• Zusammenfassung der deutschen Tagesmeldungen vom 7. Dezember
  • Strom: Fester Spot erwartet
  • Gas: Uneinheitlich
  • Thelen investiert in Speicher-Start-up
  • Energie Steiermark wird Exklusiv-Partner von "Plug and Play"
  • Auszeichnung für konzentrierte Solartechnik
  • Hauptgeschäftsführer-Pläne sorgen für Wirbel in Neumünster
  • Studie beleuchtet Rechtsfragen rund um PPA
  • Energieaudits nicht vergessen
  • Scharfe Kritik an der Mietrechtsnovelle
Bild: E&M-Verlagssitz
KOMMENTAR:
Hohe Preise sind gute Preise
Die Preise an den Handelsmärkten für Energie steigen und steigen – und keiner regt sich wirklich auf. Das ist doch ziemlich erstaunlich.
 
Es mag mitunter daran liegen, dass sich die Boulevard-Presse, aber auch Teile der ernsthaften Medien zurzeit lieber auf die Berichterstattung über kriminelle Ausländer und deutsche Rechtsradikale konzentrieren, denn auf steigende Energiepreise. Das kann aber noch kommen. Als selbsternannte Anwälte des sogenannten kleinen Mannes entdecken Bild, Welt und Konsorten sicher auch bald wieder den „Strompreiswahnsinn“ (um eine mögliche Bild-Schlagzeile zu formulieren.)

Die Energiepreise haben in den vergangenen Monaten einen rasanten Aufstieg genommen. Der Strompreis ist im August nach mehr als sechs Jahren zum ersten Mal wieder über die 50-Euro-Marke gestiegen. Für ein Zertifikat für den Ausstoß von einer Tonne CO2 wird aktuell an den Handelsplätzen mehr als 20 Euro bezahlt, so viel, wie seit zehn Jahren nicht mehr. Auch Kohle und Gas steigen seit Monaten um zweistellige Prozentraten nach oben. Nicht zu vergessen ist auch der Ölpreis. Für die Nordsee-Sorte Brent liegt dieser seit Wochen über 70 Dollar das Barrel. Tendenz steigen.

DIe EU-Regeln beim CO2-Preis scheinen zu wirken

Die Ursachen sind vielfältig: Donald Trump und seine Embargo-Politik gegen den Iran (Öl). Die hohe Nachfrage in Indien und China (Kohle). Einschränkungen bei der Produktion (Gas). Neue Regeln beim Emissionshandel (CO2). Und alles zusammen (Strom).

Als wichtigster Treiber darf sicher der CO2-Preis genannt werden, der sich innerhalb Jahresfrist vervierfachte. Viele Unternehmen haben sich noch mit Zertifikaten eingedeckt, bevor weitreichenden Reformen in Kraft treten. So könnte zum Jahreswechsel ein Teil der Zertifikate aus dem Markt genommen werden, um das Angebot zu verknappen. Ab 2021 wird weiterhin die ausgeschüttet Zahl an CO2-Zertifikaten jährlich um einen höheren Beitrag verringert.

Die hohen Energiepreise – vor allem die hohen CO2-Preise — sind prinzipiell zu begrüßen. Denn Energie ist ein knappes Gut, dessen konventionelle Produktion aus Kohle und Gas die Ursache für die Klimaerhitzung ist. Mit dem CO2-Preis soll der Ausstoß von Kohlendioxid vor allem aus Kohlekraftwerken über ein marktwirtschaftliches Instrument reguliert werden. Geklappt hat das lange Zeit sehr beschränkt. Es gab, bedingt durch eine überhöhte freie Zuteilungen aber auch durch die Wirtschaftskrise vor zehn Jahren, bis vor kurzem zu viele überschüssige Zertifikate im Markt.

Durch die neuen EU-Regeln bei CO2 könnte der Kraftwerksmarkt langsam die Preissignale aussenden, die ökologisch und ökonomisch gewünscht sind. Hocheffiziente Anlagen, die wenig CO2 ausstoßen – egal ob Gas und Kohle –, produzieren künftig mehr Strom als alte CO2-Schleudern, da die hohen CO2-Preise die alten Kraftwerke unrentabel machen. Das freut die Politik, die Klimaschützer und auch die Kraftwerksbetreiber mit effizienten Anlagen, in die sie viel Geld gesteckt haben.

Die hohen Energiepreise nutzen auch den erneuerbaren Energien

Von den hohen Strompreisen profitieren auch die erneuerbaren Energien, weil sie dadurch noch konkurrenzfähiger werden. Aber nicht nur das: Der Erneuerbaren-Strom wird von den Übertragungsnetzbetreibern an der Börse vermarktet. Durch höhere Strompreise dort steigen deren Verkaufserlöse. Die Netzbetreiber müssten dann weniger EEG-Umlage von den Stromkunden kassieren, um den Erneuerbaren-Betreibern den Ökostrom zu bezahlen. Die EEG-Umlage könnte in Summe sinken, das wiederum käme auch den Verbrauchern zugute.

Gleichwohl werden sich die höheren Strompreise tendenziell auf die Endkundenpreise niederschlagen. Die Verbraucher müssen sich demnächst wohl auf höherer Strompreise einstellen. Aber auch sie haben Möglichkeiten steigenden Preisen auszuweichen, beispielweise durch einen Anbieterwechsel. Oder sie nutzen die Energie effizienter. Die Energieeffizienz wird immer gerne als der schlafende Riese der Energiewende bezeichnet. Zeit ihn zu wecken!
 
 

Stefan Sagmeister
Chefredakteur
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Mittwoch, 05.09.2018, 11:18 Uhr

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