvergütung öffentlicher Rundfunkanstalten“.

Papenfuß und Kollegen schöpften aus einer selbst aufgebauten Datenbank mit laufenden und Altersbezügen von mehr als 10.000 Topmanagern aus über 7.000 öffentlichen Unternehmen. Sie enthält öffentlich zugängliche Daten aus Beteiligungsberichten, Geschäftsberichten, Corporate-Governance-Berichten, Vergütungsberichten und Transparenzportalen. Städtische Unternehmen sind ab 30.000 Einwohner berücksichtigt.

Die Verdienste bei Rheinenergie, LVV und Stadtwerke Bonn

Aus dem Fundus wählten die Wissenschaftler öffentliche Vergleichsunternehmen zum SWR aus Branchen, die ihrer Einschätzung nach „für eine vergleichende Beurteilung der Vergütung besonders aufschlussreiche Erkenntnisse liefern, weil sie eine vergleichbare gesellschaftliche Bedeutung besitzen, ähnliche Strukturen und Aufgabenspezifika in den Geschäftsführungsorganen aufweisen und dort ebenfalls ein hohes öffentliches Interesse bezüglich der Top-Managementvergütung vorliegt“.

Ergebnis: Unter den 15 Vergleichsunternehmen befinden sich drei Energieversorger, nämlich die Kölner Rheinenergie, die LVV Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft und die Stadtwerke Bonn.

Der damalige Rheinenergie-Chef Dieter Steinkamp und seine damaligen Vorstandskollegen verdienten 2021 − das ist das Jahr mit den jüngsten verfügbaren Gehaltsdaten − als einzige dieser drei Versorger mehr als der damalige und jetzige SWR-Intendant Kai Gniffke. Steinkamp kam insgesamt auf 814.000 Euro, Gniffke demgegenüber auf 393.000 Euro.

Von Steinkamps sechs damaligen Kollegen, die 2021 nicht alle gleichzeitig im Amt waren, sondern teilweise aufeinander folgten, bekamen vier deutlich mehr als der SWR-Intendant, nämlich mindestens knapp 500.000 Euro, und zwei weniger, und zwar rund 285.000 Euro.

Steinkamp bekam 2021, so T-Online, obendrauf 50.000 Euro als Geschäftsführer der Holding Stadtwerke Köln GmbH und 26.700 Euro als Vorstandsvorsitzender der Gas-, Elektrizitäts- und Wasserwerke Köln AG (GEW) und verdiente damit am meisten unter den damaligen Chefs von Kölner Kommunalunternehmen.

Er hatte damals schon einen Anspruch auf 881.000 Euro jährliche Pension, die er dann im August 2022 antrat. SWR-Intendant Gniffke musste sich dagegen 2021 mit 399.000 Euro Versorgungsanspruch begnügen. Er stand 3.600 Beschäftigten vor, Steinkamp 2.700 Mitarbeitern. Die Umsatzverantwortung für 2,5 Milliarden Euro lässt sich mit der beim SWR allerdings nicht vergleichen, da der Sender nur Millionenerlöse hat und die darin nicht enthaltene Rundfunkgebühr eine fixe Einnahmequelle ist

Bei den Rheinenergie-Vorständen waren allerdings nur 277.000 bis 492.000 Euro fixe, also erfolgsunabhängige Gehaltsbestandteile. Diese gibt es laut Studie in der SWR-Chefetage und der aller anderen öffentlich-rechtlichen Sender nicht. Heißt: Kai Gniffke erhielt 380.000 Euro unabhängig von seiner persönlichen Leistung. 13.000 Euro waren Nebenleistungen. Nur der RBB hatte variable Gehaltsbestandteile, hat diese aber abgeschafft, nachdem die dortige Gehaltsaffäre aufkochte.

​Stadt Leipzig knausriger als die Rheinenergie-Aktionäre

Die Stadt Leipzig war 2021 im Vergleich zum SWR geradezu knausrig zu den vier damaligen Geschäftsführungs-Mitgliedern der LVV: Diese erhielten einzeln zwischen 257.000 und 285.000 Euro Gesamtgehalt. Fix waren davon 220.000 bis 240.000 Euro. Knapp 5.000 LVV-Beschäftigte setzten damals 2,4 Milliarden Euro um.

Nur 20.000 Euro weniger als der SWR-Intendant bezog der damalige Chef der Stadtwerke Bonn, Peter Weckenbrock, der im Juni 2022 in Pension ging und dem dann Olaf Hermes im Amt folgte. Die variablen Anteile betrugen 71.000 Euro. Zur Altersversorgung wurden keine Angaben gemacht. Der zweite Geschäftsführer der Stadtwerke Bonn, Arbeitsdirektor Marco Westphal, brachte vor drei Jahren 301.000 Euro heim. Davon waren 55.000 Euro erfolgsabhängig. 0,5 Milliarden Euro Umsatz wurden damals von 2.500 Beschäftigten erbracht.

Ulf Papenfuß sieht seine Studie als Beitrag zur Versachlichung statt einer Neiddebatte. Es gebe einen Bedarf für alle Träger öffentlicher Unternehmen, „einen Public Corporate Governance Kodex mit klaren Regelungen zur Top-Management-Vergütung und zur Erstellung einer Vergleichsgruppe einzuführen“.

Die 25-seitige Studie ist auf der Website der Universität anzuschauen und herunterzuladen.

Donnerstag, 29.02.2024, 17:42 Uhr
Georg Eble
Energie & Management > Wirtschaft - So viel verdienten die Chefs dreier großer Stadtwerke
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So viel verdienten die Chefs dreier großer Stadtwerke
Die Zeppelin-Universität hat Gehälter der Topmanager von Stadtwerken und anderen öffentlichen Unternehmen mit denen beim Südwestrundfunk verglichen.
Vorstände und Geschäftsführer von Stadtwerken und anderen kommunalen Energieversorgern haben 2021 als einzige kommunale Vergleichsgruppe im Schnitt mehr verdient als das Topmanagement des SWR.

Das ist eines der Ergebnisse einer Folgestudie der Zeppelin-Universität in Friedrichshafen über Gehaltsniveaus, Altersversorgung und deren Transparenz. Autoren sind Ulf Papenfuß und zwei andere Wissenschaftler der ZU. Auftraggeber war der Südwestrundfunk, der gerade bei der ARD den Vorsitz innehat. Die Untersuchung hat den Titel „Top-Managementvergütung öffentlicher Rundfunkanstalten“.

Papenfuß und Kollegen schöpften aus einer selbst aufgebauten Datenbank mit laufenden und Altersbezügen von mehr als 10.000 Topmanagern aus über 7.000 öffentlichen Unternehmen. Sie enthält öffentlich zugängliche Daten aus Beteiligungsberichten, Geschäftsberichten, Corporate-Governance-Berichten, Vergütungsberichten und Transparenzportalen. Städtische Unternehmen sind ab 30.000 Einwohner berücksichtigt.

Die Verdienste bei Rheinenergie, LVV und Stadtwerke Bonn

Aus dem Fundus wählten die Wissenschaftler öffentliche Vergleichsunternehmen zum SWR aus Branchen, die ihrer Einschätzung nach „für eine vergleichende Beurteilung der Vergütung besonders aufschlussreiche Erkenntnisse liefern, weil sie eine vergleichbare gesellschaftliche Bedeutung besitzen, ähnliche Strukturen und Aufgabenspezifika in den Geschäftsführungsorganen aufweisen und dort ebenfalls ein hohes öffentliches Interesse bezüglich der Top-Managementvergütung vorliegt“.

Ergebnis: Unter den 15 Vergleichsunternehmen befinden sich drei Energieversorger, nämlich die Kölner Rheinenergie, die LVV Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft und die Stadtwerke Bonn.

Der damalige Rheinenergie-Chef Dieter Steinkamp und seine damaligen Vorstandskollegen verdienten 2021 − das ist das Jahr mit den jüngsten verfügbaren Gehaltsdaten − als einzige dieser drei Versorger mehr als der damalige und jetzige SWR-Intendant Kai Gniffke. Steinkamp kam insgesamt auf 814.000 Euro, Gniffke demgegenüber auf 393.000 Euro.

Von Steinkamps sechs damaligen Kollegen, die 2021 nicht alle gleichzeitig im Amt waren, sondern teilweise aufeinander folgten, bekamen vier deutlich mehr als der SWR-Intendant, nämlich mindestens knapp 500.000 Euro, und zwei weniger, und zwar rund 285.000 Euro.

Steinkamp bekam 2021, so T-Online, obendrauf 50.000 Euro als Geschäftsführer der Holding Stadtwerke Köln GmbH und 26.700 Euro als Vorstandsvorsitzender der Gas-, Elektrizitäts- und Wasserwerke Köln AG (GEW) und verdiente damit am meisten unter den damaligen Chefs von Kölner Kommunalunternehmen.

Er hatte damals schon einen Anspruch auf 881.000 Euro jährliche Pension, die er dann im August 2022 antrat. SWR-Intendant Gniffke musste sich dagegen 2021 mit 399.000 Euro Versorgungsanspruch begnügen. Er stand 3.600 Beschäftigten vor, Steinkamp 2.700 Mitarbeitern. Die Umsatzverantwortung für 2,5 Milliarden Euro lässt sich mit der beim SWR allerdings nicht vergleichen, da der Sender nur Millionenerlöse hat und die darin nicht enthaltene Rundfunkgebühr eine fixe Einnahmequelle ist

Bei den Rheinenergie-Vorständen waren allerdings nur 277.000 bis 492.000 Euro fixe, also erfolgsunabhängige Gehaltsbestandteile. Diese gibt es laut Studie in der SWR-Chefetage und der aller anderen öffentlich-rechtlichen Sender nicht. Heißt: Kai Gniffke erhielt 380.000 Euro unabhängig von seiner persönlichen Leistung. 13.000 Euro waren Nebenleistungen. Nur der RBB hatte variable Gehaltsbestandteile, hat diese aber abgeschafft, nachdem die dortige Gehaltsaffäre aufkochte.

​Stadt Leipzig knausriger als die Rheinenergie-Aktionäre

Die Stadt Leipzig war 2021 im Vergleich zum SWR geradezu knausrig zu den vier damaligen Geschäftsführungs-Mitgliedern der LVV: Diese erhielten einzeln zwischen 257.000 und 285.000 Euro Gesamtgehalt. Fix waren davon 220.000 bis 240.000 Euro. Knapp 5.000 LVV-Beschäftigte setzten damals 2,4 Milliarden Euro um.

Nur 20.000 Euro weniger als der SWR-Intendant bezog der damalige Chef der Stadtwerke Bonn, Peter Weckenbrock, der im Juni 2022 in Pension ging und dem dann Olaf Hermes im Amt folgte. Die variablen Anteile betrugen 71.000 Euro. Zur Altersversorgung wurden keine Angaben gemacht. Der zweite Geschäftsführer der Stadtwerke Bonn, Arbeitsdirektor Marco Westphal, brachte vor drei Jahren 301.000 Euro heim. Davon waren 55.000 Euro erfolgsabhängig. 0,5 Milliarden Euro Umsatz wurden damals von 2.500 Beschäftigten erbracht.

Ulf Papenfuß sieht seine Studie als Beitrag zur Versachlichung statt einer Neiddebatte. Es gebe einen Bedarf für alle Träger öffentlicher Unternehmen, „einen Public Corporate Governance Kodex mit klaren Regelungen zur Top-Management-Vergütung und zur Erstellung einer Vergleichsgruppe einzuführen“.

Die 25-seitige Studie ist auf der Website der Universität anzuschauen und herunterzuladen.

Donnerstag, 29.02.2024, 17:42 Uhr
Georg Eble

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