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Enerige & Management > BHKW-Ranking - Leichte Abkühlung beim BHKW-Markt
Bild: Fotolia.com, XtravaganT
BHKW-RANKING:
Leichte Abkühlung beim BHKW-Markt
Der Absatz von biogenen BHKW ging nach dem Erreichen des Deckels im Jahr 2019 der Flexibilitätsprämie zurück. Ein Beitrag von Christian Nissen und Sabine Gores*.
 
Nach einem Rekordjahr 2018 ist die abgesetzte Leistung der teilnehmenden Unternehmen im vergangenen Jahr zurückgegangen. Zugleich ist weiterhin ein Trend zu großen Anlagen zu sehen. Das sind zwei Ergebnisse des diesjährigen BHKW-Rankings, das Christian Nissen und Sabine Gores vom Öko-Institut analysieren.

Bereits seit 2002 führt das Institut gemeinsam mit E&M eine jährliche Umfrage zum Absatz auf dem deutschen BHKW-Markt durch. Damit können die Entwicklungen auf diesem Markt abgebildet und die Auswirkungen neuer gesetzlicher Regelungen zeitnah bewertet werden. Mit der Umfrage werden vorhandene statistische Lücken bei der Erfassung von kleinen Strom- und Wärmeerzeugungsanlagen geschlossen, denn auch nicht-geförderte Anlagen sind berücksichtigt.

Im Gegensatz zu anderen Zusammenstellungen wie zum Beispiel vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) werden in der BHKW-Umfrage keine Anlagen abgefragt, sondern Module, die auch zu Anlagen zusammengefasst werden können. Da „Anlage“ jedoch der geläufigere Begriff ist, wird dieser hier ebenfalls verwendet.

Ab 2021 sollte das Marktstammdatenregister einen vollständigen Überblick über die installierte Anlagenleistung ermöglichen. Mit der Umfrage werden auch jahresaktuelle Absatzprognosen und Ausblicke für das kommende Jahr abgefragt, so gehen die hier gewonnenen Informationen auch weiterhin über jene im Marktstammdatenregister hinaus. Dadurch kann mit der BHKW-Umfrage schneller beobachtet werden, wie der Markt beispielsweise auf die Einführung des Brennstoffemissionshandels (BEHG) reagiert.

Mit insgesamt 27 teilnehmenden Anbietern von Motoren-BHKW, Gasturbinen und Brennstoffzellen ist das Teilnahmefeld geringer als in den Jahren zuvor. Auf Nachfrage bei nicht mehr teilnehmenden Unternehmen wurde vielfach angegeben, dass Aufgrund der aktuellen Corona-Pandemie die üblichen betrieblichen Abläufe umgestellt wurden und daher auf eine Teilnahme für dieses Jahr verzichtet wird. Desto erfreulicher ist, dass mit der AGO AG ein Unternehmen wieder begrüßt werden konnte, das im vergangenen Jahr nicht teilgenommen hatte.

Deutlicher Absatzrückgang auf hohem Niveau

Nach dem Rekordjahr 2018 ist die abgesetzte Leistung der teilnehmenden Unternehmen 2019 zurückgegangen, jedoch etwas weniger stark als im vergangenen Jahr prognostiziert. Konnten im Vorjahr noch 3.300 MWel abgesetzt werden, waren es 2019 nur noch 2.900 MWel. Das ist aber immer noch der zweithöchste Wert in der 18-jährigen Geschichte der Umfrage. Mit 569 MWel ist der Absatz der mit fossilen Brennstoffen derzeit betriebenen Anlagen etwa konstant geblieben (Grafik 1).
 
Quelle: E&M


Der hohe Rückgang von 2018 auf 2019 ist durch die biogenen Anlagen (-195 MWel) und den Export (-231 MWel) getrieben. Aufgrund des hohen Ausgangsniveau des Exports fällt der relative Rückgang mit 11 % allerdings nicht so gravierend aus wie bei den biogenen Anlagen, bei denen er 32 % entspricht. Mit einem Anteil von nun zwei Drittel am Gesamtabsatz ist der Export weiterhin der Treiber des stark exportorientierten deutschen BHKW-Markts. Die Umfrage zeigt auch eine deutliche Abkühlung im Marktumfeld von Biogasanlagen.

 
Quelle: E&M

Selbst wenn man den Absatz der nicht mehr teilnehmenden Unternehmen aus dem letzten Jahr berücksichtigt, beträgt der Rückgang über 20 %. Durch das Erreichen des Deckels der Flexibilitätsprämie Mitte 2019 ist ein starker wirtschaftlicher Anreiz für die Betreiber von Biogasanlagen verloren gegangen, ihre Anlagen zu flexibilisieren und in neue Motoren zu investieren. Ungebrochen hingegen ist das steigende Interesse an Brennstoffzellenanlagen. Hier stieg der Absatz 2019 noch einmal um 26 % gegenüber dem Vorjahr.

Große fossile Anlagen stabilisieren die abgesetzte fossile Leistung

Die Zunahme der abgesetzten Leistung in der oberen Leistungsklasse der fossil betriebenen BHKW basiert erneut auf großen Gasmotoren-Kraftwerksprojekten. So machen Module >5 MWel 22 % (+7 % gegenüber 2018) des gesamten Absatzes der fossil betriebenen Anlagen aus (Grafik 3). In allen anderen Leistungsklassen ist der Trend mit Ausnahme der ganz kleinen Anlagen <=50 kWel rückläufig. Bei den biogenen Anlagen hängt der Einbruch der oberen Leistungsklasse, wie oben beschrieben, vor allem mit dem Rückgang der Flexibilisierungsprojekte zusammen (Grafik 2). Nach Aussage der Hersteller sind diese großen Anlagen hauptsächlich im Bereich des Repowerings beziehungsweise der Flexibilisierung zu finden. Bei den kleineren handelt es sich zumeist um neu errichtete Hofbiogasanlagen.
 
Quelle: E&M


Unklare Aussichten in den nächsten Jahren

Für 2020 wird mit einem Rückgang von insgesamt 23 % gerechnet. Ein Ausblick ist indes schwer, da sich der Einfluss der Pandemie noch nicht abschließend abschätzen lässt. Ob dieser Rückgang mit regulatorischen Hemmnissen zu erklären ist oder wegen dem allgemeinen wirtschaftlichen Rückgang durch die Corona-Pandemie erwartet wird, ist derzeit nicht erkennbar. So ist auch der Ausblick für das Jahr 2021 schwer zu bewerten.

Man kann aber davon ausgehen, dass der Trend zu größeren Anlagen weiter anhalten wird. Betreiber von Anlagen mit einer Feuerungsleistung unter 20 MWth werden nicht durch den europäischen Emissionshandel (EU-ETS) erfasst und müssen ab 2021 am deutschen Brennstoffemissionshandel teilnehmen. Das wird vermutlich neue Dynamiken auf dem BHKW-Markt erzeugen. Der Brennstoffemissionshandel startet 2021 mit einem Festpreis in Höhe von 25 Euro/t CO2, der bis 2025 auf 55 Euro/t CO2 ansteigt. Die meisten Prognosen gehen davon aus, dass der Preis für eine Tonne CO2 im EU-ETS niedriger sein wird. Damit gibt es anders als in den Vorjahren einen verstärkten Anreiz, in größere Leistungen zu investieren. Das ist auch im Sinne der Systemdienlichkeit der KWK-Anlagen, denn deren Betrieb sollte auf einen möglichst passgenauen Einsatz der regelbaren Strom- und Wärmeerzeugung zur Ergänzung der erneuerbaren Energien ausgelegt werden. Das enge Zusammenspiel von KWK-Anlagen mit emissionsarmen oder -freien Wärmequellen sowie Wärmenetzen und Speichern ist dafür erforderlich. Dieses wird auch durch die KWKG-Novelle 2020 weiter befördert.

Auch die mit der KWKG-Novelle 2020 erfolgten Änderungen der Förderungsbedingungen werden möglicherweise Auswirkungen auf den Absatz zeigen. So sind die Fördersätze für kleinere Anlagen deutlich angehoben worden, allerdings bei reduzierter Förderdauer. Bis Redaktionsschluss waren die Auswirkungen der EEG-Novelle auf das Jahr 2021 für den BHKW-Markt noch schwer einzuschätzen. Im diskutierten Kabinettsentwurf stehen beispielsweise einige Verbesserungen von Rahmenbedingungen, die durch die teilnehmenden Unternehmen in den vergangenen Jahren immer wieder kritisiert wurden: So soll das Ausschreibungsvolumen für Biomasseanlagen auf 350 MW erhöht und die Realisierungsfrist für Neuanlagen von 24 auf 36 Monate verlängert werden. Ob diese Änderungen umgesetzt werden und ausreichen, den sichtbaren Absatzrückgang der biogen betriebenen BHKW aufzuhalten, ist derzeit noch unklar.
 
Die Tabellen zum BHKW-Ranking 2020
Quelle: E&M


Hintergrund zur Umfrage
Bereits seit knapp 20 Jahren führt das Öko-Institut eine Umfrage unter den in Deutschland tätigen BHKW-Unternehmen durch. So wurden auch in diesem Jahr erneut gemeinsam mit E&M der Absatz für das letzte sowie eine Prognose für das aktuelle Kalenderjahr abgefragt. Das Ziel der Absatzumfrage ist es, die aktuellen Entwicklungen auf dem BHKW-Markt für die in Deutschland verkauften und die für den Export bestimmten Anlagen abzubilden.

Das ist insbesondere wichtig, um die Bewegungen im Energiesektor in diesem Segment darzustellen. Durch die jährliche Durchführung der Umfrage zeigen sich zeitnah die Auswirkungen von Novellierungen des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes oder von Förderprogrammen wie dem „Zuschuss für Brennstoffzellen“ der KfW. Da die Registrierungspflicht in das Marktstammdatenregister von neuen und älteren KWK-Anlagen erst 2021 greift, können außerdem vorhandene Lücken in der statistischen Erfassung von kleinen Strom- und Wärmeerzeugungsanlagen geschlossen werden.

* Christian Nissen und Sabine Gores, Öko-Institut, Freiburg
 

Redaktion
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Dienstag, 17.11.2020, 09:36 Uhr

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