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Energie & Management > Aus Der Aktuellen Ausgabe - Messstellenbetreiber warnen vor Monopolisierung
Quelle: E&M
Aus Der Aktuellen Ausgabe

Messstellenbetreiber warnen vor Monopolisierung

Rund 30 Unternehmen und Verbände haben an die Politik appelliert, den wettbewerblichen Messstellenbetrieb zu erhalten.
Die CEO der Unternehmen Enpal, Techem, Lichtblick, Octopus Energy und Inexogy haben sich gemeinsam mit mehr als 20 weiteren Unternehmen und Verbänden in einem Appell an die Politik gewandt. Sie warnen davor, den wettbewerblichen Messstellenbetrieb zu schwächen oder wieder in ein Monopol der Netzbetreiber zu überführen.

Eine solche Re-Monopolisierung gefährde nach Einschätzung der Unterzeichner den Fortschritt beim Smart Meter Rollout sowie zentrale Investitionen in die digitale Energieinfrastruktur Deutschlands. Auslöser für den Schulterschluss ist die anhaltende politische Debatte über die künftige Ausgestaltung des Messwesens.

In den vergangenen Wochen hatte vor allem eine Aussage von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) in ihrem Zehn-Punkte-Plan im Nachgang zum Energiewende-Monitoringbericht die Branche aufgerüttelt und sowohl bei Messstellen- als auch Verteilnetzbetreibern für Verunsicherung gesorgt.

Aus den Äußerungen der Ministerin hatte sich unter anderem die Frage ergeben, ob die Rollen im intelligenten Messwesen noch einmal grundlegend neu verteilt werden und ob es wettbewerbliche Messstellenbetreiber weiterhin geben wird. Denn Reiche hatte erklärt, die Verantwortung für den verpflichtenden Rollout intelligenter Messsysteme solle „künftig bei den Verteilnetzbetreibern und damit im regulierten Anlagevermögen“ liegen.

Ministerin mit vager Aussage zu Verteilnetzbetreibern

Auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion, die um eine Erläuterung gebeten hatte, hatte das Bundeswirtschaftsministerium (BMWE) im vergangenen September lediglich geantwortet: „Um die Kosten für Netzausbau und -betrieb zu dämpfen, benötigen wir einen Regulierungsansatz, der noch stärker als bisher in der Lage ist, das Potenzial der Digitalisierung abzurufen.“ Das Gesetz zum Neustart der Digitalisierung der Energiewende von 2023 habe die Verteilnetzbetreiber zwar stärker in die Finanzierungsverantwortung der Digitalisierung genommen, was den Rollout angestoßen habe. Er müsse aber noch weiter beschleunigt werden.

„Deshalb prüft die Bundesregierung Ansätze, die durch ein stärkeres Eigeninteresse den Verteilnetzbetreibern zum Treiber einer zügigen und resilienten Digitalisierung der Energiewende machen.“ Was dies konkret heißt, ließ das Ministerium in seiner Antwort offen. Bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe war es eine endgültige Klarstellung schuldig geblieben.

Auch Beatrix Brodkorb, Leiterin der Unterabteilung Netze und Digitalisierung der Energiewirtschaft im BMWE, hatte im Herbst bei den ZVEI Metering Days in Fulda keine näheren Erläuterungen geben können. Es liege ihr auch fern, „die Ministerin zu interpretieren“, hatte sie gesagt, aber dem Auditorium versichert: „Alle Handlungsoptionen werden wir gemeinsam mit Ihnen diskutieren und abwägen. Und jeder Impuls, den Sie hier geben, wird aufgenommen und diskutiert werden. Ich werde starke Impulse mitnehmen.“

Ein Impuls, den die Beamtin aus dem BMWE mit nach Berlin nahm, war der große Applaus für Anke Hüneburg. Diesen erntete die Bereichsleiterin Energie beim ZVEI für ihre Anmerkungen zur Rollenverteilung der Marktakteure: „Die Diskussion um die Rolle der Verteilnetzbetreiber, der wettbewerblichen und der grundzuständigen Messstellenbetreiber macht uns Sorgen.“ Der wettbewerbliche Messstellenbetreiber werde definitiv gebraucht. Die jeweiligen Unternehmen hätten Innovationen und Geschwindigkeit ins intelligente Messwesen, den Smart Meter Rollout und die Geschäftsmodelle dahinter gebracht. „Insofern sollten wir dies auf keinen Fall infrage stellen und die Liberalisierung des Messstellenbetriebs wieder zurückdrehen. Das wäre aus unserer Sicht eine Katastrophe“, so Hüneburg.

Kurz zuvor hatte Jannik Schall, Mitgründer von Einskommafünfgrad, die Bedeutung der wettbewerblichen Messstellenbetreiber betont. Sein Unternehmen, das Energiemanagementsysteme ausrollt, Flexibilitäten erschließt und das Zusammenspiel von Assets optimiert, liefert seinen Kunden immer ein intelligentes Messsystem mit und arbeitet dafür mit wettbewerblichen und vereinzelt mit grundzuständigen Messstellenbetreibern zusammen. Laut Schall ist ein flächendeckendes Angebot neuer Geschäftsmodelle auf Basis des intelligenten Messsystems hierzulande nur mithilfe von wettbewerblichen Messstellenbetreibern möglich. Anderenfalls wäre es unvorstellbar, dass jeden Monat Tausende von Kunden einen Smart Meter erhalten können.

In drei Jahren noch 5 Millionen weitere intelligente Messsysteme

Nach Darstellung der Unternehmen, die nun vor einer Re-Monopolisierung des Messwesens gewarnt haben, hat sich der wettbewerbliche Messstellenbetrieb in den vergangenen Jahren zu einem wesentlichen Treiber der Digitalisierung im Energiesektor entwickelt.

Wettbewerbliche Anbieter hätten den Rollout intelligenter Messsysteme beschleunigt, betrieben derzeit 15 Prozent aller in Deutschland installierten intelligenten Messsysteme und ermöglichten damit Kostensenkungen für Haushalte und Unternehmen. Zudem seien bereits Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe getätigt worden. Für die kommenden drei Jahre hätten sich die Anbieter verpflichtet, rund 5 Millionen weitere intelligente Messsysteme zu installieren.

Neben steigenden Installationszahlen verweisen die Unterzeichner auf die digitale Kompetenz der wettbewerblichen Anbieter. Diese trage zu effizienteren Rollout-Prozessen und zu bundesweit einheitlichen digitalen Standards bei. Zugleich unterstützten wettbewerbliche Messstellenbetreiber Stadtwerke und grundzuständige Messstellenbetreiber, die häufig nicht über ausreichende finanzielle oder personelle Ressourcen für einen schnellen Hochlauf verfügten.

Darüber hinaus ist der wettbewerbliche Messstellenbetrieb nach Einschätzung der Unternehmen zu einem wichtigen Partner für zahlreiche Geschäftsmodelle der Energiewende geworden. Durch ihre Flexibilität und Skalierfähigkeit könnten sie bundesweit mit Herstellern von Wärmepumpen, Photovoltaik- und Speicherlösungen, Ladeinfrastruktur, E-Mobilitätsdiensten sowie mit Anbietern von Mieterstrommodellen zusammenarbeiten.

Die Unternehmen betonen zudem die Möglichkeit, intelligente Messsysteme auf freiwilliger Basis und auf Kundenwunsch zu installieren. Das ermögliche einen schnelleren und stärker kundenorientierten Rollout und erleichtere es Bürgerinnen und Bürgern, sich aktiv an der Energiewende zu beteiligen.

„Der Rollout hat endlich an Fahrt gewonnen − jetzt kommt es darauf an, den regulatorischen Rahmen nicht erneut grundlegend zu verändern. Was wir wirklich benötigen, sind Verlässlichkeit und Planungssicherheit“, so Mario Kohle, CEO von Enpal. Und Matthias Hartmann, CEO von Techem Energy Services, fügt hinzu, es sei strategisch richtig gewesen, den Messmarkt zu liberalisieren. „Den Wettbewerb jetzt zu beschneiden, wäre absurd und kontraproduktiv.“
 
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hat mit Äußerungen zur künftigen Rolle der Verteilnetzbetreiber für Verunsicherung gesorgt
Quelle: Susanne Harmsen

Donnerstag, 5.02.2026, 09:17 Uhr
Fritz Wilhelm
Energie & Management > Aus Der Aktuellen Ausgabe - Messstellenbetreiber warnen vor Monopolisierung
Quelle: E&M
Aus Der Aktuellen Ausgabe
Messstellenbetreiber warnen vor Monopolisierung
Rund 30 Unternehmen und Verbände haben an die Politik appelliert, den wettbewerblichen Messstellenbetrieb zu erhalten.
Die CEO der Unternehmen Enpal, Techem, Lichtblick, Octopus Energy und Inexogy haben sich gemeinsam mit mehr als 20 weiteren Unternehmen und Verbänden in einem Appell an die Politik gewandt. Sie warnen davor, den wettbewerblichen Messstellenbetrieb zu schwächen oder wieder in ein Monopol der Netzbetreiber zu überführen.

Eine solche Re-Monopolisierung gefährde nach Einschätzung der Unterzeichner den Fortschritt beim Smart Meter Rollout sowie zentrale Investitionen in die digitale Energieinfrastruktur Deutschlands. Auslöser für den Schulterschluss ist die anhaltende politische Debatte über die künftige Ausgestaltung des Messwesens.

In den vergangenen Wochen hatte vor allem eine Aussage von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) in ihrem Zehn-Punkte-Plan im Nachgang zum Energiewende-Monitoringbericht die Branche aufgerüttelt und sowohl bei Messstellen- als auch Verteilnetzbetreibern für Verunsicherung gesorgt.

Aus den Äußerungen der Ministerin hatte sich unter anderem die Frage ergeben, ob die Rollen im intelligenten Messwesen noch einmal grundlegend neu verteilt werden und ob es wettbewerbliche Messstellenbetreiber weiterhin geben wird. Denn Reiche hatte erklärt, die Verantwortung für den verpflichtenden Rollout intelligenter Messsysteme solle „künftig bei den Verteilnetzbetreibern und damit im regulierten Anlagevermögen“ liegen.

Ministerin mit vager Aussage zu Verteilnetzbetreibern

Auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion, die um eine Erläuterung gebeten hatte, hatte das Bundeswirtschaftsministerium (BMWE) im vergangenen September lediglich geantwortet: „Um die Kosten für Netzausbau und -betrieb zu dämpfen, benötigen wir einen Regulierungsansatz, der noch stärker als bisher in der Lage ist, das Potenzial der Digitalisierung abzurufen.“ Das Gesetz zum Neustart der Digitalisierung der Energiewende von 2023 habe die Verteilnetzbetreiber zwar stärker in die Finanzierungsverantwortung der Digitalisierung genommen, was den Rollout angestoßen habe. Er müsse aber noch weiter beschleunigt werden.

„Deshalb prüft die Bundesregierung Ansätze, die durch ein stärkeres Eigeninteresse den Verteilnetzbetreibern zum Treiber einer zügigen und resilienten Digitalisierung der Energiewende machen.“ Was dies konkret heißt, ließ das Ministerium in seiner Antwort offen. Bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe war es eine endgültige Klarstellung schuldig geblieben.

Auch Beatrix Brodkorb, Leiterin der Unterabteilung Netze und Digitalisierung der Energiewirtschaft im BMWE, hatte im Herbst bei den ZVEI Metering Days in Fulda keine näheren Erläuterungen geben können. Es liege ihr auch fern, „die Ministerin zu interpretieren“, hatte sie gesagt, aber dem Auditorium versichert: „Alle Handlungsoptionen werden wir gemeinsam mit Ihnen diskutieren und abwägen. Und jeder Impuls, den Sie hier geben, wird aufgenommen und diskutiert werden. Ich werde starke Impulse mitnehmen.“

Ein Impuls, den die Beamtin aus dem BMWE mit nach Berlin nahm, war der große Applaus für Anke Hüneburg. Diesen erntete die Bereichsleiterin Energie beim ZVEI für ihre Anmerkungen zur Rollenverteilung der Marktakteure: „Die Diskussion um die Rolle der Verteilnetzbetreiber, der wettbewerblichen und der grundzuständigen Messstellenbetreiber macht uns Sorgen.“ Der wettbewerbliche Messstellenbetreiber werde definitiv gebraucht. Die jeweiligen Unternehmen hätten Innovationen und Geschwindigkeit ins intelligente Messwesen, den Smart Meter Rollout und die Geschäftsmodelle dahinter gebracht. „Insofern sollten wir dies auf keinen Fall infrage stellen und die Liberalisierung des Messstellenbetriebs wieder zurückdrehen. Das wäre aus unserer Sicht eine Katastrophe“, so Hüneburg.

Kurz zuvor hatte Jannik Schall, Mitgründer von Einskommafünfgrad, die Bedeutung der wettbewerblichen Messstellenbetreiber betont. Sein Unternehmen, das Energiemanagementsysteme ausrollt, Flexibilitäten erschließt und das Zusammenspiel von Assets optimiert, liefert seinen Kunden immer ein intelligentes Messsystem mit und arbeitet dafür mit wettbewerblichen und vereinzelt mit grundzuständigen Messstellenbetreibern zusammen. Laut Schall ist ein flächendeckendes Angebot neuer Geschäftsmodelle auf Basis des intelligenten Messsystems hierzulande nur mithilfe von wettbewerblichen Messstellenbetreibern möglich. Anderenfalls wäre es unvorstellbar, dass jeden Monat Tausende von Kunden einen Smart Meter erhalten können.

In drei Jahren noch 5 Millionen weitere intelligente Messsysteme

Nach Darstellung der Unternehmen, die nun vor einer Re-Monopolisierung des Messwesens gewarnt haben, hat sich der wettbewerbliche Messstellenbetrieb in den vergangenen Jahren zu einem wesentlichen Treiber der Digitalisierung im Energiesektor entwickelt.

Wettbewerbliche Anbieter hätten den Rollout intelligenter Messsysteme beschleunigt, betrieben derzeit 15 Prozent aller in Deutschland installierten intelligenten Messsysteme und ermöglichten damit Kostensenkungen für Haushalte und Unternehmen. Zudem seien bereits Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe getätigt worden. Für die kommenden drei Jahre hätten sich die Anbieter verpflichtet, rund 5 Millionen weitere intelligente Messsysteme zu installieren.

Neben steigenden Installationszahlen verweisen die Unterzeichner auf die digitale Kompetenz der wettbewerblichen Anbieter. Diese trage zu effizienteren Rollout-Prozessen und zu bundesweit einheitlichen digitalen Standards bei. Zugleich unterstützten wettbewerbliche Messstellenbetreiber Stadtwerke und grundzuständige Messstellenbetreiber, die häufig nicht über ausreichende finanzielle oder personelle Ressourcen für einen schnellen Hochlauf verfügten.

Darüber hinaus ist der wettbewerbliche Messstellenbetrieb nach Einschätzung der Unternehmen zu einem wichtigen Partner für zahlreiche Geschäftsmodelle der Energiewende geworden. Durch ihre Flexibilität und Skalierfähigkeit könnten sie bundesweit mit Herstellern von Wärmepumpen, Photovoltaik- und Speicherlösungen, Ladeinfrastruktur, E-Mobilitätsdiensten sowie mit Anbietern von Mieterstrommodellen zusammenarbeiten.

Die Unternehmen betonen zudem die Möglichkeit, intelligente Messsysteme auf freiwilliger Basis und auf Kundenwunsch zu installieren. Das ermögliche einen schnelleren und stärker kundenorientierten Rollout und erleichtere es Bürgerinnen und Bürgern, sich aktiv an der Energiewende zu beteiligen.

„Der Rollout hat endlich an Fahrt gewonnen − jetzt kommt es darauf an, den regulatorischen Rahmen nicht erneut grundlegend zu verändern. Was wir wirklich benötigen, sind Verlässlichkeit und Planungssicherheit“, so Mario Kohle, CEO von Enpal. Und Matthias Hartmann, CEO von Techem Energy Services, fügt hinzu, es sei strategisch richtig gewesen, den Messmarkt zu liberalisieren. „Den Wettbewerb jetzt zu beschneiden, wäre absurd und kontraproduktiv.“
 
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hat mit Äußerungen zur künftigen Rolle der Verteilnetzbetreiber für Verunsicherung gesorgt
Quelle: Susanne Harmsen

Donnerstag, 5.02.2026, 09:17 Uhr
Fritz Wilhelm

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