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Die Verantwortlichen der OMV überlegen, weitere Millionen in das heimische Gasfeld Wittau zu investieren, sofern die noch auszuwertenden aktuellen Produktionsdaten dies rechtfertigen.
Aktuelle Projekte der OMV zur Erdgasversorgung bildeten einen der Schwerpunkte der Fragen der Aktionäre bei der Hauptversammlung des österreichischen Öl-, Gas- und Chemiekonzerns am 27. Mai in Wien. Der scheidende Generaldirektor Alfred Stern berichtete, das Unternehmen sei im Wesentlichen gut unterwegs. Das Vorhaben Neptun Deep zur Erschließung eines Gasfelds mit 1.000 Milliarden kWh Inhalt im rumänischen Teil des Schwarzen Meeres sei zu etwa 70 Prozent abgeschlossen. Die Förderung durch die OMV-Tochter OMV Petrom und die rumänische Romgaz beginne 2027.
Laut dem zuständigen OMV-Vorstand Berislav Gaso ist geplant, rund 88 Milliarden kWh pro Jahr zu fördern. Ihm zufolge beliefen sich die bisherigen Investitionen auf etwa 2,2 Milliarden Euro, von denen die Hälfte auf die Petrom enfalle. Auf mehrfache Nachfrage von Kleinaktionären betonte Gaso, das Vorhaben stehe in Einklang mit dem Klimaabkommen von Paris vom Dezember 2015. Laut Gaso hat die Förderung in Neptun Deep einen sehr geringen „CO2-Fußabdruck“. Dieser belaufe sich auf ein Achtel des EU-weiten Durchschnitts und sei „40 Mal niedriger“ als der von Gas, das aus den USA nach Europa importiert wird.
Wie berichtet, begann die OMV am 18. Mai offiziell mit der Gasförderung im Feld Wittau etwa vier Kilometer östlich von Wien, das mit einem Volumen von rund 48 Milliarden kWh als „größter Gasfund der letzten 40 Jahre in Österreich“ gilt. Gaso zufolge ist die Förderung dort ab einem Großhandelspreis von 28 Euro/MWh rentabel. Die bisherigen Investitionen in das Feld bezifferte er mit 150 Millionen Euro. Sie umfassten zwei Produktionsbohrungen sowie den Bau einer zwölf Kilometer langen Pipeline zur Gasverdichterstation Aderklaa nördlich von Wien, wo die Einspeisung in das öffentliche Netz erfolgt. Laut Gaso wird überlegt, weitere rund 350 Millionen Euro in den „Vollausbau“ von Wittau zu investieren. Damit ließe sich die Gasförderung in Österreich auf etwa 7 Milliarden kWh pro Jahr verdoppeln. Mit der nun begonnenen Produktion stieg sie um etwa 50 Prozent. Der Jahresbedarf des Landes liegt bei knapp 80 Milliarden kWh.
Gasbezugsquellen erheblich diversifiziert
Gaso warnte indessen vor übertriebenen Erwartungen. Bevor die OMV sich entscheide, in Wittau weiter zu investieren, „müssen wir uns die Performance der derzeitigen Produktion anschauen. Wir brauchen Produktionsdaten, um die Lagerstätte wirklich zu verstehen und zu wissen, welche Aufbereitungsanlagen wir benötigen“. Außerdem müsse das „regulatorische Umfeld“ stimmen. Gemeint ist damit nicht zuletzt die Novelle des Gaswirtschaftsgesetzes, die aufgrund von EU-Vorgaben bis August beschlossen werden sollte. Bis dato liegt aber noch nicht einmal ein Entwurf vor.
Generaldirektor Stern ergänzte, die OMV habe seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine am 24. Februar 2022 ihre Gasbezugsquellen maßgeblich diversifiziert. Seit der Kündigung des bis 2040 laufenden Take-or-Pay-Vertrags mit Gazprom Export am 11. Dezember 2024 beziehe sie kein Gas mehr aus Russland: „Erstmals seit 1968 sind wir nicht mehr von russischen Lieferungen abhängig.“ Die OMV sei in der Lage, ihre Kunden zuverlässig zu versorgen, insbesondere mit Gas aus Norwegen und Österreich sowie mit LNG.
Warnend fügte Stern hinzu, die Situation auf dem weltweiten Gasmarkt dürfe keinesfalls unterschätzt werden: „Die Speicherstände werden uns in den kommenden Monaten beschäftigen.“ Nach Angaben der für die übergeordnete Steuerung des österreichischen Gasnetzes zuständigen Austrian Gas Grid Management AG waren die Gasspeicher des Landes per 27. Mai zu etwa 44,6 Prozent befüllt. Sie enthielten rund 45 Milliarden kWh, von denen 20 Milliarden auf die staatliche strategische Gasreserve entfielen.
Ausdrücklich wies Stern auf die Auswirkungen des Kriegs um den Iran auf die Gasversorgung hin. Durch die Straße von Hormus am Ausgang des Persischen Golfs würden zu Friedenszeiten etwa 20 Prozent des weltweiten Aufkommens an LNG auf den Markt gebracht: „Diese Menge kann man einfach nicht ersetzen.“
In einer emotionalen Stellungnahme verabschiedete sich Stern von den Aktionären. Die Gasversorgung Österreichs sicherzustellen, sei eine der stärksten Triebfedern seines Handelns gewesen. Seine Nachfolgerin zum 1. September wird Emma Delaney (wir berichteten).
Donnerstag, 28.05.2026, 11:06 Uhr
Klaus Fischer
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