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Energie & Management > E&M Vor 20 Jahren - RWE will um Biblis kämpfen
Kernkraftwerk Biblis. Quelle: RWE
E&M Vor 20 Jahren

RWE will um Biblis kämpfen

Vor 20 Jahren wurde heftig über die Atomkraft gestritten. RWE forderte zu dieser Zeit mit seinem Festhalten an dem Atomkraftwerk Biblis den Umweltminister heraus.
Die Diskussion um den deutschen Kraftwerkspark ist ein Dauerbrenner. Auch im Sommer 2006 ging es um Brennstäbe und die Verfeuerung von Braunkohle. Damals wollte RWE partout nicht von der konventionellen Erzeugung lassen und machte dies bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen deutlich. Der damalige E&M-Chefreporter Ralf Köpke berichtete aus Essen.



Der RWE-Konzern geht auf Konfrontationskurs mit dem Bundesumweltministerium. Bei Vorstellung der Halbjahresbilanz kündigte Vorstandschef Harry Roels an, noch „in diesem Sommer“ einen Antrag für die Laufzeitverlängerung des Atomkraftwerkes Biblis A zu stellen. Dafür will der Essener Energiekonzern die Strommengen von einem anderen, allerdings nicht genannten Nuklearmeiler übertragen. „Wir werden den Antrag stellen, weil wir für Biblis kämpfen möchten“, so Roels, der wortreich für die weitere Nutzung der Atomtechnik warb. Gleichzeitig kündigte der Niederländer an, RWE habe begonnen, Projekte für neue Atomkraftwerke im Ausland zu prüfen. „Das ist zwar Zukunftsmusik“, sagte Roels, „wir tun dies auch, um international nicht den Anschluss bei dieser Technologie zu verlieren.“

Das Vorgehen von RWE ist keine Überraschung. Einen Antrag für die Laufzeitverlängerung von Deutschlands ältestem Reaktor hatte das Management bereits auf der diesjährigen Bilanzpressekonferenz Ende Februar angekündigt.

Dass die Essener damit bei Bundesumweltminister Sigmar Gabriel auf Widerstand stoßen, ist absehbar. Nach einer Kabinettssitzung hatte der SPD-Politiker, auf der die Sicherheit der deutschen Atomkraftwerke nach dem Störfall im schwedischen Meiler Forsmark im Juli auf der Tagesordnung stand, den heimischen Kraftwerksbetreibern eindringlich empfohlen, ältere Atomkraftwerke möglichst früh abzuschalten und stattdessen im Rahmen des Atomausstiegskompromisses eher die Laufzeiten neuerer Anlagen zu verlängern. „Das würde einen Beitrag zur Sicherheit von Atomkraftwerken leisten“, so der Umweltminister.

Allein schon, um sein politisches Standing nicht zu gefährden, dürfte Gabriel auch künftig auf den unter Rot-Grün vereinbarten Atomausstieg beharren. Dass es in der Union, Partner der Sozialdemokraten in der großen Koalition, und vor allem bei Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) durchaus Sympathien für eine Laufzeitverlängerung gibt, ist bekannt. Beobachter sind deshalb auf die Reaktionen des Bundeskanzleramtes nach Eintreffen des RWE-Antrages gespannt.

„RWE ist der größte private Einzelinvestor“

Der Blick in die Bilanzzahlen zeigt, dass der bundesweit größte deutsche Stromerzeuger vor allem dank guter Geschäfte im Energiebereich in den ersten sechs Monaten dieses Jahres gut verdient hat. So legte RWE beim betrieblichen Ergebnis kräftig um 19 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro zu. Das Nettoergebnis erhöhte sich um 16 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro, während der Umsatz mit rund 24 Milliarden Euro um 17 Prozent über dem Vorjahreswert lag. Weiter abbauen konnte der RWE-Konzern seine Schulden, die nunmehr bei 9,5 Milliarden Euro liegen.

Während Vorstandschef Roels beim betrieblichen Ergebnis für das Gesamtjahr ein Plus in der Größenordnung von fünf bis zehn Prozent ankündigte, tat er sich schwer beim Nettoergebnis: „Diese Prognose steht unter dem Vorbehalt, wie sich die möglichen Kürzungen für die Netznutzungsgebühren auswirken.“ Derzeit rechne der RWE-Vorstand mit einem Ergebnisanstieg „am unteren Rand des Korridors von zehn bis zwanzig Prozent“.

Noch schmallippiger zeigte sich die gesamte RWE-Führungscrew bei der Frage, wieweit der Versorger die Strompreise für das kommende Jahr erhöhen will. Um die gesetzlich vorgeschriebene Frist für Tarifkunden zu wahren, wird RWE einen entsprechenden Antrag bei der Preisaufsichtsbehörde im Düsseldorfer Wirtschaftsministerium einreichen. Konzernvorstand Berthold Bonekamp: „Da wir noch nicht wissen, wie die weiteren Bescheide der Bundesnetznetzagentur ausfallen, können wir über die Höhe der Preissteigerung noch nichts sagen.“ Mit Verweis auf ausstehende Entscheidungen der Bonner Behörde machte der RWE-Vorstand auch keine Angaben zu Gaspreissteigerungen.

Unter dem Vorbehalt, welche Einschnitte bei den Netznutzungsgebühren Matthias Kurth und seine Mannen dem RWE abverlangen, stehen bei dem Essener Energiekonzern die künftigen Investitionen in die Netze. Vorerst sind bis zum Jahr 2012 rund 5,8 Milliarden Euro vorgesehen. Daneben sind im gleichen Zeitraum 4,2 Milliarden Euro Investitionen für konventionelle Kraftwerke sowie 1 Milliarde Euro für den Aufschluss neuer Braunkohletagebau einkalkuliert. „Mit der Gesamtsumme von elf Milliarden Euro sind wir bundesweit der größte private Einzelinvestor“, so Harry Roels.

Für die geplanten neuen Kraftwerke machte das zuständige Vorstandsmitglied Jan Zilius zwei Ankündigungen: Am 23. August wird Bundeskanzlerin Angela Merkel den Grundstein für das neue 2 100-MW-Braunkohlekraftwerk in Grevenbroich-Neurath legen. Im kommenden Jahr will RWE Power die Genehmigung für den 1 500-MW-Steinkohle-Doppelblock im westfälischen Hamm beantragen. Mit der Inbetriebnahme rechnet Zilius im Jahr 2011.

Samstag, 30.05.2026, 13:13 Uhr
Fritz Wilhelm
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Kernkraftwerk Biblis. Quelle: RWE
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RWE will um Biblis kämpfen
Vor 20 Jahren wurde heftig über die Atomkraft gestritten. RWE forderte zu dieser Zeit mit seinem Festhalten an dem Atomkraftwerk Biblis den Umweltminister heraus.
Die Diskussion um den deutschen Kraftwerkspark ist ein Dauerbrenner. Auch im Sommer 2006 ging es um Brennstäbe und die Verfeuerung von Braunkohle. Damals wollte RWE partout nicht von der konventionellen Erzeugung lassen und machte dies bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen deutlich. Der damalige E&M-Chefreporter Ralf Köpke berichtete aus Essen.



Der RWE-Konzern geht auf Konfrontationskurs mit dem Bundesumweltministerium. Bei Vorstellung der Halbjahresbilanz kündigte Vorstandschef Harry Roels an, noch „in diesem Sommer“ einen Antrag für die Laufzeitverlängerung des Atomkraftwerkes Biblis A zu stellen. Dafür will der Essener Energiekonzern die Strommengen von einem anderen, allerdings nicht genannten Nuklearmeiler übertragen. „Wir werden den Antrag stellen, weil wir für Biblis kämpfen möchten“, so Roels, der wortreich für die weitere Nutzung der Atomtechnik warb. Gleichzeitig kündigte der Niederländer an, RWE habe begonnen, Projekte für neue Atomkraftwerke im Ausland zu prüfen. „Das ist zwar Zukunftsmusik“, sagte Roels, „wir tun dies auch, um international nicht den Anschluss bei dieser Technologie zu verlieren.“

Das Vorgehen von RWE ist keine Überraschung. Einen Antrag für die Laufzeitverlängerung von Deutschlands ältestem Reaktor hatte das Management bereits auf der diesjährigen Bilanzpressekonferenz Ende Februar angekündigt.

Dass die Essener damit bei Bundesumweltminister Sigmar Gabriel auf Widerstand stoßen, ist absehbar. Nach einer Kabinettssitzung hatte der SPD-Politiker, auf der die Sicherheit der deutschen Atomkraftwerke nach dem Störfall im schwedischen Meiler Forsmark im Juli auf der Tagesordnung stand, den heimischen Kraftwerksbetreibern eindringlich empfohlen, ältere Atomkraftwerke möglichst früh abzuschalten und stattdessen im Rahmen des Atomausstiegskompromisses eher die Laufzeiten neuerer Anlagen zu verlängern. „Das würde einen Beitrag zur Sicherheit von Atomkraftwerken leisten“, so der Umweltminister.

Allein schon, um sein politisches Standing nicht zu gefährden, dürfte Gabriel auch künftig auf den unter Rot-Grün vereinbarten Atomausstieg beharren. Dass es in der Union, Partner der Sozialdemokraten in der großen Koalition, und vor allem bei Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) durchaus Sympathien für eine Laufzeitverlängerung gibt, ist bekannt. Beobachter sind deshalb auf die Reaktionen des Bundeskanzleramtes nach Eintreffen des RWE-Antrages gespannt.

„RWE ist der größte private Einzelinvestor“

Der Blick in die Bilanzzahlen zeigt, dass der bundesweit größte deutsche Stromerzeuger vor allem dank guter Geschäfte im Energiebereich in den ersten sechs Monaten dieses Jahres gut verdient hat. So legte RWE beim betrieblichen Ergebnis kräftig um 19 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro zu. Das Nettoergebnis erhöhte sich um 16 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro, während der Umsatz mit rund 24 Milliarden Euro um 17 Prozent über dem Vorjahreswert lag. Weiter abbauen konnte der RWE-Konzern seine Schulden, die nunmehr bei 9,5 Milliarden Euro liegen.

Während Vorstandschef Roels beim betrieblichen Ergebnis für das Gesamtjahr ein Plus in der Größenordnung von fünf bis zehn Prozent ankündigte, tat er sich schwer beim Nettoergebnis: „Diese Prognose steht unter dem Vorbehalt, wie sich die möglichen Kürzungen für die Netznutzungsgebühren auswirken.“ Derzeit rechne der RWE-Vorstand mit einem Ergebnisanstieg „am unteren Rand des Korridors von zehn bis zwanzig Prozent“.

Noch schmallippiger zeigte sich die gesamte RWE-Führungscrew bei der Frage, wieweit der Versorger die Strompreise für das kommende Jahr erhöhen will. Um die gesetzlich vorgeschriebene Frist für Tarifkunden zu wahren, wird RWE einen entsprechenden Antrag bei der Preisaufsichtsbehörde im Düsseldorfer Wirtschaftsministerium einreichen. Konzernvorstand Berthold Bonekamp: „Da wir noch nicht wissen, wie die weiteren Bescheide der Bundesnetznetzagentur ausfallen, können wir über die Höhe der Preissteigerung noch nichts sagen.“ Mit Verweis auf ausstehende Entscheidungen der Bonner Behörde machte der RWE-Vorstand auch keine Angaben zu Gaspreissteigerungen.

Unter dem Vorbehalt, welche Einschnitte bei den Netznutzungsgebühren Matthias Kurth und seine Mannen dem RWE abverlangen, stehen bei dem Essener Energiekonzern die künftigen Investitionen in die Netze. Vorerst sind bis zum Jahr 2012 rund 5,8 Milliarden Euro vorgesehen. Daneben sind im gleichen Zeitraum 4,2 Milliarden Euro Investitionen für konventionelle Kraftwerke sowie 1 Milliarde Euro für den Aufschluss neuer Braunkohletagebau einkalkuliert. „Mit der Gesamtsumme von elf Milliarden Euro sind wir bundesweit der größte private Einzelinvestor“, so Harry Roels.

Für die geplanten neuen Kraftwerke machte das zuständige Vorstandsmitglied Jan Zilius zwei Ankündigungen: Am 23. August wird Bundeskanzlerin Angela Merkel den Grundstein für das neue 2 100-MW-Braunkohlekraftwerk in Grevenbroich-Neurath legen. Im kommenden Jahr will RWE Power die Genehmigung für den 1 500-MW-Steinkohle-Doppelblock im westfälischen Hamm beantragen. Mit der Inbetriebnahme rechnet Zilius im Jahr 2011.

Samstag, 30.05.2026, 13:13 Uhr
Fritz Wilhelm

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