Anlieferung der Großwärmepumpen-Komponenten in Hannover. Quelle: Enercity
Der Kohleausstieg in Hannover erreicht die nächste Etappe: Am zentralen Klärwerk entsteht eine 30-MW-Wärmepumpe.
Nach der Stilllegung des ersten Kohleblocks im März bereitet Enercity den Ersatz von Kohleblock II vor. Zum dezentralen Mix aus verschiedenen Biomasseanlagen kommen nun mehrere Großwärmepumpen, Power‑to‑Heat‑Anlagen sowie die erweiterte Wärmeauskopplung aus der Müllverbrennungsanlage hinzu. Damit diversifiziert der Versorger sein Erzeugungsportfolio weiter, um die Abhängigkeit von einzelnen Brennstoffen zu minimieren, wie es in einer Mitteilung des Unternehmens heißt.
Die neue Großwärmepumpe mit 30 MW Leistung, deren Komponenten jetzt im Klärwerk Herrenhausen angekommen sind, soll künftig klimaneutrale Wärme für bis zu 13.000 Haushalte liefern. Die zentralen Komponenten, unter anderem Motoren, Kompressoren sowie die beiden zentralen Wärmetauscher-Pakete, stammen vom Hersteller Friotherm aus der Schweiz.
Winterstabile Wärme aus dem Klärwerk „Innerhalb weniger Tage hat das Montageteam die bis zu 50 Tonnen schweren Einzelkomponenten vor der Halle zusammengefügt und sie über Schienen millimetergenau ins Gebäude eingezogen“, kommentiert Michael Hartung, Geschäftsführer der Enercity Contracting GmbH, den Projektfortschritt. In den kommenden Wochen sollen die Aggregate über mehrere hundert Meter Rohrleitungen verbunden werden.
Das städtische Klärwerk Hannover biete, so Enercity, ideale Voraussetzungen für den Einsatz der Technologie, weil selbst im Winter die Temperatur des gereinigten Abwassers stabil bei etwa 12 bis 16 Grad liege. Damit sei die Anlage als Mittellast-Erzeuger besonders wertvoll, weil sie die Wärme gerade auch dann zur Verfügung stellen könne, wenn die Nachfrage besonders hoch ist.
Kohleausstieg und die Wärmewende Mit einer Jahreswärmeerzeugung von rund 130
Millionen kWh deckt die Großwärmepumpe künftig etwa sieben bis acht Prozent des gesamten Fernwärmebedarfs Hannovers. Die Einbindung in das bestehende System ist vorbereitet: Strom‑ und Fernwärmeanschlüsse sind im vergangenen Jahr hergestellt worden.
Die vollständige Montage der Anlage ist bis Ende 2026 vorgesehen, anschließend geht sie in den Regelbetrieb. Insgesamt investiert Enercity nach eigenen Angaben rund 56
Millionen Euro. Gefördert wird das Projekt durch einen Zuschuss in Höhe von 22,5
Millionen Euro aus dem Programm ,,Bundesförderung für effiziente Wärmenetze” (BEW).
Bis Ende des Winters 2027/28 soll das Kohlekraftwerk vollständig durch ein klimaneutrales Anlagenportfolio ersetzt sein. Parallel soll das Fernwärmenetz erheblich wachsen: von heute rund 360
Kilometer auf perspektivisch etwa 550
Kilometer. Bis 2040 will Enercity rund 18.000 Gebäude in Hannover mit klimaneutraler Fernwärme versorgen – etwa viermal so viele wie heute.
Technische Daten der Großwärmepumpe - Wärmequelle: gereinigtes Klarwasser aus dem Klärwerk
- Quellentemperatur: 12 bis 16 Grad (winterstabil)
- Thermische Leistung: 30 MW
- Jahreswärmeerzeugung: rund 130 GWh
- Fernwärme-Vorlauftemperatur: rund 95 Grad
- Versorgungspotenzial: rechnerisch 13.000 Haushalte
- Anteil am Fernwärmebedarf Hannover: 7 bis 8 Prozent
Donnerstag, 23.04.2026, 10:50 Uhr
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